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Vom Hiesige Das Gute liegt so nah

Hoch über Embrach, auf der sonnigen ­Südwestflanke eines grünen Hügels, liegt der Guldenberg. Im grosszügigen Hofladen gibt es viele Köstlichkeiten, die vom Landwirtschaftsbetrieb der Familie Lienhard stammen.

Most und mehr vom Guldenberg

Grosse Paletten voller gelber, roter oder grüner Äpfel stehen auf dem Hof des Guldenbergs und warten auf ihre Verarbeitung. «Diese hier werden wir jedoch nicht mosten», sagt Michael Lienhard und weist auf einen Container hin, der viele Früchte mit braunen Stellen enthält. «Wenn sie so aussehen, wird das nichts: Das gibt keinen guten Most!» Mit einem Gabelstapler kippt der Lehrling derweil andere, den Qualitätsanforderungen genügende Äpfel in eine Mulde aus Beton, von wo aus sie mit einer Förderschnecke ins Innere des Gebäudes und damit direkt in die Mostpresse befördert werden. Momentan sind gerade Gravensteiner dran (entsprechend intensiv riecht es im Mostereiraum). Unterhalb der Presse schiesst der Saft goldgelb aus einem dicken Rohr und kann gleich «frisch ab Presse» gekostet werden: Wunderbar …

Der Guldenberg wird heute in vierter Generation bewirtschaftet. Entstanden ist der stattliche Hof 1964, als die Familie Lienhard im Rahmen einer Güterregulierung aus dem Dorf Embrach aussiedelte, wo sie zuvor schon länger einen Bauernhof betrieb. «Schon damals war für meinen Grossvater klar, dass er künftig die Produkte aus Obst- und Rebbau selber verarbeiten und vermarkten wollte», erklärt Michael Lienhard, «er war diesbezüglich ein Pionier.» Sein Vater Oskar übernahm den Betrieb in den 1970er-Jahren und führte ihn im selben Stil weiter, allerdings brachte er ihn technisch auf den neuesten Stand und stellte den Obstbau von Hoch- auf Niederstammkulturen um.

Andere Länder, andere Sitten

Michael Lienhard (Jahrgang 1981) absolvierte eine Lehre als Landwirt auf dem Strickhof und legte anschliessend seine Meisterprüfung ab. In Neuseeland und Australien sammelte er Auslanderfahrungen, bevor er 2003 auf dem Familienbetrieb einstieg. «In Neuseeland gibt es keine Direktzahlungen, dort muss die Landwirtschaft produzieren, was der Markt will», schildert er seine ­Beobachtungen. «Angebot und Nachfrage spielen, es kommt dadurch aber auch zu grossen Preisschwankungen.»

Qualität darf etwas kosten

Er findet zwar, die Liberalisierung im Weinbau, die in der Schweiz seit den frühen 1990er-Jahren eingesetzt hat, sei ein gutes Beispiel dafür, dass man in einem freien Markt mit gesundem Geschäftssinn, unternehmerischem Denken, Innovationsbereitschaft und Kreativität bestehen kann: «Qualitativ hochstehende Produkte dürfen heute sogar etwas mehr kosten», ist er überzeugt. «Es gibt aber auch Leute, die sich das nicht leisten können oder wollen – und für die braucht es daneben Billiglinien, die anders produziert werden.» Das müsse dann aber klar deklariert sein.

Eine totale Deregulierung kann er sich hierzulande aber nicht vorstellen: «Wir haben andere ­Bedingungen. Ein Selbstversorgungsbetrieb kann sich dank Extensivierung und Direktzahlungen so vielleicht gerade noch halten, aber sonst geht es kaum mehr.»

Auch an der Rentabilität vieler Hofläden zweifelt er. «Es reicht halt nicht aus, in einem umgebauten Futtertenn etwas Obst und Gemüse zu verkaufen.» Wenn schon, müsse man es schon richtig machen: «Nur wenn es ‹aamächelig› ist, kann ein Hofladen eine gute Einnahmequelle sein und eine Existenzgrundlage darstellen.» Beim Guldenberg ist er sicher mehr als das: Der Hofladen ist sehr grosszügig gestaltet, er verfügt über ein reichhaltiges und vielfältiges Sortiment und ist zudem mit Tischen und Stühlen möbliert. Am Samstagmorgen wird auch noch «ein bisschen Gastronomie» angeboten, was von der Bevölkerung gerne genutzt und mit einem Schwatz verbunden wird.

Obwohl auf der sonnigen Hofseite ein riesiger Massivholztisch steht und gegen Westen eine grosse Terrasse liegt, die einen wunderbaren Ausblick bietet, werden hier kaum Events durchgeführt: Man sei ohnehin schon sechs Tage «von morgens früh bis abends spät» am Arbeiten. «Wenn da noch Gastronomie dazukäme, dann hätten wir sieben Tage pro Woche geöffnet», sagt er. «Und das wäre dann einer zu viel.»

Zu den Kompetenzen stehen

Verständlich, denn mit 33 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche ist der Guldenberg ein grosser Betrieb, der viele Leute beschäftigt: Michael Lienhard und seine Frau kümmern sich um die Mosterei und den Verkauf, seine Eltern betreuen den Wein- und Obstbau sowie den Hofladen. Zwei bis drei Mitarbeitende sorgen sich um den Stall, zwei Lehrlinge absolvieren hier ihre landwirtschaftliche Ausbildung und in Saisonspitzen kommen zusätzlich Aushilfen zum Einsatz. Lediglich 1 Hektare wird für Reb- und 1,7 Hektaren für Obstbau ­genutzt, die restliche Fläche dient der Futtermittelproduktion, denn der Hof beherbergt 80 Milchkühe: Die Milchproduktion und der Mostereibereich bilden denn auch die Haupterwerbszweige des Guldenbergs.

Der grösste Teil der Milch gelangt in den Handel, ein kleinerer Teil davon wird in der Wyland-Chäsi in Henggart zum eigenen Guldenberg-Käse verarbeitet. Eine eigene Molkerei zur Verarbeitung der Milch (und später auch zur Produktion von Joghurts) ist derzeit im Bau; die ­Käseproduktion will man aber – gleich wie die Herstellung von Gebranntem oder von Fleischprodukten – weiterhin den Profis anvertrauen: «Das können wir nicht», sagt Lienhard entschieden. «Das sind immerhin eigene Berufe mit einer dreijährigen Ausbildung!» Anders die Mosterei: Sie dient nicht nur dem Eigenbedarf, sondern wird auch als Lohnmosterei betrieben. Während die eigenen Fruchtsäfte aus zugekauften Früchten aus der Region und aus dem Thurgau hergestellt werden, wird das Obst, das auf dem Guldenberg wächst, ausschliesslich als Tafelobst verkauft. Gerade umgekehrt ist es bei den Trauben: Aus ihnen wird hier auf dem Guldenberg der eigene Wein gekeltert. Alex Hoster

Eine Serie über Kulinarisches aus der Region und über Leute, die es machen

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