Rheinau

Von Rheinau nach Indien

Tanja Lirgg aus Rheinau ist nach mehreren Auslandsaufenthalten neue Geschäftsführerin der Stiftung Usthi. Diese unterstützt Menschen in Indien und Nepal.

Dieser Tage reist Tanja Lirgg aus Rheinau nach Indien, um die Projekte der Stiftung Usthi zu besuchen.

Dieser Tage reist Tanja Lirgg aus Rheinau nach Indien, um die Projekte der Stiftung Usthi zu besuchen. Bild: Melanie Duchene

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Vor ziemlich genau zehn Jahren reiste Tanja Lirgg für ein halbes Jahr nach Kamerun. Sie setzte sich dort für Waisenkinder ein und sagte nach ihrer Rückkehr in einem «Landbote»-Artikel: «Gewisse Dinge werden nie mehr so sein wie zuvor.» Sie hatte Mühe mit dem Überfluss, der in der Schweiz herrscht. Das Gemüse in den Supermärkten wirkte wie Plastik auf sie, so perfekt, wie es präsentiert wird.

Ein Gedanke hat sich seit Kamerun nachhaltig gefestigt: Tanja Lirgg will sich für Menschen einsetzen, die weniger privilegiert sind. «Für mich war immer klar, dass ich dereinst in einer gemeinnützigen Firma arbeiten will», sagt die 30-Jährige. Sie ist nach weiteren Auslandaufenthalten wieder zurück in Rheinau, dem Ort, wo sie aufgewachsen ist. Nach dem Gymnasium in Winterthur studierte sie in Lausanne Politikwissenschaften und absolvierte später gleich zwei Masterstudiengänge im Bereich Menschenrechte, einen davon in Paris. Nach einem dreijährigen Aufenthalt in Berlin, wo sie als Projektmanagerin arbeitete, zog es sie wieder in die Schweiz, da hier die beruflichen Aussichten im gemeinnützigen Bereich besser seien.

Abwechslung zur Büroarbeit

Seit August arbeitet sie nun als Geschäftsführerin der Usthi-Stiftung mit Sitz in Jona SG. Tanja Lirgg fördert in dieser Funktion Kinder und Jugendliche in Indien und Nepal, indem sie ihnen dank Spendengeldern Zugang zu Schul- und Berufsbildung ermöglicht. Diese Woche reist sie erstmals nach Indien, um die Projekte zu besuchen. Gleichzeitig werde für das 40-Jahr-Jubiläum der Stiftung ein Dokumentarfilm gedreht. Sie freut sich auf die Reise und schätzt die Abwechslung nach der Büroarbeit in der Geschäftsstelle Zürich-Oerlikon.

Plötzlich Geschäftsführerin

Beworben hatte sie sich zuerst nicht als Geschäftsführerin der Stiftung, sondern als Assistentin. Erst während des Bewerbungsgesprächs erfuhr sie, dass der aktuelle Geschäftsführer Kurt Bürki kürzertreten will. Er hatte die Stiftung 1976 ins Leben gerufen. Zunächst mit einer Strassenküche in Kalkutta, mittlerweile betreut die Stiftung mehrere Schulen und Gesundheitszentren.

Zudem leistet das Team auch Nothilfe nach Katastrophen. Besonders engagiert war die Stiftung nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal im Frühjahr 2015. Die Stiftung nutzte ihre Kontakte vor Ort und unterstützte die Bevölkerung rasch mit einem Hilfskonvoi und Notunterkünften. Innerhalb eines Monats sei es möglich gewesen, Soforthilfe für über 36 000 Menschen zu leisten, heisst es im Schlussbericht. 55 Tonnen Hilfsgüter habe man aus Indien nach Nepal bringen und dort verteilen können. Anschliessend beteiligte sich die Stiftung am Wiederaufbau der zerstörten Häuser. Lediglich zwölf andere internationale Organisationen hätten ebenfalls eine Baubewilligung für den Wiederaufbau in Nepal erhalten, sagt Tanja Lirgg.

Falsche Vorurteile

Sie ist in der Stiftung vor allem für das Fundraising und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Ihr Ziel ist es, die Stiftung auch im Raum Winterthur bekannter zu machen. Gerade für kleine Non­Profit-Organisationen sei das schwierig, weil sie kein grösseres Budget für Werbung hätten. Dafür fliesse ein grosser Teil des Budgets direkt in Projekte vor Ort. Generell sieht sie Werbung von Hilfswerken mit Bildern von hilflosen Menschen, wie sie insbesondere in der Weihnachtszeit häufig zu sehen sind, kritisch. Das zementiere ein falsches Bild und Vorurteile, sagt Tanja Lirgg. Denn weniger privilegierte Menschen seien selten hilflos, sondern im Gegenteil sehr kreativ in ihrer Bewältigung des Alltags. Der Stiftung Usthi gehe es deshalb darum, in diese Personen zu investieren, damit sich neue Perspektiven eröffnen. «Armut ist wie ein Teufelskreis, aus dem man ohne Unterstützung kaum herauskommt.» Entscheidend seien dafür eine bessere Ausbildung und Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung. «Wer krank oder erschöpft ist, kann keine Visionen entwickeln.» ()

Erstellt: 02.12.2016, 10:30 Uhr

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