Turbenthal

Vom Büro in den Dschungel

Vor fünf Jahren hat sich Corinne Lüscher auf den Weg nach Asien gemacht und ist so zum Schamanismus gekommen.

Die Figur einer Maya-Gottheit hat Corinne Lüscher auf ihrer Reise durch Mexiko von einer Schamanin geschenkt bekommen.

Die Figur einer Maya-Gottheit hat Corinne Lüscher auf ihrer Reise durch Mexiko von einer Schamanin geschenkt bekommen. Bild: Madeleine Schoder

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«Tausende von Kerzen kann man am Licht einer Kerze anzünden, ohne dass ihr Licht schwächer wird. Freude nimmt nicht ab, wenn sie geteilt wird.» Diese buddhistische Weisheit steht auf der Tür zur Praxis von Corinne Lüscher in Turbenthal. Der spirituelle Funke ist vor fünf Jahren auf die 40-Jährige übergesprungen.

Der Duft von Tee erfüllt den Raum. Hier führt Lüscher seit letztem Herbst schamanische Rituale aus. An die Wand ist ein goldenes Om-Symbol gepinselt. «Das ist der Ur-Ton des Universums», sagt sie. Yoga-Matten liegen auf dem Boden. In der Mitte steht eine Kerze auf einem bunten Tuch, darauf sind verschiedene Kristalle verteilt. «Ich arbeite sehr gerne mit diesen Steinen», sagt Lüscher. Wie Pflanzen hätten auch die Kristalle eine Energie, die sie weitergeben können. So trinkt die Schamanin in Ausbildung meist Wasser aus einem Krug mit Steinen darin.

Zuerst die Karriere

Doch nicht immer hat die junge Frau an die Energie der Pflanzen und Steine geglaubt. Nach ihrer kaufmännischen Ausbildung hat sie eine lange Zeit im Büro gearbeitet. «Ich konnte schon ein bisschen Karriere machen», sagt sie. Als 26-Jährige ist sie nach England gezogen und hat dort sieben Jahre lang für verschiedene internationale Unternehmen gearbeitet. «Doch das hat mich irgendwie nicht ausgefüllt.» Lüscher verstand sich selbst nicht recht: ein abwechslungsreicher Job, viel Lohn, ein tolles Auto. Was braucht man mehr für sein Glück? «Da hat meine Sinnkrise so richtig begonnen.»

Flucht aus dem Alltag

Also beschloss sie, wieder in die Schweiz zurückzukehren, vielleicht würde ein Ortswechsel ja helfen. Doch Lüscher blieb unzufrieden. «Nach der Arbeit kam ich nach Hause und war fertig. Das kann doch nicht alles sein, habe ich mir gedacht.» Was danach kam, war eine Flucht aus dem Alltag. Für ein Jahr machte sie sich auf eine Reise durch Asien, die sie mehrheitlich in Thailand verbrachte. «Ich habe mich in die Herzlichkeit dieses Landes verliebt.» Yoga und Meditationen waren ihr Alltag.

«Dort haben mir meine Reisebekanntschaften immer wieder vom Schamanismus erzählt», sagt sie und lächelt. Schamanismus ist für Lüscher schwer zu erklären. Ein paarmal beginnt sie zu sprechen, bricht wieder ab und sagt schliesslich: «Man glaubt an eine tiefe Verbundenheit zur Natur und daran, dass wir mehr als nur ein Körper sind.» Durch den Zugang zur Spiritualität habe sie schon viel an sich gearbeitet.

Glaubenssätze verändern

«Zuerst muss man gewisse Dinge mit sich selbst klären», sagt sie. Bevor Lüscher sich entschieden hat, eine Praxis zu eröffnen, hat sie an ihren eigenen Überzeugungen gearbeitet. «Es gibt sogenannte Glaubenssätze, die wir mit uns herumtragen.» Manchen von ihnen ist sie auf den Grund gegangen. Während sie früher genervt vom morgendlichen Pendlerverkehr nach Zürich war, sieht sie das heute gelassen: «Ich nehme das einfach nicht mehr persönlich. Es hat nichts mit mir zu tun, wenn andere so gestresst sind.»

Man glaubt an eine tiefe Verbundenheit zur Natur und daran, dass wir mehr als nur ein Körper sind.Corinne Lüscher

Lüscher sitzt aufrecht und mit wachen Augen auf ihrer Yogamatte. Hier gibt sie ihren Kunden schamanische Massagen, veranstaltet Zeremonien und leitet schamanische Reisen. «Diese Reisen haben das Ziel, zu uns selbst zu finden und zu spüren, was wir brauchen.» Wie bei einer Meditation gehe es darum, Ruhe zu finden. Doch bei einer solchen Reise, die man sich wie eine Art Traum vorstellen könne, trete man mit Geistern von «Anderswelten» in Verbindung. «Die Spirits sagen einem, was zu tun ist, und geben Rat.» So sei es auch bei ihr gewesen. «Sie haben mich darauf gebracht, dass ich eine Praxis eröffnen soll.»

Tödliche Tiere

Lüscher glaubt nicht, dass sie je ausgelernt hat, deshalb stimmt für sie die Bezeichnung «Schamanin» auch nicht ganz: «Das ist ein ewiger Prozess, ein Weg, der immer irgendwie weitergeht.» So geht sie zurzeit zweimal die Woche zur Schule, wo sie mehr über die Pflanzenheilkunde und den Schamanismus lernt.

Vor allem möchte sie ihren Horizont durch Reisen erweitern. Neben Asien hat sie auch Südamerika bereist und dort ein Jahr lang in Peru und Mexiko bei schamanischen Stämmen gelebt. «Das war für mich eine demütige Erfahrung.» Im Dschungel umgeben von Tieren zu leben, die einen töten könnten, habe sie bewegt. «In der Schweiz haben wir vielleicht mal eine Fliege im Haus, dort waren es giftige Schlangen und Jaguare.» Trotzdem möchte Lüscher weiter die Welt von ihrer schamanischen Seite kennen lernen. Besonders Australien, Afrika und Südamerika interessieren sie. «Dort möchte ich gerne weitere Stämme besuchen und von ihnen lernen.» (Landbote)

Erstellt: 21.04.2019, 18:03 Uhr

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