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Wenn ein Betrug doch kein Betrug ist

Pfungen. Der Mann hatte einen Crash fingiert, um die Versicherung zu täuschen. Betrug, sagt das Gericht. Auch einen Autodiebstahl hatte er inszeniert, um die Versicherung in die Irre zu führen. Kein Betrug, sagt das Gericht. Profitiert habe die Leasingfirma, nicht der Betrüger.

Inzwischen ist der 33-Jährige wieder auf freiem Fuss. Vor einer Woche wurde der Pole in Handschellen an die Hauptverhandlung vors Bezirksgericht Winterthur geführt. Gestern Abend kam er als freier Mann zur Urteilseröffnung. Wegen eines Betruges hat ihn das Gericht zwar zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Weil der Mann nun aber schon fast neuneinhalb hinter Gittern verbracht hat, ist er frei. Für das Gericht war angesichts der Aussagen sämtlicher Beteiligten klar, dass im Mai 2010 in Pfungen ein Unfall fingiert worden war: Ein Porsche, den ein Bosnier verkaufen wollte, aber für den angesetzten Preis keinen Käufer fand, prallte kurz nach Mitternacht in Pfungen in einen rückwärts auf die Strasse zurücksetzenden Lieferwagen. Die Versicherung zahlte dem Bosnier 37 000 Franken aus. Der Pole hatte eine Beteiligung am Betrug abgestritten. Er habe nur zwischen dem Bosnier und zwei seiner Landsleute übersetzt, die den Lieferwagen steuerten. Von dunklen Machenschaften habe er nichts gewusst. Grundsätzlich stufte das Gericht die Aussagen aller Involvierten für «wenig glaubwürdig» ein. Jeder versuche, seine Rolle kleinzureden, sagte der Richter. Doch unumstritten sei: «Für alle war klar, dass es letztlich um Versicherungsbetrug ging.» Den Tatbeitrag des Polen stufte das Gericht als wesentlich ein. Zumal er den Kontakt zwischen seinen Landsleuten (Lieferwagen) und dem Bosnier (Porsche) hergestellt hatte. Ein fingierter Diebstahl Kurz dar­auf konnte ein Bekannter des Bosniers nicht mehr für die Leasing­raten seines pinkfarbenen Porsches aufkommen. Da wurde dieser Wagen geklaut – ein Diebstahl wurde zumindest der Versicherung gemeldet. Effektiv wechselte der Porsche im Wert von 150 000 Franken für bloss 10 000 Franken die Hand. Die Schlüssel brachte der Pole nach der Überführung des Autos ins Ausland zum «Beklauten» zurück. Hätte nicht nur das Auto, sondern auch der Schlüssel gefehlt, wäre die Versicherung wohl hellhörig geworden, glaubte das Gericht. Es kam deshalb zum Schluss, dass der Pole auch hier «wesentliche Beiträge dazu geleistet hat, dass am Ende die Versicherung getäuscht wurde». Diese zahlte der Leasingfirma für den in Winterthur «entwendeten» Wagen 50 000 Franken aus. Der finanziell gerade etwas klamme Schweizer, der den pinken Porsche gefahren war, konnte aus dem langlaufenden Leasingvertrag aussteigen. Anders als beim Pfungemer «Unfall» konnte das Bezirksgericht beim Winterthurer «Diebstahl» nicht auf den Straftatbestand des Betruges schliessen. Dafür mangle es an der sogenannten «Stoffgleichheit», führte der Richter aus. Denn für «Betrug» müssen der Schaden und der Profit äquivalent sein. Und im vorliegenden Fall habe grundsätzlich die Leasingfirma vom Betrug «profitiert», die Betrüger nur nachgelagert (Wegfall Leasingraten). Der Pole habe sich – aus rechtlicher Sicht – damit zwar der «Vermögensschädigung» schuldig gemacht, doch dies hatte die Staatsanwaltschaft nicht eingeklagt. Deshalb wurde der Pole gestern Abend nur des (einfach begangenen) Betrugs schuldig gesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte auf mehrfachen Betrug plädiert (15 Monate). Die Verteidigung sah lediglich Gehilfenschaft gegeben (5 Monate). Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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