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Wenn die Erinnerung nicht wäre

Das Sauber-F1-Team nimmt auch den zweiten WM-Lauf mit einem Handicap in Angriff. Obwohl der C33-Ferrari übergewichtig ist, nährt Malaysia als Austragungsort Hoffnung. Der nur knapp verpasste Sieg von Sergio Pérez 2012 ist noch in bester Erinnerung.

Die Rundenzeiten beim Startrennen in Melbourne waren für das Schweizer Formel-1-Team eine Ernüchterung und das Schlussergebnis mit den Plätzen 11 und 12 fast schon der bestmögliche Lohn. Adrian Sutil war bis zu seinem einzigen Boxenstopp rund drei Sekunden langsamer als Sieger Nico Rosberg, weil er die erlaubte Zusatzpower nicht aktivieren konnte. Als das System doch noch funktionierte, fehlten dem Sauber-Neuling immer noch anderthalb bis zwei Sekunden auf jene Fahrer, die die WM-Punkte unter sich ausmachten. Bei Esteban Gutiérrez sahen die Zeiten nur anfänglich etwas besser aus. Auch der durch einen frühen Dreher hinter Sutil zurückgefallene Mexikaner wäre nicht in der Lage gewesen, seinem Landsmann Sergio Pérez im Force India wenigstens noch den letzten WM-Punkt streitig zu machen. Schliesslich mussten sich beide dar­auf beschränken, ihre Autos heil ins Ziel zu bringen. Wenigstens das ist gelungen und die Zuverlässigkeit hat gereicht, um in der Teamwertung erst einmal Platz 7 zu besetzen. Das entspricht jedoch nicht dem aktuellen Stärkeverhältnis, denn nur Lotus, Caterham und Marussia sind noch weniger konkurrenzfähig. Piloten bereits am Limit Die Wurzeln des Übels sind weit verstreut. Zum einen ist der Sauber C33-Ferrari weit vom Minimalgewicht von 692 Kilogramm entfernt, zum andern ist der komplexe neue Antriebsstrang von Ferrari fernab von seinem Potenzial und auch noch nicht auf dem Stand des Werkteams. Erst wenn die dortigen Probleme gelöst sind, dürfen auch die Kundenteams mit besserer Unterstützung rechnen. Für das Rennen in Sepang ist schon einmal die Software angepasst worden, heisst es immerhin. Das Übergewicht jedoch ist hausgemacht im Zürcher Oberland. Abspecken an allen Ecken und Enden ist deshalb angesagt, und dieser Prozess braucht einfach seine Zeit. Die Teile leichter zu machen, ist zudem auch eine finanziell anspruchsvolle Aufgabe. Das Gewicht ist in dieser Saison aus reglementarischen Gründen auch für die Fahrer ein echtes Problem, und das bekommt vor allem Adrian Sutil zu spüren. Der Wahl-Oensinger ist mit 183 Zentimetern einer der Grössten des ganzen Feldes und mit 75 Kilogramm Eigengewicht bereits am Limit, um überhaupt noch Spitzensport betreiben zu können. Esteban Gutiérrez hat es in dieser Beziehung mit 1,81 Metern und 61 Kilogramm einfacher. Sutil schätzt den Vorteil seines Teamkollegen auf rund eine halbe Sekunde pro Runde. Solche Rechnungen pflegen schon die Kartfahrer zu machen. «Dass grössere Piloten benachteiligt sind, finde ich nicht gut. Doch mit diesem Handicap muss ich in dieser Saison leben. Im nächstes Jahr könnte sich das ja wieder ändern», macht er sich Hoffnung. Auch die Regelwächter haben die Problematik inzwischen erkannt. Sutil will auch in dieser unerfreulichen Si­tua­tion die Flinte nicht ins Korn werfen und das Beste für das Team herausholen: «Ich sehe, wie hart in Hinwil gearbeitet wird, und bin überzeugt, dass wir Schritt für Schritt nach vorne kommen werden.» Zweierlei Hoffnung In Malaysia könnten aber auch andere Umstände für ein besseres Sauber-Resultat sorgen. Der zweite Platz von Sergio Pérez im Chaosrennen vor zwei Jahren, das nach acht Runden wegen monsunartiger Niederschläge unterbrochen werden musste, ist noch in allerbester Erinnerung. Es hätte sogar noch besser kommen können. Wäre der damalige Sauber-Fahrer auf der Jagd nach dem führenden, aber viel schlechter bereiften Fernando Alonso nicht kurz vor Schluss übermotiviert von der Strecke abgekommen, hätte er den Ferrari des Spaniers noch überholen können. Ähnliche Verhältnisse sind auch diesmal möglich und nähren die Hoffnungen bei Sauber auf ein besseres Ergebnis. Dazu beitragen könnte auch eine höhere Ausfallquote und dafür sprechen die noch nicht ausgereiften Antriebsstränge und die hohen Temperaturen um 35 Grad, mit denen die 1,6-Liter-Turbomotoren erstmals Bekanntschaft machen. Das Sauber-Duo hat mit dem Sepang International Circuit keinerlei Berührungsängste. Sutil ist hier 2010 auf den fünften Platz gefahren, Gutiérrez bei seiner Premiere vor einem Jahr als Zwölfter klassiert worden. «Malaysia ist wegen der hohen Luftfeuchtigkeit eine echte Herausforderung, bei der jeder an seine Grenzen kommt. Die Belastung wird grösser, je länger das Rennen dauert», findet der Deutsche. Dass die Fahrer während der maximal zwei Rennstunden drei bis vier Kilogramm verlieren, macht seine Ausgangslage auch nicht besser. Wenn es trotzdem Gelegenheit gibt, unerwartete Punkte einzufahren, will er aber zur Stelle sein. Gleiches gilt für Gutiérrez, der in Melbourne unbeachtet von den Kameras einen tollen Start realisiert und dabei viele Plätze gewonnen hat, nach einem Kontakt aber zu einem früheren Boxenstopp gezwungen worden ist.

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