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Weltuntergang verschoben

Vor genau einem Jahr hätte der Weltuntergang stattfinden sollen. Das brachte viele in Bedrängnis. Sektenexperte Georg Otto Schmid weiss von «Lichtarbeitern», die vergeblich auf den «Aufstieg in die fünfte Dimension» warteten. Ihnen musste geholfen werden.

Düstere Bilder wurden her­aufbe­schworen: Drei Tage lang solle es stockfinster werden, die Planetenkonstellation werde einen bedrohlichen Einfluss auf die Erde nehmen oder die Pole würden sich verschieben. Der monumentale Hollywood-Streifen «2012» von Roland Emmerich hat die Horrorszenarien bereits 2009 vorweggenommen. Und diese haben sich in die Köpfe eingebrannt. Grund dafür war der Mayakalender. Laut der Interpretation der Ureinwohner Mittelamerikas endete ein bestimmter Zeitabschnitt am 21. Dezember 2012. Die klassische Mayakultur, die von 250 bis 900 nach Christus dauerte, prophezeite offenbar eine neue Epoche. Viele Esoteriker haben das Datum aber als das Ende der Welt interpretiert. Ihre Ansichten kursierten in einschlägigen Internetforen und verunsicherten viele Menschen.

Umfeld sorgte sich

Das hat auch Sektenexperte Georg Otto Schmid aus Rüti festgestellt. Der Betreiber der evangelischen Informationsstelle Relinfo richtete zusammen mit der Internetseelsorge auf das Datum hin eine Hotline ein. Diese war insbesondere für Angehörige von sogenannten «Lichtarbeitern» gedacht. «Wir haben etwa dreissig Angehörige von Lichtarbeitern beraten», sagt Schmid. Meist habe das Umfeld reagiert, das sich Sorgen machte. «Viele Anhänger dieser esoterischen Strömung stellten sich vor, dass sie an diesem Datum in die fünfte Dimension aufsteigen würden.» Laut Schmid haben viele sogar ihren Job gekündigt. Er weiss auch von zwei Suizidfällen, da der Aufstieg in die fünfte Dimension nicht stattfand. Um den Anrufern zu helfen, hat die Beratungsstelle eine Strategie austüfteln müssen. «Wer fest mit dem Datum rechnete, war ohnehin von der realen Welt entfremdet», sagt Schmid. Deshalb sei es wichtig gewesen, zu schauen, dass diese Menschen nicht allein waren am 21. Dezember. Später musste einigen Leuten bei der Jobsuche geholfen werden. «Sie standen nach dem Nichteintreffen des Weltendes tatsächlich vor dem Nichts.» Im Internet seien offenbar Berichte verzweifelter «Lichtarbeiter» kursiert.Die Hotline zum Weltuntergang lief noch bis März diesen Jahres. Nötig war dies laut Schmid, weil einige Gruppierungen das Datum des Weltuntergangs offenbar auf den 31. März hinausgeschoben hatten. Anfragen zum Thema seien aber auch über die Relinfo-Telefonnummer oder per Mail gekommen. Glauben trotz NichtereignisFür Schmid ist es erstaunlich, wie der «Anbruch einer neuen Epoche» an der jüngsten Esoterikmesse «Lebenskraft» in Zürich angepriesen worden ist. «Der Saal war gestossen voll, als Lichtarbeiter Bruno Würtenberger seinen Vortrag hielt.» Dieser habe 2011 prophezeit, dass 2012 die letzte Esoterikmesse stattfinden würde, weil ja das Ende der Welt bevorstehe. «Dieses Jahr sagte er, der ‹Aufstieg› habe bereits stattgefunden», berichtet Schmid. «Und das, obwohl am 21. Dezember nichts Aussergewöhnliches passierte.» Die Anwesenden hätten die Worte Würtenbergers richtiggehend aufgesogen.

Ein besonderes Jubiläum

Als neuer Zeitraum für den Weltuntergang wird laut Schmid etwa 2018 gehandelt. Aber auch 2032 oder 2035 werde in Esoterik-Kreisen der Weltuntergang erwartet. Demge­gen­über rechnen radikale christliche Gemeinschaften mit der Wiederkunft Christi und den damit verbundenen apokalyptischen Ereignissen in den Jahren 2033 oder 2034. Das wiederum hat mit einem besonderen Jubiläum zu tun: «Die Kreuzigung Christi wird traditionell in die Jahre 33 oder 34 nach Christi Geburt datiert.» Keines dieser Daten löse aber ähnliche Ängste aus, wie der 21. Dezember vor einem Jahr. «Es handelte sich eben nicht um ein Datum, das ein Guru prophezeite. Der Mayakalender war in Stein gemeisselt.»

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