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Wackerer kleiner Geisterjäger

«ParaNorman» aus dem Hause Laika («Coraline») ist ein grossartiger Trickfilm – und eine köstliche Hommage ans gute alte Gruselkino.

Schräge Stupsnase, blaue Kulleraugen, Segelohren und Igelfrisur: Norman ist so richtig trickfilmniedlich. Doch er ist ein bisschen anders. Er ist melancholisch und ein wenig einsam, ähnlich wie Coraline, welche das Produktionsstudio Laika vor drei Jahren auf die Welt losliess. Was nicht verwundert. Denn schliesslich kann der Prot­ago­nist von «ParaNorman» Verstorbene sehen und mit ihnen sprechen. Die Geister sind für Norman allgegenwärtig. Wenn er TV guckt, sitzt seine tote Oma neben ihm. Wenn er über dieselbe menschenleere Strasse wie seine Kameraden zur Schule geht, ist er permanent am Grüssen, derart wimmelt es in Blithe Hollow von ehemaligen Bewohnern. Normans Verhalten befremdet, und es ist wenig verwunderlich, dass er deswegen von den Schulkameraden verlacht und gemieden wird. Doch es sind nicht nur die Kinder, die mit Norman ihre Mühe haben. Seine Lehrerin reagiert gereizt, wenn Norman mitten in den Theaterproben plötzlich gelähmt stehen bleibt und Zeuge Jahre zurückliegender Katastrophen wird. Seine Schwester Courtney findet Norman nervig, sein Vater möchte, dass das komische Getue aufhört, und Mama befürchtet, dass Omas Tod ihrem Sohn ein zünftiges Trauma eintrug. Eine Hexe und sieben Zombies Bloss Onkel Prenderghast sieht darin nichts Besonderes. Doch dieser wurde von der Familie verstossen und lebt ­heruntergekommen in einer Hütte vor dem Dorf. Und als er Norman eines Tages nach der Schule auflauert, ist er ihm nicht sonderlich geheuer. Doch Prenderghasts verworrenes Gerede über einen Fluch, der über Blithe Hollow liegt, weckt seine Neugier. Und dessen Bitte, das Dorf nach seinem Tod von der bösen Hexe zu befreien, nimmt er ernst. Tatsächlich stirbt der Onkel wenig später und fortan ist der Teufel los. Norman hat alle Hände voll zu tun, eine erregte Hexe und sieben Zombies in ihre Schranken zu weisen. Sam Fells und Chris Butlers Film ist wunderbar abgedreht und so sorgfältig stop-motion-animiert, wie man es ewig nicht mehr gesehen hat. Er steckt voller Referenzen auf alte Horrorfilmklassiker wie «Friday the 13th» (S. S. Cunnigham, 1980) und «Night of the Living Dead» (G. A. Romero, 1968). Er schliesst, da sich im Laufe der Geschichte mit Normans einzigem Schulfreund und dessen muskelbepacktem Bruder doch auch einige weitere Kids an der Hexenjagd beteiligen, auch ans jüngere Gruselkino im Stil der «Scary Movie» an. Zugleich ist «ParaNorman» aber auch köstlich skurril und so rührend herzig wie die früheren Laika-Filme. Trotz all der Referenzen und Anspielungen erzählt «ParaNorman» aber eine durchaus eigenständige Geschichte um einen Aussenseiter, der dem Gruppendruck nicht nur standhält, sondern sich mit Hilfe der sich mit ihm verändernden Umgebung zum wackeren Helden mausert. Und so ist «ParaNorman», humorvoll erzählt und phasenweise genregerecht furchterregend, eine grossartige Gruselfilm-Gaudi; zu empfehlen nicht den kleinsten, sondern den schon etwas herangewachsenen Kinogängern sowie Genreliebhabern und Trickfilmfans.

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