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Wassergekühlt, nicht geschüttelt

Zum ersten Mal baut BMW einen Boxermotor mit Wasserkühlung und installiert ihn gleich im völlig neuen Bestseller BMW R 1200 GS. Geht das gut? Ein erster Test soll das zeigen.

1980 brachte BMW mit der R 80 G/S einen Töff auf den Markt, der den Spagat zwischen Strassen- und Geländetauglichkeit schafft, optisch den gepflegten Outlaw gibt und dank eines ausgeprägten Touren- und Sozius- talents zwei Passagieren bequem Platz bietet. Geboren wurde die Idee der Bayern einst, um einer Absatzkrise entgegenzuwirken. Und daraus entwickelte sich ein Trend, der bis heute stetig stärker wird. Mit der Ur-GS machte BMW Reiseenduros populär und stellte sozusagen das SUV-Prinzip auf zwei Räder, lange bevor es auf vier Pneus Karriere machen sollte. Denn die meisten Grossenduros haben ähnlich selten Wüstensand, Geröllpisten oder halbtrockene Flusstäler unter den Rädern wie ihre vierrädrigen Pendants. Doch sind sie ähnlich beliebt und erfolgreich. Denn die Freiheit, den Offroad-Trip zu wagen, sowie das coole Image sind im Preis inbegriffen. Das ruft natürlich Konkurrenz auf den Markt: Aus dem benachbarten Österreich röhrt KTM mit der Adventure heran, aus Italien bollern Ducati Multistrada und Aprilia Caponord in Richtung GS. Wie die Urahnin des Segments setzen sie auf grossvolumige Zweizylinder mit rund 1200 ccm. Scharfe Krallen zeigt auch die Triumph Tiger, natürlich von einem Dreizylinder angetrieben und ebenfalls mit 1,2 Litern Hubraum. Die üblichen Verdächtigen aus Fernost rücken mit Zwei- und Vierzylinderaggregaten zwischen 1000 und 1200 ccm Hubraum an, um sich Marktanteile zu sichern. Doch die GS-Generation blieb das Mass aller Dinge und sicherte sich mit 180 000 verkauften Exemplaren die Krone der meistverkauften Grossenduro der Welt. Damit das auch so bleibt, hat BMW nachgedacht und nachgelegt. Optisch bleibt sich die GS treu, ist auf den ersten Blick erkennbar, sieht aber moderner und leichtfüssiger aus. Der typische Entenschnabel fällt weniger auf, weil er gut ins Design integriert ist. Für den Vortrieb sorgt nach wie vor ein Zwei­zylinderboxer mit 1170 ccm Hubraum, der auch immer noch typisch nach Boxer klingt, aber 125 PS statt 110 PS liefert. Auf ein Leistungswettrüsten lassen sich die Bayern nicht ein. Technisches Novum ist die ausgeklügelte Wasserkühlung. Sie hilft, die Hitzeentwicklung des Motors an thermisch heiklen Stellen zu optimieren. Rund 35 Prozent wird mit Wasser gekühlt, den Rest übernimmt weiterhin der Fahrtwind. Dadurch behält der Motor die Kühlrippen und seine ansprechende Optik. Ein weiterer Vorteil: Die beiden kleinen Kühler verschwinden elegant hinter zwei Verkleidungsteilen. Neu ist auch, dass die Abgase einen anderen Weg ins Freie nehmen. Die Auspuffkrümmer kommen nicht mehr vorne, sondern unten aus den quer liegenden Zylindern heraus. Insgesamt geht der Motor kräftiger und kultivierter zu Werke als früher. Das oft zitierte Leistungsloch zwischen 5000 und 6000 Umdrehungen ist gestopft und 5,6 Liter auf 100 Kilometer sollen dem Boxer genügen. Zudem reichen ihm nun 95 Oktan im Blut – auf einer Tour rund um den Globus kann er also «Normalbenzin» tanken. Elektronisch gesteuert funktioniert der Gasgriff direkt, ohne Spiel. Dafür gibts optional an anderen Stellen jede Menge elektronisches Spielzeug: Wer das semiaktive Fahrwerk ordert, kommt in den Genuss blitzschneller, über Sensoren und Regelventile gesteuerter Anpassungen der Dämpfung beim Ein- und Ausfedern. Der Pilot kann zwischen soft, normal und hart wählen. Ausserdem stehen fünf weitere Fahrmodi zur Wahl, drei für Asphalt und zwei fürs Gelände. Hier verändert das System die Charakteristik des ABS und des ASC (automatische Stabilitätskontrolle), die Spontaneität der Gasannahme sowie die elektronische Dämpfung. Die Unterschiede sind fein, aber spürbar. Für harte Typen gibts den Modus «Enduro Pro». Dann bleibt das ABS deaktiviert, sodass nach Belieben überbremst werden kann – wenn es der individuelle Fahrstil zulässt. Für mehr Reisekomfort – den man auf einer GS schon mal im Stehen geniesst – ist die Sitzbank im Schrittbogen schmaler geworden und die vordere Sitzbank kann in der Neigung variiert werden. Das Soziusabteil lässt sich in der Längsrichtung verschieben. Je nach Bedarf sitzt man also näher oder doch nicht so nahe hintereinander. Wer allein reist, kann die Soziusfussrasten ruck, zuck abmontieren. Besonders im Gelände ist das ein praktischer Vorteil. Natürlich vergisst BMW nicht, dem modischen Zeit- und Sicherheitsgeist zu huldigen. Ein schickes LED-Licht leuchtet hell, mit der BMW-typischen Vorliebe zur Asymmetrie. Das volle LED-Programm im Scheinwerfer kostet aber Aufpreis. In Sachen Blinken gleicht sich BMW neuerdings dem Standard an: Endlich braucht es auch auf einer GS fürs Blinken nur noch einen Daumen. Daumen hoch.

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