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Vom braven Gymnasiasten zum Räuber

Um sie auszurauben, hat ein Gymnasiast aus Erlenbach eine professionelle Escort- Dame in eine Falle gelockt.

Es war im Sommer 2011, als ein Gymnasiast aus Erlenbach an Schizophrenie erkrankte. Die Folgen machten sich schnell bemerkbar. Der heute 22-jährige Marihuana-Konsument brach nicht nur die Schule ab, sondern kam auch mit dem Strafgesetz in Konflikt. Erstmals am 30. Juli 2011, als er sich einer Polizeikontrolle beim Bahnhof Stadelhofen entziehen wollte und dabei auf das Glasdach des Bahnhofs sprang. Von dort aus lief er zum Perron in Richtung Bahntunnel, wo er gerade noch von Bahnpolizisten festgehalten werden konnte.

In den Zürichsee gesprungen

Nur einen Monat später befand sich der paranoide Ex-Schüler erneut auf der Flucht. Diesmal in Erlenbach, wo er sich zuerst in der S6 gegen eine Billettkontrolle massiv gewehrt und einem SBB-Angestellten in die Wade gebissen hatte. Dann schlug er sich den Weg frei und flüchtete am Bahnhof Erlenbach nach draussen. Kurz darauf sprang er auf der Flucht vor der Polizei in den Zürichsee, worauf er sich weigerte, in ein Boot der Seepolizei zu steigen. Bis er doch noch aufgab.

Im Frühling 2012 verschlimmerte sich der Zustand des haltlos gewordenen Ex-Gymnasiasten, der sich nun auch noch als Räuber betätigte. Zusammen mit zwei Komplizen lockte er bei einem Zürcher Sportplatz eine junge ­Dame vom Escort-Service in eine Falle, um sie auszurauben. Da die Frau kein Geld auf sich trug, wurde nichts aus dem geplanten Raub. Allerdings musste die völlig verängstigte Geschädigte einen der drei Männer oral befriedigen.

Nur eine Woche später raubte der Beschuldigte in Zürich auf offener Strasse einen Passanten aus und entriss ihm das Mobiltelefon. Bis zum Oktober 2012 kam es zu weiteren Vorfällen. So setzte er sich gegen eine Polizeikontrolle zur Wehr und spuckte einem Passanten zweimal ins Gesicht.

Am Montag stand der Beschuldigte vor dem Bezirksgericht Zürich und legte ein weitgehendes Geständnis ab. Abgesehen vom Raubversuch zulasten der Escort-Dame. Er habe damals gar nicht gewusst, um was es gehe. Auch beim Oralverkehr habe er nicht gedacht, dass es eine Nötigung sei.

Therapie statt Gefängnis

An der Verhandlung kam heraus, dass der junge Mann heute zu 100 Prozent als IV-Rentner lebt und sich bereits mehr oder weniger regelmässig in eine ambulante Psychotherapie begibt. Dabei nimmt er auch Medikamente ein.

Das Ergebnis der Verhandlung war voraussehbar. Das Gericht verurteilte den Beschuldigten wegen mehrfachen Raubes, Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie weiteren Delikten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten. Den Strafvollzug schob es zugunsten einer ambulanten Psychotherapie auf. Auch mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Nur bei der Strafhöhe hatten beide Seiten mit 18 respektive 8 Monaten Freiheitsentzug gegensätzliche Positionen vertreten.

Das Gericht begründete die milde Strafe mit der stark eingeschränkten Schuldfähigkeit des Ex-Gymnasiasten. Betreffend Nötigung der Escort-Dame wird ein Mittäter des Gymnasiasten in einem separaten Verfahren belangt. Attila Szenogrady

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