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Weinbauern bangen um ihre Ernte

Die aus Japan eingeschleppte Kirschessigfliege hat die ersten Trauben befallen. Fachleute setzen auf vorbeugende Massnahmen wie das Aufstellen von Fallen. Die Bauern haben Angst.

Die Weinbauern im Zürcher Weinland sind sehr verunsichert. Plötzlich haben sie es mit einem Schädling zu tun, um den sie sich bis anhin nicht kümmern mussten: Es ist die Drosophila suzukii, zu Deutsch Kirschessigfliege. Machte sie bis vor kurzem vor allem das Leben der Obstbauern schwer, befällt sie nun auch vermehrt die frühen Weintrauben. Welche Auswirkungen das haben wird und ob mit Totalschäden zu rechnen ist, können im Moment selbst Fachleute nicht sagen. Die zuständige Forschungsanstalt Agroscope in Wädenswil registriert seit der zweiten Woche August eine starke Zunahme von gefangenen Fliegen in den Rebbergen des Kantons Zürich. An­dreas Wirth, Rebbaukommissär beim Strickhof Lindau, will allerdings (noch) nicht von einer alarmierenden Si­tua­tion sprechen. Derzeit seien vor allem frühreife, blaue Traubensorten befallen. Die vor drei Jahren erstmals in der Schweiz aufgetretene und aus Japan eingeschleppte Fliege legt ihre Eier in gesunde, reife Beeren. Die Eier entwickeln sich zu Larven. Sind in einer Beere sehr viele Larven vorhanden, können sie die Beeren letztlich von innen zerstören. Essiggeruch stellt sich ein Befallene Traubenbeeren seien aber für die Weinlese nicht zwingend «verloren», sagt Rebbaukommissär Wirth. Denn können sich die Fliegenlarven nicht oder nur teilweise entwickeln, lassen sich die Früchte trotzdem für die Weinproduktion verwenden. «Sind die Beeren aber faul, ist es vorbei», sagt Wirth. Dann stellt sich auch der Geruch nach Essig ein, den man von den Früchten her kennt, auf denen sich Fruchtfliegen niedergelassen haben. Dass die Lage ernst ist, beweist eine vor wenigen Tagen gebildete Taskforce aus Experten von mehreren Deutschschweizer Kantonen, Vertretern von Landwirtschaftsämtern, Forschungsin­sti­tu­tio­nen, Rebbauern, Kelterern und Herstellern von Pflanzenschutzmitteln, dar­un­ter auch die Agroscope und der Strickhof. Sie haben die von der Agroscope herausgegebene Pflanzenschutzstrategie überarbeitet und sich auf Massnahmen geeinigt. So sollen die Trauben früh und regelmässig kon­trol­liert werden. Da sich die Fliege gerne in schattigen Bereichen aufhält, hilft das Entlauben um die Traube herum. Auch Fliegenfallen mit einem Gemisch aus Essig, Weisswein und Spülmittel wirken vorbeugend. Ist die Ernte ernsthaft bedroht, dürfen derzeit drei Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Jedoch «nur mit grösster Zurückhaltung», wie die Agroscope in ihrem Infoblatt festhält. 10 000 Franken ausgegeben Obwohl eines der Insektizide auch von Bio-Weinbauern verwendet werden darf, zieht es Roland Lenz aus Uesslingen vor, Becherfallen aufzuhängen. «Ich distanziere mich von Insektiziden», sagt er. Bis anhin hat er für das Anbringen solcher Fallen 10 000 Franken ausgegeben. Offen ist, wie stark etwa die Haupttraubensorte Pinot noir gefährdet ist. «Die Fliege ist im Rebberg vorhanden, ob sie einen Schaden anrichten wird, weiss ich nicht», sagt Lenz. Nichtsdestotrotz gibt er sich zuversichtlich, «dass es nächstes Jahr eine Lösung mit einem Nützling gibt». Regelrecht erschrocken ist der Benkemer Weinbauer Roland Müller, als er den Befall an seinen Regent-Trauben entdeckte und merkte, «wie schnell das gehen kann». Er sagt, was viele denken: «Die Si­tua­tion ist für uns alle völlig neu und dar­um beängstigend.» Müller hat die Trauben vor wenigen Tagen gespritzt. «Ich hoffe, das hilft», sagt er. Rebbaukommissär Andreas Wirth beruhigt: «Wir gehen davon aus, dass wir mit geeigneten Massnahmen den Befall bis zum Wümmet verhindern oder auf einem tiefen Niveau halten können.»

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