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Vorläufiges und Vollendetes

Isabelle van Keulen zeigte in Mozarts Violinkonzert Nr. 5 ihre Leidenschaft für die Musik. Und das Orchester Musikkollegium lief am Mittwochabend zusammen mit Dirigent Jaime Martin zur Höchstform auf.

Die holländische Violinistin Isabelle van Keulen zeigte bereits am Beginn von Mozarts Violinkonzert Nr. 5 in A-Dur, KV 219, dass sie sich gerne, aber auch umsichtig in ein Orchester oder En­sem­ble einfügen kann, wie sie es auch oft als Kammermusikerin tut. So spielte die engagierte Solistin von Anfang an die Orchesterexposition mit, anstatt erst danach mit der Solostimme einzusetzen, dort, wo diese nicht das Hauptthema aufnimmt, sondern mit einem kontrastierenden Adagio überraschend fortfährt. Die folgende Weiterentwicklung des ersten Satzes «Allegro aperto» wird bestimmt von thematischer Vielfalt und der starken Ausdruckskraft von Mozarts Musik. Mozart hatte seine fünf Violinkonzerte in kurzer Zeit seines Lebens geschrieben, zwischen 1773 und 1775, für den Eigengebrauch und den Salzburger Hof, wo er selber als Geiger tätig war und sich am Hofe erfolgreich präsentieren konnte – bevor er sich wieder vermehrt dem Klavier zuwenden wollte.

Leidenschaft und Spielfreude

Van Keulen, die auch renommierte Bratschistin ist und seit Herbst 2012 an der Hochschule für Musik in Luzern als Professorin für beide Instrumente tätig ist, zeigte eine grossartige Präsenz auf der Bühne, die das Publikum zusammen mit ihrer Virtuosität stark beeindruckte. Nach dem langsamen 2. Satz in E-Dur wendet sich das Konzert in ein unbeschwertes bis schwungvolles Rondo im letzten Satz. Dort kamen die Leidenschaft der Solistin und ihre offene Spielfreude nochmals ausdrücklich zum Tragen. Sie und der Dirigent Jaime Martin schienen sich gegenseitig regelrecht anzuspornen. In Mozarts exotischen Harmonien und starken Akzenten liess sich jedoch auch das Orchester von den beiden befruchten, Celli und Kontrabässe agierten zeitweise fast als Perkussionsinstrumente. Martin leitete das Orchester mit viel Elan und Bestimmtheit, die nicht nur in Mozarts Violinkonzert, sondern auch in Brahms’ Serenade Nr. 1 zum Ausdruck kam und als Spielfreude vollends auch auf das Orchester überging.

Das umfangreiche, zunächst nur viersätzige und mit kammermusikalischer Besetzung konzipierte Werk wurde erst später zu einer Art Sinfonie verwandelt. Brahms schrieb sechs Sätze eines vielfältigen Potpourris, das Raum liess für solistische Phrasen einzelner Orchestermusiker. Dieser Raum ermöglichte das aufmerksame Dirigat des ausgebildeten Flötisten Jaime Martin, der die Eigenheiten der einzelnen Sätze pointiert herausschälte. Besonders die drei letzten Sätze dieser Serenade von Brahms dirigierte er kraft- und temperamentvoll als unterhalt- same Musik voller Spielfreude.

Etwas zurückhaltend und einfach wirkte da Haydns Sinfonie zu Beginn des Konzerts: Haydn reiste 1791 erstmals nach London und traf dort auf ein neues und gutes Orchester. Als Höhepunkt seines sinfonischen Schaffens schrieb er die zwölf Londoner Sinfonien mit je eigenständigem Profil. Die Sinfonie c-Moll Nr. 95 ist relativ kurz, hat keine langsame Einleitung und steht als einzige der Londoner Sinfonien in einer Molltonart. Die Sätze wirken aber sehr transparent und klar und leben von kontrastierenden Abschnitten. Dies gilt auch für das Menuett – die Violoncellosoli wurden von Cäcilia Chmel mit Anmut und Engagement vorgetragen.

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