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Wenn der Verkäufer zugleich Käufer ist

Nun ist es offiziell: Der Industriekonzern OC Oerlikon ist an einer Übernahme der Oberflächenbeschichtungssparte von Sulzer interessiert. Kommt der Deal zustande, wäre Viktor Vekselberg als grösster Aktionär beider Konzerne Käufer und Verkäufer.

Seit der Ankündigung von Sulzer-Konzernchef Klaus Stahlmann, dass die Oberflächenbeschichtungssparte Metco zum Verkauf stehe, war OC Oerlikon als möglicher Käufer im Gespräch. Einerseits könnte das Unternehmen mit Sitz in Pfäffikon SZ damit die eigene Beschichtungssparte Oerlikon Balzers verstärken. Anderseits verfügt OC Oerlikon nach dem Verkauf der Solarsparte und von Teilen des Textilmaschinengeschäfts über genügend Geld. Über eine Milliarde Franken sollen für Zukäufe zur Verfügung stehen. Gestern nun setzte OC Oerlikon den Gerüchten ein Ende. In einer Stellungnahme bestätigte das Unternehmen seine Teilnahme am Auktionsverfahren für Sulzer Metco. Laut der Nachrichtenagentur Reuters könnte die Sparte des Winterthurer Konzerns für rund 800 Millionen Franken den Besitzer wechseln. Im vergangenen Jahr erzielte die Sparte mit weltweit 2400 Mitarbeitern 690 Millionen Franken Umsatz. Für beide Konzerne sinnvoll Armin Rechberger, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), beurteilt die mögliche Übernahme der Oberflächenbeschichtungssparte von Sulzer durch OC Oerlikon als für beide Seiten sinnvoll. Die Stärke von Sulzer Metco liege im Bereich des thermischen Spritzens, mit dem zum Beispiel Flugzeugteile oder Gasturbinenschaufeln hitzebeständiger gemacht werden. Durch den Kauf von Sulzer Metco könnte OC Oerlikon diese Technologie künftig in den eigenen Beschichtungszentren ebenfalls anbieten. Im Dünnschichtbereich erreiche die Sulzer-Sparte die kritische Grösse dagegen nicht ganz, was aus Sicht von Sulzer für einen Verkauf spreche. Ausserdem berge der Zusammenschluss der beiden Oberflächenbeschichtungssparten auch Sparpotenzial. OC Oerlikon betreibe weltweit rund 90 Beschichtungszentren, während Sulzer nur über ein vergleichsweise kleines Netzwerk mit etwa 18 Beschichtungszentren verfüge. Die Allgemeinkosten für Divisionsleitung und Marketing dieser Zentren, die auf Konzernstufe anfallen, würden bei einem Zusammenschluss der beiden Sparten von einer grösseren Zahl Beschichtungszentren getragen. Zuschlag für Meistbietenden Dass Renova, die Investitionsgesellschaft des russischen Industriellen Viktor Vekselberg, sowohl an OC Oerlikon als auch an Sulzer beteiligt ist, gilt als weiteres Indiz für eine Transaktion zwischen diesen beiden Unternehmen. Renova hält knapp 48 Prozent der Aktien von OC Oerlikon und stellt drei von sechs Verwaltungsräten. Auch bei Sulzer übt Renova mit gut 31 Prozent der Aktien und zwei von sieben Verwaltungsräten grossen Einfluss aus. Die mögliche Doppelrolle von Vekselbergs Renova-Gruppe als Käuferin und Verkäuferin von Sulzer Metco hält ZKB-Analyst Rechberger für eher unproblematisch. Weil Vekselberg an den beiden Unternehmen nicht gleich grosse Beteiligungen halte, sei der Kaufpreis für ihn zwar kein Nullsummenspiel. Doch einerseits gehöre es zu einer guten Unternehmensführung, dass die Verwaltungsräte der Renova-Gruppe bei dem Entscheid über den Verkauf von Sulzer Metco in den Ausstand treten müssten. Beide Unternehmen hätten denn auch bereits zugesichert, dass nur unabhängige Verwaltungsräte mit der Transaktion befasst seien. Anderseits gebe es weitere Inter­essenten für die Oberflächenbeschichtungssparte. Es sei deshalb davon auszugehen, dass der Meistbietende den Zuschlag erhalten werde. Laut Reuters sind auch das britische Unternehmen Bodycote, der US-Konzern Praxair und die japanische IHI Corporation an einer Übernahme von Sulzer Metco interessiert.

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