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Warme Luft. So what?

Gestern hat Umweltministerin Doris Leuthard eine Zahl bekannt gegeben: 50 Prozent! Um so viel, beschloss der Bundesrat, soll die Schweiz im Vergleich zu 1990 ihren Treibhausgasausstoss bis 2030 reduzieren. Nur Minuten nachdem Leuthard die ominöse Zahl genannt hat, wird sie in der Luft zerrissen. «Ambitiös», befürchtet der Gewerbeverband. «Beschämend tief», trompetet der WWF. Und was, fragt man sich, geht uns eine Zahl an, die erst in 15 Jahren eventuell relevant wird? Vorerst beschämend wenig. Denn mit dem wirklichen Klima draussen in Wind und Wetter, das sich seit vorindustriellen Zeiten im weltweiten Schnitt um knapp ein Grad erwärmt hat, hat die Klimapolitik drinnen in den Regierungsgebäuden meist sehr wenig zu tun. Dafür sehr viel mit dem menschgemachten, globalen Klima zwischen Industrie- und Schwellenländern, dem nationalen Klima zwischen Wirtschafts- und Umweltlobby, dem ideologischen Klima zwischen Wachstumseuphorikern und Überflusskritikern. Klimapolitik ist auch Wirtschafts- und Standortpolitik. Nüchtern betrachtet: Die 50 Prozent, die Doris Leuthard in die Waagschale wirft, sind nicht viel mehr als warme Luft. Fast die Hälfte der Reduktion soll im Ausland erzielt werden. Noch bedenklicher: Wie man den Treibhausgasausstoss im Inland vermindern will, weiss noch kein Mensch. Alles eine Frage künftiger politischer Entscheide, die vor allem den Verkehr bändigen müssten, damit die Schweiz ihren Beitrag zur Abbremsung der Klimaerwärmung leistet. Wobei: Die Schweiz ist für zwei Tausendstel des weltweiten CO2-Ausstosses verantwortlich. So what! So what? Mit ihrem jährlichen Ausstoss von rund sechs Tonnen pro Kopf und Jahr steht die Schweiz im internationalen Vergleich nicht so schlecht da. Vermeintlich. Langfristig klimaverträglich wäre aber bloss etwa eine Tonne pro Kopf. Es gibt zu tun. In einer Woche startet der Schweizer Ökopionier Bertrand Piccard mit seinem Solarflugzeug zur Weltumrundung. In der Schweizer Politik aber ist der Gedanke noch bei weitem nicht salonfähig, dass ambitionierte Reduktionsziele Innovationen anregen und Wirtschaftswachstum auslösen könnten. Jedoch: Wir sind es, die Auto fahren. Wir sind es, die zu Spottpreisen um die Welt fliegen. So viel geht uns alle die windige Reduktionszahl von 50 Prozent für 2030 schon heute an.

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