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Wenn die Politik den Sport verdrängt

Das abgebrochene Qualifikationsspiel zur Fussball-EM 2016 zwischen Serbien und Albanien schlägt hohe Wellen.

Die EU hat die Provokationen verurteilt, welche am Dienstagabend noch in der ersten Halbzeit zum Abbruch der Partie zwischen Serbien und Albanien führten. Die Uefa hat ein Verfahren angekündigt. Beim Stand von 0:0 flog eine Drohne mit einer Flagge auf das Spielfeld. Die Flagge zeigte die Umrisse eines grossalbanischen Reiches, das neben Albanien und Kosovo auch Gebiete in Mazedonien, Montenegro und Serbien umfasst. Nach einem Handgemenge auf dem Platz stürmten serbische Zuschauer das Spielfeld und attackierten albanische Spieler. Nach einer Stunde Unterbrechung kehrten die serbischen Fussballer noch einmal auf den Rasen zurück, um sich von ihren Fans zu verabschieden. Nach serbischen Berichten sollen sich die albanischen Spieler geweigert haben, den Match fortzusetzen. Auf Empfehlung der Uefa waren keine albanischen Anhänger nach Belgrad gereist, hatte der albanische Verband mitgeteilt. Im Gegenzug würden auch keine serbischen Fans zum Rückspiel im nächsten Jahr in die albanische Hauptstadt Tirana reisen. Allerdings waren einige wenige albanische Fans privat nach Belgrad gereist.

Verwirrung um Festnahme

Nach Angaben des serbischen Innenministeriums wurde nach dem Spielabbruch der Bruder des albanischen Regierungschefs Edi Rama angeblich festgenommen. Olsi Rama wurde vorgeworfen, von seiner VIP-Loge aus die Drohne gesteuert zu haben. Rama konnte jedoch ausreisen und sagte bei seiner Ankunft auf dem Flughafen Tirana, er sei weder festgenommen noch befragt worden. Er habe mit der Drohne nichts zu tun gehabt, sagte Rama. Es waren nicht die ersten gewalttätigen Ausschreitungen mit Beteiligung Serbiens. Bei der U-21-Partie gegen England im Oktober 2012 in Belgrad war es zu Randalen auf den Rängen sowie handgreiflichen Auseinandersetzungen auf dem Rasen gekommen.

Mahnung aus Brüssel

Nächsten Mittwoch will Edi Rama als erster albanischer Regierungschef seit 68 Jahren Belgrad besuchen. Das mehrheitlich von ethnischen Albanern bewohnte Kosovo hatte im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, wird von Belgrad jedoch nicht anerkannt. Im April 2013 schlossen Belgrad und Pristina unter Vermittlung der Europäischen Union ein Abkommen zur Normalisierung der Beziehungen. Serbien, Kosovo und Albanien wollen der EU beitreten. Eine Sprecherin der EU-Aussenbeauftragten Catherine Ashton forderte die Regierungen Serbiens und Albaniens zur Zusammenarbeit auf und mahnte: «Wir sind der Ansicht, dass Politik nicht durch Provokationen in Stadien beeinflusst werden sollte.»

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