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Weissrussland rückt ein Stück näher

Die Tschernobylhilfe Schweiz sucht Gasteltern, die für vier Wochen ein Kind aus Weissrussland aufnehmen, damit es sich hier regenerieren kann.

Die «Halbwertszeit des Gedächtnisses» ist einer der Gründe, warum sich Andreas Goerlich und Veronika Reuschenbach der Tschernobylhilfe Hardwald (siehe Box) bis heute mit ganzer Kraft für die Opfer einsetzen, die zunehmend in Vergessenheit geraten: Ende April 1986 ereignete sich die Nuklearkatastrophe in Tschernobyl. «Unter den gesundheitlichen Folgen leidet die ukrainische und weissrussische Bevölkerung bis heute», sagt Goerlich, der Pfarrer der reformierten Kirchgemeinde Pfungen. Auch wenn die direkten Zusammenhänge bis heute umstritten sind: Die Anzahl der Krebserkrankungen und Missbildungen ist in der Region Tschernobyl seither stark gestiegen. Für Kinder zwischen 8 und 14 Jahren sei die radioaktive Strahlung besonders gefährlich, erklärt Goerlich bei seiner Präsentation am Samstag im Pfarrhaussaal in Pfungen. «Vier Wochen in der Schweiz genügen, damit sich ihr Körper erholen kann», sagt er. Die strahlungsbedingte Caesium-Belastung im Körper sinke um bis zu 50 Prozent. Seit 1998 nun reisen jedes Jahr 30 Kinder aus den Partnerstädten Djatlowitsch und Luninez aus dem Süden Weissrusslands für vier Wochen in die Schweiz. «Es sind ihre ersten Ferien im Ausland», sagt Veronika Reuschenbach, die Präsidentin der Tschernobylhilfe. Insofern sei der Aufenthalt nicht nur körperliche Erholung, sondern auch ein unvergessliches Abenteuer.

Velotour à la Belarus

Die Kinder wohnen bei Gastfamilien aus der Region. «Leider ist es immer schwieriger geworden, ein Plätzchen zu finden», sagt Reuschenbach. Es gäbe immer mehr Doppelverdiener und «Tschernobyl» verschwände langsam aus den Köpfen der Leute. Bis vor wenigen Jahren habe sie noch vierzig Kinder vermitteln können. Dabei sei der Gastaufenthalt für beide Seiten stets eine grosse Bereicherung. Langweilig sei es den genügsamen weissrussischen Gästen selten geworden: «Sie kochen, basteln und musizieren gerne und spielen draussen, auch wenn die Sonne einmal nicht scheint.» Die sprachlichen Hürden seien überwindbar. Deutsch ist in Weissrussland die erste Fremdsprache. Auch manchen Kindern der Gasteltern hätten die Besucher die Augen geöffnet: «Sie gehen sehr gerne zur Schule und wollen etwas lernen», so Reuschenbach. Der Kulturschock sei nicht riesig. Den Westen kennen die Kinder aus dem Fernsehen. Manche finden sich hier besonders rasch zurecht. Zwei in Wetzikon untergebrachte Jungen verabschiedeten sich von ihren Gasteltern für eine «kurze Runde »mit dem Velo. Gelandet sind sie in Hinwil. Sie hatten zwei Mädchen, die dort einquartiert wurden, einen Besuch abgestattet.Der Verein sucht noch Gasteltern aus der Region, bei denen die Kinder zwischen dem 23. Mai und den 20. Juni 2014 unterkommen. www.tschernobylhilfe.ch

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