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Vom Leben in der Nacht

Nachtarbeiter, Nachtschwärmer und Glühwürmchen: Eine Ausstellung im Zürcher Stadthaus erhellt das Dunkel einer Stadt.

Wann beginnt die Nacht? Wie endet sie? Auf dem Zürichberg ist es ab 23 Uhr total ruhig; in Altstetten hingegen ist es je nach Ort unterschiedlich. Beim Bahnhof Stadelhofen ist zwischen 21 und 2 Uhr am meisten los. Und an der Langstrasse geht es die ganze Zeit rund – bis der Happy Beck zumacht. Der Videokünstler Piet Esch hat sich mit seiner Kamera auf den Weg durch die Zürcher Nächte gemacht. Seine Filmaufnahmen sind nun unter anderem in der Ausstellung «Nacht Stadt» im Zürcher Stadthaus zu sehen. Sie dokumentieren die unterschiedlichen Aggregatszustände von vier Quartieren in der Nacht – und auch der Menschen, die hier unterwegs sind. «Aber wer die Stadt bei Nacht kennt, der kennt sie wirklich», sagt Anke Hoffmann, die die Ausstellung konzipiert hat. Es ist ein Rundlauf mit verschiedenen Aspekten zur Nachtseite einer Stadt. Zu Piet Eschs Bildern über den unterschiedlichen Fluss der Zeit gibt es auch den Ton. «Es ist erstaunlich, wie anders als der Tag die Nacht klingt», sagt der Soundkünstler Joris Stemmle, der mit dem Velo auf nächtlichen Touren war und die Zürcher Klangwelt mit der Installation «Soundcycle» dokumentierte. Mit der Zeit verändert sich die eigene Wahrnehmung. Dass man um 21 Uhr Frühstück essen kann, zum Beispiel. So macht es ein Verkäufer in der Bäckerei Happy Beck an der Dienerstrasse, er arbeitet die ganze Nacht durch – wie der Polizist, die Assistenzärztin, der Night Manager, der DJ, die Busfahrerin, der Drucktechnologe, die Barfrau, sie alle werden in der Ausstellung porträtiert. Ein kleines Lexikon Noch andere Geschöpfe sind unterwegs: Fuchs, Fledermaus, Waldkauz, Glühwürmchen. Wer will, kann den eigenen Nachttyp bestimmen. Lieber alleine in den Ausgang? Oder mit Freunden? Rotwein oder Bier? Ergebnis: Ich bin ein Nachtkauz. Dazu wird in der Ausstellung die kleine Enzyklopädie des Nachtlebens abgegeben, sie geht von der 24-Stunden-Gesellschaft über Bier und Wurst bis zu Zwischennutzungen, dazwischen alles, was die Nächte in Zürich (auch wirtschaftlich) so interessant macht. Es gibt jetzt 646 Nachtlokale (Stand 2013) in der Stadt, in den Achtzigerjahren waren es 41 – es müssen dunkle Zeiten gewesen sein. «Nacht Stadt». Stadthaus Zürich, bis 7. März. Dazu zahlreiche Begleitveranstaltungen – und ein super E-Magazine: www.stadt- zuerich.ch/ausstellung.

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