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Vorfreude von Skepsis gedämpft

Der Winterthurer Marathonläufer Patrick Wieser blickt den 42,195 km vom Sonntag in Zürich mit gemischten Gefühlen entgegen.

Eine derartige Vorbereitungswoche wie Patrick Wieser hat wohl keiner der EM-Marathonläufer hinter sich. Der 35-Jährige kombinierte sie mit seiner Vollzeitanstellung als Kantonspolizist. Und auch in der EM-Woche ging er seinem Beruf nach, zumindest Anfang Woche. «Das Büro ist meine Erholung», sagt er. Alltag also.

Seine Erfolge hatten bisher nicht ein grundsätzliches Hinterfragen seines Lebensplans verlangt. Von Erfolgen, die das Läuferleben lukrativ hätten machen können, träumte er nicht. Schweizer Marathonmeister wurde er zwar Anfang April in Zürich, aber um den Tagessieg konnte er bei weitem nicht mitreden. Als Bergläufer gehörte er schon verschiedentlich den Schweizer Equipen an, abseits der öffentlichen Wahrnehmung aber.

Zurückgeworfen

Was jetzt passiert, hat eine neue Dimension. Als Mitglied des Schweizer Teams im Marathon rückt Wieser in den Fokus der Öffentlichkeit. Und er partizipiert an einem allfälligen Mannschaftserfolg. Die Aussichten für diesen erstmals vergebenen Teamtitel sind für die Schweizer ausgezeichnet, sofern die beiden Topathleten, Titelverteidiger Viktor Röthlin und Tadesse Abraham, der die europäische Bestenliste anführt, ihr Potenzial ausschöpfen. Gewertet werden die drei besten Ergebnisse einer Nation.

Wieser könnte also diesen wichtigen dritten Part leisten. Allerdings äussert er sich bezüglich eigener Möglichkeiten vorsichtig: «Mich begleitet eine gewisse Skepsis. Die Vorbereitung glückte nicht wunschgemäss, sagen wir einmal suboptimal.» Dieses Gefühl hängt mit den letzten dreieinhalb Monaten zusammen. Schon in den letzten Wochen vor dem Zürich Marathon, an dem er mit seiner Schweizer-Meister-Zeit von 2:18:14 Stunden das «EM-Ticket» löste, bekam er Schmerzen im rechten Schienbein. Sie besserten sich auch mit der Laufpause nach dem Rennen nicht nachhaltig. Die Arztvisite brachte Klärung: Ermüdungsbruch im Schienbein. «Jetzt wird die Zeit knapp», realisierte Wieser.

Im luftleeren Raum

Zwei Monate Laufpause wurden ihm verordnet. Aufgegeben hat er nicht. Vielmehr baute er die Form mit alternativen Trainingsformen auf, mit Aquarunning, Velo, Krafteinheiten und auf dem Crosstrainer. «Ich fühle mich gut», sagt er, stellt sich aber die Frage: «Wie kann ich 42,195 km rennen fast ohne Laufkilometer laufen?»

Ausgetestet hat er das kaum. Auf Wettkämpfe verzichtete er bewusst. «Ich stehe etwas im luftleeren Raum», sagt er bildlich und verweist auf seine Hoffnung: «Die Ambiance wird an diesem EM-Marathon in der Zürcher Innenstadt einmalig sein. Ich hoffe, das löst bei mir etwas aus.» Ein Gefühl also, das ihn quasi über die Strecke, die vier Runden mit dem viermaligen Aufstieg vom Central zur Polyterrasse und den Abwärtspart durch die Rämistrasse trägt. Der Start erfolgt am Sonntagmorgen um 9 Uhr. Jörg Greb

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