Zum Hauptinhalt springen

Wenn «Bunbury» ernsthaft italienisch singt

Die Oper im Knopfloch hat die Oper «L’importanza di esser Franco» von Mario Castelnuovo-Tedesco ausgegraben; eine Hommage an Oscar Wildes Komödie «Bunbury».

Es war nicht ganz einfach, an die Oper «L’importanza di esser Fran­co» von Mario Castelnuovo-Tedesco heranzukommen», sagt Rosina Zoppi, die künstlerische Leiterin der Oper im Knopfloch in Illnau-Effretikon. Castelnuovo-Tedesco, 1895 in Florenz geboren, ist heute vor allem noch durch seine Kompositionen für Gitarre bekannt. Der 1939 in die USA aus Italien emigrierte Komponist mit jüdischen Wurzeln arbeite­te bei den MGM Filmstudios, wo er über 200 Filmmusiken schrieb. Er lehrte in Los Angeles Komposition und unterrichtete unter anderen den bekannten Filmmusikkomponisten John Williams («Star Wars», «Indiana Jones», «Der Weisse Hai»).

Das Werk wurde nie gedruckt

Neben zahlreichen Konzertkompositionen, drei Balletten und vielen Schauspielouvertüren schrieb Castelnuovo-Tedesco auch sechs Opern. Von der Oper «L’ importanza di esser Franco» wusste Rosina Zoppi, dass sie für zwei Klaviere und Perkussion geschrieben worden war, also ideal für die kleine Oper im Knopfloch. Ausser einer Aufnahme, die man auch auf Youtube sieht, fand sich jedoch keinerlei Material zu der 1961 in Italien und danach noch einmal in den USA aufgeführten Oper. Das Problem war: Das Werk wurde nie gedruckt. Über die Tochter des Komponisten, die in New York lebt und die Rechte innehat sowie die «Library of Congress» in Washington ­erhielt Zoppi Zugang zu den Handschriften des Komponisten.

Sammelsurium aus Zitaten

Das Material sei sehr schwierig zu lesen gewesen, sagt sie. Die Musiker schrieben sich daraus zum grossen Teil eigene Auszüge. Regisseurin Claudia Blersch, zum Beispiel, warf zwei Tage nach Erhalt des Notenmaterials erst einmal alles verzweifelt in die Ecke. Dann begann sie, ganz untypisch für sie, wie sie sagt, nur mit dem Text zu arbeiten. Mit Hilfe des Originaltexts von Oscar Wilde entschlüsselte sie den englischen Text des Komponisten, der ziemlich unleserlich über dem genauso unleserlich gekritzelten italienischen Text zu den Noten stand. Mit der Musik befasste sie sich erst später.Von all diesen Querelen ist auf der Probe vier Tage vor der Premiere im Theater Stok nichts zu spüren. Leichtfüssig klingt die Ouvertüre des Stücks am Klavier, die Perkussion legt sich schmissig dazu. Überall finden sich, wenn schon nicht englisch gesungen wird, bildhafte Anglizismen. Auf dem Klavier steht eine Spardose, dazu eine knallrote englische Telefonzelle. Englandfahnen wehen. Jack, Tenor Pascal Marti, trägt eine Krawatte mit englischem Emblem und der Diener, Bariton Chasper Curo Mani, ist von der englischen Garde.

Unter die Haube

Alles wirkt wie aus dem Souvenirladen geklaut. Hier wird Old England behauptet und der gute Ton, Gin trinkend, hochgehalten. Tenor Jan Rusko gibt den Algernon. War das nicht gerade der Hummelflug aus Rimski-Korsakows «Zar Saltan»? Und da – das war doch «Die Forelle» von Schubert, und das Motiv hier, ganz klar zu erkennen, ist der wagnersche Walkürenritt beim Einmarsch von Lady Bracknall (Mezzosopran Rosina Zoppi).Castelnuovo-Tedescos Oper ist ein Sammelsurium aus Zitaten, veredelt mit Schlagwerk und «Belcanto». Claudia Blersch lässt die musikalischen Zitate vom siebenköpfigen En­sem­ble hie und da ganz bewusst ansagen und macht so das Werk durchsichtig, mal kommt es daher wie Salonmusik, mal wie Schlager oder als grosse Oper. Auch weniger Opernversierte können also mitkommen beim «Opernquiz à la Bunbury». Alles dreht sich um die Lebemänner Jack und Algernon, und am Ende, wie sollte es anders sein, kommen die beiden doch noch unter die Haube.

Eine Inszenierung in der Inszenierung

Eingerichtet in einer Studio­situa­tion, trägt das Spiel der ­Sänger Commedia-dell’arte-Anklänge, sogar Masken fehlen nicht. Auf Monitoren wird die englische Garde spätestens an der Premiere noch präsenter sein, und wie im Stummfilm werden Schriftzüge als Wegweiser durch das Patchwork englischer Lebensart eingeblendet werden.Die in der Szenerie stehenden Scheinwerfer sollen die Personen der Handlung punktuell ausleuchten und diese sich im Scheinwerferkegel in Szene setzen. «Eine Pose erfinden für die Wortspielereien, von denen Wildes Gesellschaftsstück eigentlich lebt», sagt Blersch. Die Opernpose ist ihre Hommage an Oscar Wilde in einer Inszenierung in der Inszenierung.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch