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Wenigstens die Buchhaltung stimmt

Nach schwachen 45 Minuten spielte Challenge-League-Favorit Servette wenigstens so, dass er mit einem verdienten 2:1 aus dem Freiamt heimfahren konnte.

Als auf der Wohler Niedermatten abgepfiffen war, lagen sie sich vor der Bank Servettes in den Armen. Die Genfer freuten sich, als hätten sie einen grösseren Sieg errungen und nicht nur als Favorit der Challenge League ein eher dünnes 2:1 gegen eine der nominell schwächsten Mannschaften der Liga. Aber es war eben schon ein wichtiger Erfolg. Gewonnen waren auf dem angestrebten Rückweg in die Super League die ersten drei Punkte, obwohl die Mannschaft noch nicht annähernd spielte, was von ihr erwartet wird, was sie auch bieten muss, um am Ende ganz oben zu stehen. Sébastien Fournier, der Trainer, hatte schon vorher gesagt, eigentlich sei sein Team noch nicht bereit. Man werde erst nach ein paar Runden sehen, wozu es fähig sei. Bereit waren die Servettiens, die von einem beachtlichen Anhang begleitet wurden, allein schon von der Aufstellung her nicht. Während auf der Ersatzbank als Feldspieler lauter Teenager sassen, sahen die Routiniers im Kader von der Tribüne aus zu: der gesperrte Christopher Routis, der verletzte Tibert Pont oder die noch nicht qualifizierten Neuen Neven Markovic und Nenad Marinkovic. Bereit war Servette aber auch deshalb nicht, weil sechs weitere Neue in der Startelf standen und nach der kurzen Vorbereitung noch nicht integriert sein konnten. Also musste Fournier froh sein, dass seine Elf des Tages, die er über 90 Minuten unverändert liess, wenigstens willens und fähig war, auf die in jeder Beziehung magere erste Halbzeit so zu reagieren, dass es zum Wichtigsten reichte, zum Sieg. Fourniers Wechsel Nach 45 Minuten hatte man um die Genfer fürchten müssen. Sie hatten offensiv nichts zustande gebracht und in der Defensive vor allem unter den Mängeln ihres schwachen Innenverteidigers Christopher Mfuy gelitten. Einer der gröberen Patzer war das unsachliche Einschreiten im Strafraum gegen João Paiva, der elfmeterreif stürzte und die Chance vom Punkt dann gleich selbst nutzte. Es hätte, nach einer «sicheren» Chance Simone Rapps, gar 2:0 stehen können. Dann nahm Fournier einen Positionswechsel vor, der offensichtlich klug war und seine Mannschaft markant an offensiver Wirkung gewinnen liess. Geoffrey Tréand war nun im Genfer 4-4-2 nicht mehr zweite Sturmspitze neben dem Krienser Igor Tadic, sondern er kam fortan wie bisher üblich über die Flanke. Für ihn wechselte der 21-jährige Hugo Fargues, ein Rückkehrer aus Nyon, in die Sturmspitze. Mal am Ball, trat Servette nun praktisch in einem 4-2-4 auf. Nach einer Stunde bereitete Fargues mit einer starken Aktion Tréands 1:1 vor. Fünf Minuten später brauchte Tadic nur noch «abzustauben», nachdem Torhüter Flamur Tahiraj einen Ball Kevin Buas hatte abprallen lassen. Bua, der mit seinen knapp 20 Jahren debütierte, war die vierte Offensivkraft; nicht immer sehr durchsetzungsfähig, aber doch mit einer Talentprobe. Die Aargauer waren in der zweiten Halbzeit so gut wie nicht mehr existent – und hätten trotzdem noch ausgleichen können. João Paiva, die Spitze in ihrem 4-1-4-1, kam nochmals ganz alleine vor Torhüter João Barocca zu stehen. Aber er versuchte sich an einem Aussenristbällchen, statt entschlossen abzuschliessen – und scheiterte kläglich. Diese Chance zum 2:2 oder die vorangegangenen Rapps zum 2:0 mochte Wohlens Trainer David Sesa im Kopf haben, als er hinterher sagte: «Heute wäre etwas dringelegen.» Zweifel an Wohlen Kollege Fournier wertete die Dinge so, dass er zufrieden war mit der Buchhaltung, aber auch sah, dass in Sachen Fussball noch einiges zu tun sei. Das überrascht auch niemanden. Servette ist logischerweise ganz am Anfang seiner Entwicklung. Ob es ihm mit diesem Kader weit genug reichen wird, ist wieder eine andere Frage. Immerhin, mit einem ähnlichen Arbeitssieg auf Niedermatten startete vor einem Jahr der FC Aarau in die Meisterschaft – und der ist jetzt wieder in der Super League. Wohlen wiederum darf für sich ebenfalls Zeit beanspruchen, sich zu finden. Aber es drängen sich doch Zweifel auf, ob diese neue Mannschaft wirklich besser ist als die alte – wie sie das auf Niedermatten erwarten. Bei ihnen begannen gar sieben Neue. Überzeugt hat bestenfalls einer, der Luzerner Innenverteidiger Mario Bühler (21). Das ist – selbst für den Anfang – ein bisschen wenig. (hjs)

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