Winterthur

«Wer gut trainieren will, muss die Balance halten»

Cross-Fit-Trainer Ben Braham bildet in Oberi seit kurzem auch Fitness­instruktoren aus. Er erklärt, wie am schnellsten die Pfunde purzeln und welches die häufigsten Missverständnisse sind beim Thema Fitness.

Ben Braham, Cross-Fit-Trainer und Ausbildner erklärt, wie man den Weihnachtsspeck wieder los wird.

Ben Braham, Cross-Fit-Trainer und Ausbildner erklärt, wie man den Weihnachtsspeck wieder los wird. Bild: Madeleine Schoner

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Ich möchte meine zwei Kilo Weihnachtsspeck in 14 Tagen loswerden. Was raten Sie mir?
Ben Braham*: Machbar ist das schon, aber es soll ja auch für den Körper verträglich bleiben. Bewegung, gute Ernährung und viel Erholung, das sind die drei Schlüssel. Beim Ausdauertraining haben Hobbysportler den schnellsten Effekt und man verbrennt am meisten Kalorien. Längere Spaziergänge oder Schneeschuhtouren helfen schon, aber natürlich auch das Training auf dem Ergometer oder dem Crosstrainer. Aber klar ist: Die überflüssigen Kilos legt man sich nicht zwischen Weihnacht und Neujahr an, sondern zwischen Neujahr und Weihnacht.

Welches sind sonst die häufigsten Fitness-Missverständnisse?
Das Wort «schnell». Bis man unfit wird, braucht es ja auch ein Weilchen. Umgekehrt ist es genauso, es braucht Monate. Viele Junge starten Anfang Jahr topmotiviert und schiessen dann übers Ziel hinaus. Sie trainieren zu häufig und zu intensiv. Dabei belasten sie ihren Körper so stark, dass das Verhältnis zwischen Leistung und Regeneration nicht mehr stimmt. Richtig wäre: Erst kurze Einheiten, dann häufigere, dann längere, dann intensivere. Und: Kein richtiger Sportler verzichtet auf seine täglichen acht Stunden Schlaf.

«Bewegung, gute Ernährung und viel Erholung, das sind die drei Schlüssel.»Ben Braham

Viele wollen aber alles, gut ­aussehen, ohne auf Party und alles zu ­verzichten, was dazu­gehört. «Play hard, party hard».
Genau, am Samstag in den Ausgang, am Sonntag mit Sixpack in die Badi. Wenn man jung ist, geht das. Man wirkt dann vielleicht sportlich, fit ist man deswegen noch lange nicht. Um fit zu werden, zählt auch das Mentale, wie man an ein Training herangeht. Es braucht einen Plan.

Wie sollte dieser Plan aussehen?
Bei jedem ein bisschen anders. Ausgangspunkt ist die sogenannte Leistungs- und Ernährungsdiagnostik, die wohl umfassendste Standortbestimmung. Sie zeigt, wo jemand steht und was er braucht. Auch hier ist die Ernährung wieder zentral.

Werden Nahrungsergänzungsmittel wie Proteinshakes nicht auch fahrlässig konsumiert?
Ich persönlich gehe zurückhaltend damit um. Aber es gibt Leistungssportler, die ihre Reserven aufstocken müssen und bei denen es sicher Sinn macht. Übrigens essen auch viele Hobbysportler zu wenig, vor allem Frauen. So fahren sie unnötig ihren Stoffwechsel herunter, halten ihn auf Sparflamme und wundern sich dann, dass sie schneller wieder Fettpölsterchen ansetzen, wenn sie weniger trainieren.

Was hat den ganzen Fitnesswahn und Body-Kult der letzten Jahre ausgelöst?
Social Media spielen sicher eine entscheidende Rolle. Früher fand Fitness in miefigen Kellern statt, heute ist es zugänglicher und zum Event geworden, es kursieren zig Bilder auf Instagram. Ein verschwitztes Sportbild ist nicht mehr peinlich oder eklig, sondern je nachdem sexy und kommt mit der Botschaft: «Hey, ich bin aktiv!»

«Früher fand Fitness in miefigen Kellern statt, heute ist es zum Event geworden.»Ben Braham

Sporttrends kommen und gehen. Gehört Cross-Fit, das Sie unterrichten, nicht auch dazu?
Cross-Fit wurde ursprünglich als Training für Polizisten und Militärs konzipiert, die «ready für alles» sein müssen. Deshalb ist Cross-Fit gesamtheitlich, sehr variabel und kombiniert verschiedene Übungen und Ansätze funktional miteinander, sei es am Gerät oder mit dem eigenen Körpergewicht. Insofern scheint mir das eher zeitlos. Die meisten meiner Kunden sind Leistungssportler, vom Ringer bis zum Reiter, alle mit individuellen Trainingsprofilen.

Seit kurzem bilden Sie auch in Oberi Fitnessfachleute aus, an der eigenen Academy.
Ja, an der Athletic Performance Academy bilde ich vor allem Trainer für Leistungs- und Spitzensportler aus. Die Nachfrage steigt, weil Vereine und Trainer den Fitnessaspekt immer stärker gewichten, was in den USA längst der Fall ist. Auch hier lehre ich den ganzheitlichen Ansatz: Leistung, Ernährung und Erholung.

Wie seriös ist das Ganze?
(lacht) Seriös! Wie sind Eduqua-zertifiziert. Ich doziere schon seit vier Jahren an der Swiss Academy of Fitness and Sports. Die Ausbildung zum Athletic Coach dauert zwei Jahre, mit 37 Präsenztagen, vier Prüfungen und zwei Abschlussarbeiten. Die Verantwortung, die wir gegenüber unseren Kunden haben, ist nicht zu unterschätzen.

(Der Landbote)

Erstellt: 13.01.2018, 10:52 Uhr

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