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«Wenn es einen Fussballgott gibt …»

BASEL. Beim FCB wirkten sie nach der Wende zum 1:2 gegen den CFR Cluj eher verwundert als geschockt. Und natürlich geben sie ihre Champions- League-Chance noch nicht auf.

Natürlich hatte eine Stunde lang wenig bis nichts dar­auf hingedeutet, was dem FC Basel auf dem Weg in die Champions League noch widerfahren sollte: Dass er einen Match, den er so lange so eindeutig beherrscht hatte, noch verlieren konnte. Statt 1:0 oder 2:0 für den FCB, was eine vorteilhafte Ausgangslage gewesen wäre, endete das Playoff-Hinspiel gegen den CFR Cluj 1:2 und hätte mit etwas Glück für die Rumänen gar 1:3 enden können. Es war eine ungewöhnliche Wende, provoziert durch Fehler von Spielern wie Markus Steinhöfer, Gaston Sauro, aber auch Yann Sommer. Und durch eine Schnelligkeit und Präzision im Konter, wie sie den Rumänen aufgrund der Eindrücke vor allem der ersten Halbzeit kaum einer zugetraut hätte. Aber man könne, sagte FCB-Trainer Heiko Vogel hinterher, den Rumänen nicht vorwerfen, dass sie die Fehler des Gegners ausnützen. Insgesamt wirkten die Basler Spieler, als könnten sie gar nicht glauben, was ihnen da passiert war; dass nicht sie, der Champions-League-Achtelfinalist der vergangenen Saison, sondern Rumäniens Meister nun die besseren Aussichten auf die Millionentöpfe der Königsliga hat. Sie redeten von ihren Chancen, die sie – notabene – mit einer Ausnahme vergeben hatten; sie hatten eher im Kopf, wie sie eine Stunde lang überlegen gewesen waren. Eigentlich hätte das Spiel, sagte Captain und Torschütze Marco Streller, den Chancen entsprechend 7:2 enden müssen. Dieser Sichtweise entspricht auch, was Streller sonst noch sagte: «Wenn es einen Fussballgott gibt, kommen wir weiter.» Es erwartet Streller also gleichsam von der höchsten Instanz im Fussball, dass sie das Unrecht korrigiere, das sie an diesem heissen Abend im St. Jakob-Park zugelassen habe. Sie glaubten auch deshalb an ihre Chance, sagte Streller noch, «weil Cluj im Rückspiel nicht eine andere Mannschaft sein wird» – eine andere als diese, die in Basel doch so viele Chancen zugelassen habe. «Sie werden auch daheim so spielen wie hier in Basel.» An den Chancen machte auch Trainer Vogel seinen Glauben an eine Kehrtwende zum Guten fest: «Wir haben gegen einen sehr defensiv eingestellten Gegner viele Torchancen herausgespielt – das spricht für unsere Qualität und lässt uns hoffnungsvoll ins Rückspiel gehen.» So muss es einer wie er sehen; auch die Spieler müssen an ihre Chance glauben. Aber die entscheidende Frage bleibt, ob sie fähig sind, dem Taten folgen zu lassen. Denn es stellt sich die noch grundsätzlichere Frage, ob dieser FCB wirklich Champions-League-tauglich ist. Das 1:2 gegen Cluj mag im bereits elften Pflichtspiel die erste Niederlage gewesen sein, was eine gute Bilanz ist. Aber natürlich ist nicht erst jetzt unübersehbar, dass sich die Mannschaft schwertut, den massiven Umbruch zu bewältigen. Wer David Abraham, Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Benjamin Huggel verloren hat, fast eine halbe Mannschaft an absoluten Spitzenkräften also, der kann einen Substanzverlust nicht vermeiden. Wenn der nur vorübergehend ist, ist das schon eine sehr starke Leistung. Weniger naiv und effizienter Also würde dem durchaus entsprechen, dass der FCB wieder mal in die Europa League müsste. Ein Platz in der Champions League ist keine Selbstverständlichkeit, auch wenn das manche – nicht aus dem Verein, wohl aber in der Stadt – meinen könnten. 16 500 Besucher waren ja auch eine Zuschauerzahl, die der Bedeutung des Anlasses nicht gerecht wurde. Es schien irgendwie, als bereite man sich schon auf die grossen Champions-League-Abende vor gegen Gegner prominenteren Zuschnitts als diesen CFR Cluj. Will der FCB solche Abende schon in diesem Herbst wieder erleben, muss er hinten weniger naiv und vorne effizienter sein. Für Letzteres könnte wenigstens ein Name stehen: Alex Frei ist in Rumänien wieder in der Startelf zu erwarten. (hjs)

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