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Von sich selber besessen

zürich. Beatrice Fleischlin ist eine Schweizer Dramatikerin, die der Illusion konsequent den Riegel schiebt. Auch ihre neue Produktion «Mein Herz ist ein Dealer» im Theaterhaus Gessnerallee wirbelt Dichtung und Wahrheit gehörig durcheinander.

Was macht einer, der zusammen mit 80 Gästen seinen Geburtstag feiert und plötzlich den Drang verspürt, den schleimigen Alltag hinter sich zu lassen? Er verlässt das Fest, eigentlich nur kurz und in der Absicht, Luft zu schnappen, geht dann aber einige Schritte und geht immer weiter, bis er den Gipfel eines Berges erreicht. Axel Röhrle spielt diesen «leicht Verzweifelten». Es ist sein Stück im Stück. Bei einem Casting habe er die Rolle ergattert, erzählt er bei seiner Ankunft auf dem Berg. Geil ist er darauf, im Scheinwerferlicht zu stehen in dieser Landschaft mit dürren Pflanzen, einer aus Steinquadern gebauten Bergspitze – Bühne auf der Bühne (Markus Karner) – und den Abschrankungen aus Stahl. Auf der Bühne steht zudem ein Container, dessen Funktion allerdings völlig schleierhaft bleibt. Deplatziert wirken bisweilen auch die Bassistin Anna Trauffer und der Gitarrist Andi Peter, die wie Fleischlin, Röhrle und Knecht zum produzierenden Theater Konstellationen gehören. Sie begleiten den Abend mit Musik und Gesang, und in dieser Funktion ist das Duo eine Bereicherung. In der spielfreien Zeit aber hat ihm der Regisseur Jonas Knecht Turnübungen und andere sinnlose Aktivitäten verordnet. Sinn macht dafür der Auftritt von Beatrice Fleischlin mit wallender blonder Perücke. Sie bringt neuen Schwung ins Stück, indem sie Axels selbstverliebten Spielplan mit einem eigenen Stückkonzept durchkreuzt. Sie sei von der Dramatikerin beauftragt worden, mit dem Verzweifelten eine Liebesgeschichte zu improvisieren. Zeigen wird sich schliesslich, dass sie selbst die Dramatikerin ist, dass sie auch Axel Röhrles Ego-Part geschrieben hat. Sie allein ist verantwortlich für diesen Abend, der sich, so amüsant das desillusionierende Stück-im-Stück- Konzept auch ist, mit vielen Wiederholungen und Ungereimtheiten in die Länge zieht. Daran ändert auch der Schneesturm nichts, der gewaltig über den Bergrücken rast.

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