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Warum mehr Männer putzen sollten

«Von wem lassen Sie lieber Ihr Auto reparieren oder Ihre Wohnung putzen», von einem Mann oder einer Frau? Mit solchen Fragen werden Pendler in der Stadt Zürich nächste Woche konfrontiert. Die neue Plakatserie der städtischen Fachstelle für Gleichstellung, die ab Montag in Zürcher Bussen und Tramen zu sehen sein wird, hinterfragt die Rollenbilder der Gesellschaft.

«Die Berufswahl nach Geschlecht ist nach wie vor ein sehr aktuelles Thema», sagt Anja Derungs, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich. Während Männer häufig im Baugewerbe, im Ingenieurswesen oder in technischen Berufen arbeiten, interessieren sich Frauen eher für das Gesundheits- und Sozialwesen. Gerade im Kanton Zürich zeigt sich dies klar: Der Anteil Männer, die 2013 im Beruf Dentalhygieniker eine Lehre antraten, betrug nur ein Prozent und für die Berufe Maurer und Montage-Elektriker interessierte sich keine einzige Frau - im gesamten Kanton.Geschlechtsstereotype seien relativ stabile Konstrukte, die stark verankert seien und eine lange kulturelle Geschichte hätten – das zeige sich etwa in Werbung oder Filmen, erklärt Derungs. Diese Stereotypen führen unter anderem dazu, dass von Frauen und Männern typisch «weibliche» respektive typisch «männliche» Verhaltensweisen und Tätigkeiten erwartet würden. Mit ihren Plakaten versucht die Fachstelle für Gleichstellung diese unbewussten Einstellungen anzusprechen und die Frage nach dem «Warum?» zu stellen.«Die Vorstellung, welche Berufe zu Frauen und welche zu Männern passen, verengt nicht nur die Berufswahl der Jugendlichen, sie hat auch gravierende Folgen», sagt Derungs. Sogenannt typische Frauenberufe seien häufig schlecht entlohnt und Weiterbildungs- sowie Karrierechancen eingeschränkt. Laut Bundesamt für Statistik betrug die Lohndifferenz zwischen Mann und Frau im Jahre 2012 immer noch rund 19 Prozent. So verdiente eine Frau im Privatsektor rund 1300 Franken weniger als ein Mann in der gleichen Position. Die Annahme, dass die Stadt Zürich als urbane Umgebung in diesen Belangen eventuell besser dasteht, lässt Derungs nicht gelten. «Stereotype Rollenvorstellungen sind in der Stadt vielleicht auf den ersten Blick weniger offensichtlich als in ländlichen Gebieten.» Aber: Geschlechtsspezifische Rollenvorstellungen hätten nichts mit dem Wohnort zu tun. «Mit den Plakaten in den Trams und Bussen wollen wir Menschen aus urbanen und ländlichen Gebieten erreichen», so Derungs.

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