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Weiter für die Freiheit kämpfen

berlin. Liao Yiwu, der seit 2011 als Exilant in Deutschland lebt, wirft Peking Verbohrtheit vor. Am Sonntag wird ihm im Rahmen der Frankfurter Buchmesse der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen.

Der chinesische Autor Liao Yiwu (54)hat dem Regime in Peking die Fähigkeit zur Reflexion abgesprochen. «Dieses Regime hat noch nie eine öffentliche Entschuldigung für die Taten ausgesprochen», sagte er mit Blick auf das Tiananmen-Massaker von 1989. Nach diesem Massaker habe es von offizieller chinesischer Seite keine Reflexion, kein Wort dar­über gegeben. Nach Angaben des chinesischen Roten Kreuzes wurden damals bis zu 3000 Menschen getötet. Die Lage habe sich seitdem nicht verbessert, sagt Liao. Es könne keine Rede davon sein, dass sich das Land modernisiert habe. In den vergangenen 20 Jahren habe das Regime noch mehr massakerähnliche Ereignisse verursacht. Er selbst sei nach seiner vierjährigen Haft politisch unterdrückt worden und habe mit Schwierigkeiten finanzieller Art zu kämpfen gehabt. Der Autor hatte am Vorabend des Aufstandes ein Gedicht geschrieben und auf Tonband aufgenommen. Deshalb wurde er festgenommen und kam als «Konterrevolutionär» ins Gefängnis.

Heute erscheint Liaos neues Buch «Die Kugel und das Opium. Leben und Tod am Platz des Himmlischen Friedens» (S. Fischer, Frankfurt), in dem er sich mit den Schicksalen von Menschen auseinandersetzt, die Opfer des Massakers in Peking wurden. Am Sonntag erhält Liao den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in Frankfurt.

Von der Gesellschaft vergessen

Liao lebt seit vergangenem Jahr in Berlin. Er wirft China Verbohrtheit vor. Dass der Staat dem Dalai Lama die Schuld an den Selbstverbrennungen in Tibet gebe, sei unfassbar. Mit seinem Buch wolle er die Erinnerung an die Opfer von 1989 bewahren. Die meisten, die damals in die Fänge des Regimes gerieten, «kämpfen noch heute um ihre Existenz. Sie sind längst von der Gesellschaft vergessen worden», sagt Liao, der nicht nur Schriftsteller und Dichter, sondern auch Musiker ist. Er sei sich sicher, falls sein Buch eines Tages auch in China veröffentlicht werden könnte, würden sehr viele Leser sehr überrascht sein. Keiner könne erkennen, welchen Preis die Opfer für ihren Kampf um Gerechtigkeit bezahlt hätten. Die Wunden, die ihnen durch die Gefängnisaufenthalte zugefügt worden seien, würden nie verschwinden: «Durch das Buch sind ihre Namen jetzt festgeschrieben, weltweit.»

Den Friedenspreis sieht Liao als Verantwortung, mit der er sehr bewusst leben werde. «Das ist meine Lebensphilosophie: Wenn ich selbst die Freiheit habe und die Ehrung bekomme, möchte ich weiter für die Freiheit der anderen kämpfen. So sehe ich den Sinn des Friedenspreises», erklärte er. (sda)

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