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Wenn Holz formbar wird wie Stoff

winterthur. Wie bringt man Holz in Form, ohne es zu brechen? Das Gewerbemuseum Winterthur setzt sich mit dem zeitgemässen Potenzial des alten Werkstoffes auseinander.

Kinder spielen Fangen, Erwachsene treten neugierig ein: Der grosse Zylinder aus transparentem, feingliedrigem Holz vor dem Gewerbemuseum in Winterthur ist nicht zu übersehen. Seit er aufgebaut ist, lockt er die Vorbeigehenden in sein Inneres. Fasziniert spazieren sie darin herum, schauen hinauf und hinaus – und erleben, wie das fili- grane Holz im Spiel mit dem Licht einen Moiré-Effekt entwickelt. Die labyrinthische Skulptur, die nachts und dann beleuchtet noch einmal ein ganz anderes Gesicht erhält, stammt vom Zürcher Architekten Christopher T. Hunziker. «DenkMalDukta – little labyrinth» nennt er die Skulptur. Sie bildet den Auftakt zur neuen Ausstellung «wood loop – auf biegen und brechen».

Prozesse im Zen­trum

Holz ist ein wichtiger Werkstoff und findet in den letzten Jahren wieder grosse Beachtung, in der Architektur wie im Möbelbau. Die Ausstellung präsentiert bekannte und unbekannte Exponate aus den Bereichen Design, Architektur und Kunst. Sie setzt sich jedoch vor allem mit Entstehungsprozessen auseinander. Im ersten Teil der Ausstellung wird anhand von historischen und aktuellen Beispielen gezeigt, wie Holz geformt werden kann.

«Die Ursprünge des thermoplastischen Verfahrens gehen bis ins 6. Jahrhundert vor Christus zurück. Damals wurde das Holz noch im Wasser gekocht», erklärt Mario Pellin. Der Kunsthistoriker und Innenarchitekt ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Gewerbemuseum tätig und mitverantwortlich für das Konzept der aktuellen Ausstellung. Geigen, Gitarren, Schlitten oder Trommelringe bestehen aus Holz, das mittels eines Dampfverfahrens in Form gebracht wurde. In der Ausstellung wird dieses Verfahren am Beispiel des Designklassikers und berühmten Kaffeehausstuhls von Michael Thonet veranschaulicht.

Der zweite Teil der Ausstellung ist «dukta» gewidmet, einem innovativen Einschneideverfahren, mit welchem Holz und Holzwerkstoffe flexibel gemacht werden können. Entwickelt wurde es von den Schweizer Gestaltern Christian Kuhn und Serge Lunin. Sieben Jahre haben die beiden dafür gebraucht. Während dieser Zeit experimentierten sie mit verschiedenen Materialien, schnitten sie auf die unterschiedlichsten Arten ein, variierten die Schnittlänge und -tiefe und ordneten die Kerben anders an. «Wir gingen bis an die Grenzen des Machbaren und stellten fest, dass wir je nach Material und Schnitt andere Eigenschaften erreichen», erklärt Lunin, Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Weil das Verfahren neue Einsatzmöglichkeiten für Holz und Holzwerkstoffe eröffnet, wurde es denn auch bereits mehrfach ausgezeichnet. «Dukta»-Holzwerkstoffe haben zudem schalldämmende Eigenschaften. Derzeit wird der Konzertsaal der ZHdK, der sich auf dem Toni-Areal in Zürich im Bau befindet, damit ausgekleidet.

Projekte im «Atelier dukta»

Einen weiteren wichtigen Raum nimmt das «Atelier dukta» ein. Hier werden Projekte präsentiert, die von namhaften Gestalterinnen und Gestaltern eigens für die Ausstellung in Winterthur konzipiert wurden. «Wir achteten darauf, dass die Gestalter aus möglichst verschiedenen Bereichen kommen», sagt Markus Rigert, Leiter des Gewerbemuseums und Projektleiter der Ausstellung. Entsprechend unterschiedlich sind die Ergebnisse: Da ist das Labyrinth von Christopher T. Hunziker vor dem Museum, oder der «dukta»-Teppich der Textildesignerin Annette Douglas. Filigrane, überaus ästhetische Lichtsäulen hat das bekannte Designstudio Greutmann Bolzern geschaffen.

Während andere Gestalter installativ gearbeitet haben, hat das Designerduo «fries & zumbühl» Möbel kreiert. Kevin Fries und Jakob Zumbühl testeten die Holzwerkstoffe bis an ihre Grenzen aus. Entstanden sind zwei Möbel, die markttauglich sind: Das Regal «Pop Up Storage» besteht aus zwei Elementen, die unterschiedlich zusammengesteckt werden können. «Pop Up Stool» ist ein Schaukelhocker.

www.gewerbemuseum.ch

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