Zum Hauptinhalt springen

War­um der Kanton Zürich auch ein Kunstsammler ist

Der Kanton Zürich besitzt eine Sammlung von über 20 000 Kunstwerken. Er will damit das Kunstschaffen dokumentieren und Künstler fördern.

Im Kleinen könnte sich jeder Kantonsbewohner Mäzen nennen. Schliesslich gibt der Kanton jährlich rund 500 000 Franken aus, um Kunstwerke anzuschaffen. Bei einem Gesamtbudget von rund 14,5 Milliarden Franken ist das freilich ein Klacks. Manchmal geht es sogar gratis: Kürzlich bekam der Kanton zugunsten der Kunstsammlung zwei Gemälde geschenkt. Donator ist Gustav Konrad von Schulthess und die Bilder zeigen Porträts von Adolf Friedrich und Frederike von Schulthess Rechberg von Salis Marschlins. Die Bilder wurden im Haus zum Rechberg aufgehängt, das die Porträtierten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts längere Zeit bewohnten. Die Kunstsammlung des Kantons Zürich besteht seit etwas mehr als 100 Jahren. Heute umfasst sie bereits mehr als 20 000 Werke. Rund die Hälfte davon wurde in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren angekauft. Entsprechend gut sind die zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler vertreten. Die Kunstwerke werden auf Empfehlung der Fachgruppe Bildende Kunst der kantonalen Kulturförderungskommission angekauft. Die Kommission beobachtet den Markt und die Ausstellungen. «Gesucht sind hohe Qualität und eigene Handschriften», sagt Kathrin Frauenfelder, die die Kunstsammlung des Kantons Zürich seit zwölf Jahren kuratiert. Fördern und dokumentieren Mit der Sammlung werden einerseits Künstlerinnen und Künstler gefördert, andererseits geht es darum, das Kunstschaffen im Kanton Zürich über einen langen Zeitraum zu dokumentieren. Insofern ist die Sammlung einmalig. Und vor diesem Hintergrund wird auch klar, dass die Verantwortlichen mit der Idee, Kunst zu versteigern, nicht viel anfangen können. Eine entsprechende Anregung war vor ein paar Jahren im Kantonsrat eingereicht, aber abgewiesen worden. «Die Sammlung ist ein Zeitdokument und jedes versteigerte Werk würde eine Lücke reissen», sagt Frauenfelder. Trotz der eindrücklichen Zahl von mehr als 20 000 Werken ist die Kunstsammlung des Kantons Zürich – anders etwa als die Sammlung von Oskar Reinhart in Winterthur – in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Das Publikum besucht schliesslich auch nicht die kantonale Kunstsammlung. Allerdings sind jeweils zwischen 80 und 90 Prozent sämtlicher Werke in den Gebäulichkeiten des Kantons ausgestellt. Seien dies nun Spitäler, Notariate, Gerichte, regionale Arbeitsvermittlungszentren oder Jugendberatungen. Ruhige Kunst im Gericht Das Team um Kathrin Frauenfelder wählt die Bilder jeweils passend zum Umfeld. Für ein Gerichtsgebäude beispielsweise suche man eher ruhige Kunst mit einer klaren Struktur aus; sicher nichts Wildes. Die Kunstwerke in den kantonalen Ämtern seien wie kleine Ausstellungen. «Sie schaffen eine angenehme Atmosphäre und geben den Räumen ein Gesicht», sagt Frauenfelder. Wer in einer kantonalen Liegenschaft warten müsse, könne sich beim Betrachten der Kunstwerke auf angenehme Art die Zeit vertreiben. «Die Kunst korrigiert auch das Bild der unfreundlichen Amtsstuben.» Aus ihrer Erfahrung würden die künstlerischen Werke durchaus wahrgenommen. «Den Menschen ist es heute wichtiger, sich mit Kunst zu umgeben, als noch vor ein paar Jahren.» Das zeige beispielsweise der Erfolg der grossen Kunstmessen. Auch wenn die Leute in kantonalen Liegenschaften nicht wegen der Kunst vorbeischauen, könne das eine oder andere Bild doch zum späteren Besuch in einer Galerie anregen. Kathrin Frauenfelder und ihr Team choreografieren nicht allein die Kunstwerke im öffentlich zugänglichen Teil von kantonalen Liegenschaften. Die Spezialisten werden auch aktiv, wenn es um die Gestaltung von Grossraum- büros geht. Hier wie dort bietet Frauenfelder interne Führungen an, welche die Kunst und das Konzept hinter der Auswahl erklären. Keine Ladenhüter Die gut 3000 Kunstobjekte, die nicht gerade in einem kantonalen Gebäude hängen, befinden sich in einem Lagerraum. Hier werden sie fein säuberlich – in Gestellen und an schiebbaren Wänden aufgehängt – aufbewahrt. Ladenhüter gibt es laut Kathrin Frauenfelder übrigens keine. Jahr für Jahr wechseln mehrere Tausend Objekte ihren Standort. Sei es nun, dass sie aus dem Lager in ein kantonales Gebäude kommen oder aber von dort den Weg zurück ins Lager finden. Vor zehn Jahren geriet die Kunstsammlung des Kantons kurz in die Schlagzeilen. Damals waren 2000 Objekte unauffindbar. Seit die Werke dank Computertechnologie und der Arbeit von Kuratorin Frauenfelder inventarisiert sind, ist dieses Problem gelöst. Die Verantwortlichen beim Kanton wissen jederzeit, wo sich welches Kunstwerk befindet. Wer sich aus den Amtsstuben fernhalten will und trotzdem einen Einblick in «seine» Kunstsammlung erhalten möchte, kann das übers Internet tun. Dort sind rund 2500 Objekte – die Zahl ist steigend – als Fotografien zugänglich («Kunstsammlung des Kantons Zürich» in der Suchmaschine eingeben).

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch