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Vom Publikum in Haft genommen

zürich. Krimiautor Peter Zeindler feiert morgen seinen 80. Geburtstag – im Theater Rigiblick mit der Vernissage seines neuen Sembritzki-Krimis «Die weisse Madonna».

«Die weisse Madonna» basiert auf Recherchen über den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) und die Terroristin Beate Zschäpe, die derzeit vor Gericht steht. Es ist nicht das erste Mal, dass der Zürcher Autor Bücher perfekt mit Gegenwartsthemen synchronisiert. Das war auch 1996 der Fall bei «Salon mit Seerosen», in dem es um Geldwäscherei ging, und 1998 bei dem Raubkunstthriller «Aus Privatbesitz». 2004 liess Zeindler sich von der Tankerkatastrophe vor der Küste Galiciens in- spirieren. Unter dem Motto «Was wäre, wenn …» hat er jedes Mal die Tatsachen zu einem spannenden Thriller weitergesponnen.

Dass er in seinem neuen Krimi seinen alten Serienhelden, den als Berner Antiquar getarnten BND-Agenten Konrad Sembritzki, wieder aufgeboten hat, kommt überraschend. Nach dem Ende des Kalten Kriegs und den vier Sembritzki-Romanen «Die Ringe des Saturns» (1984), «Der Zirkel» (1985), «Widerspiel» (1987) und «Der Schattenagent» (1989) hätte eigentlich Schluss sein können. Aber in «Feuerprobe» (1991) liess Zeindler Sembritzki noch einmal gegen ehemalige Stasimitarbeiter antreten, um ihn in «Der Schläfer» (1993) scheinbar in Rente zu schicken und 2000 in «Abschied in Casablanca» wiederauferstehen zu lassen.

Die Spionagethriller-Reihe hat Peter Zeindler zwar berühmt gemacht, aber eigentlich sei er gar kein Krimiautor, sagte der promovierte Germanist und Goethe-Spezialist. Eigentlich würde er gern wieder einen Nichtkrimi schreiben, aber er würde das Publikum dafür nicht finden. Sein erster durch und durch ernster Roman «Ausgetrieben» wurde 1995 zwar von der Kritik gelobt, vom Publikum aber nicht angenommen. Es ging darin um einen Gymnasiallehrer, dessen Sprachmacht ihm den Zugang zu den Gefühlen versperrt – ein bis heute in der Literatur immer wieder auftauchender Topos.

Seit 40 Jahren freischaffend

Bei Peter Zeindler steckte wohl auch viel Autobiografisches darin. Am 18. Februar 1934 in Zürich geboren und in Schaffhausen aufgewachsen, besuchte er zunächst das Lehrerseminar und studierte danach Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Zürich. Er promovierte bei Emil Staiger mit der Arbeit «Der negative Held im Drama». Danach ar­bei­te­te er als Dozent an Goethe-Instituten und Deutschlehrer am Gymnasium Biel. Es folgten journalistische Engagements im Pressedienst von Pro Helvetia und beim Kulturmagazin «Perspektiven» beim Schweizer Fernsehen. Seit 1974 ist er freischaffend und ar­bei­te­te für TV, Radio und verschiedene Printmedien.

Er kann auch Theater

Seine ersten literarischen Arbeiten waren keineswegs Krimis, sondern Stücke: die dramatische Collage «Der Eremit» (1966) und das Stück «Kurzschluss» (1969), die in Bern und Karlsruhe uraufgeführt wurden. Auch mit Hörspielen und Chansontexten war er erfolgreich. So schrieb er beispielsweise 1987 für Eva Rieck das Songprogramm «Alles schon hundertmal gesagt» und 2003 für Gabriela Tanner «Heut lieb’ ich meinen Schreiner».

Geburtstagsfeier

Dienstag, 20 Uhr, Theater Rigiblick, freier Eintritt, Anmeldung erforderlich! tickets@theater-rigiblick.ch oder 044 361 80 51. Beschränkte Platzzahl

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