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Wegen Céline: Bayer geht auf Schaffhauser Ärzte los

schaffhausen. Der Pharmakonzern muss sich seit Jahren vor Gerichten verantworten, weil seine Antibabypille Gesundheitsschäden hervorrufen soll. Jetzt klagt Bayer selbst, und zwar gegen Schaffhausens Spitäler.

Nach einem den Konzern entlastenden Urteil geht Bayer in die Offensive und klagt die Schaffhauser Spitäler ein. Zumindest auf den ersten Blick wirken die neusten Entwicklungen im Fall Céline verkehrt. Wie die «Handelszeitung» und die «Schaffhauser Nachrichten» diese Woche berichteten, sollen in den USA bereits 8000 Frauen insgesamt 1,575 Milliarden US-Dollar erhalten haben, weil sie geltend machten, dass Bayers Antibabypille Yasmin bei ihnen Gesundheitsschäden hinterliess. Auch Célines Mutter klagte gegen Bayer. Die erste Instanz, das Zürcher Bezirksgericht, brummte ihr jedoch eine Zahlung von 120 000 Franken in Form einer Prozessentschädigung zugunsten Bayers auf. Grund: Es sei nicht erwiesen, dass die Pillen zur schweren Erkrankung Célines führten. Die Mutter zieht das Urteil zwar weiter an die nächste In- stanz. In der Absicht, zugunsten Célines im Umfang von 5,4 Millionen Franken entschädigt zu werden, hat sie jedoch schlechte Karten: Weder Bayer noch das Bezirksgericht wollen eine Haftung anerkennen. Bayer scheint gezielt auf Vergleichslösungen zu setzen. Etwa indem der Konzern Célines Behandlung in der Anfangsphase mit 200 000 Franken unterstützte, aber auch hier betont haben soll, dass die Zahlung «ohne Anerkennung einer Haftung» erfolgen würde. Was Bayer mit der Klage gegen Schaffhausens Spitäler bezweckt, will der Konzern zwar nicht sagen, scheint zumindest für Experten aber unschwer durchschaubar zu sein: Laut «Handelszeitung» sollen die Spitalärzte von den Bayer-Anwälten «schachmatt» gesetzt werden, weil sie festhielten, «dass der einzige Risikofaktor bei Céline, der zur Lungenembolie führen konnte, die Bayer-Verhütungspille» gewesen sei. Damit seien sie dafür verantwortlich, dass Bayer in ein Verfahren hineingezogen wurde. Und dafür scheint ihnen Bayer jetzt eine Staatshaftungsklage ins Haus geschickt zu haben. Denn gegen Leute, die gerichtlich gegen Bayer vorgehen, hat der Konzern gemäss eigenem Jahresbericht eine klare Botschaft: «Wir werden uns weiter entschieden gegen alle Ansprüche zur Wehr setzen, für die ein Vergleich nicht in Frage kommt.» (mö)

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