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Wider die gewaltbereiten Fans

Zürich. Stadt- und Regierungsrat gehen in die Offensive, um für ein Ja für das Hooligan-Konkordat zu werben. Im Juni stimmen die Zürcher dar­über ab, ob Krawallmacher an Sportveranstaltungen härter angefasst werden können.

Das Hooligan-Konkordat beschäftigt zurzeit die Kantonsparlamente der Schweiz. Der Zürcher Kantonsrat hat sich zwar schon Anfang November für das «Konkordat über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen» ausgesprochen. Gegen diesen Entscheid ist aber ein Referendum zustande gekommen, und im Juni stimmen deshalb die Zürcherinnen und Zürcher dar­über ab, ob der Kanton dem Konkordat beitreten soll. Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) trat gestern zusammen mit dem Zürcher Stadtrat Daniel Leupi (Grüne), der Klotener Stadträtin Priska Seiler Graf (SP) und der Winterthurer Stadträtin Barbara Günthard-Maier (FDP) vor die Medien, um in einer Zeit für das Konkordat zu werben, in der es in etlichen Kantonen kontrovers diskutiert wird. Um nicht zu sagen abgelehnt. «Wir verlangen Respekt und Anstand von den Fans», sagte Fehr. Er versprach, dass Zürich die Massnahmen des Konkordats verhältnismässig umsetzen werde. Überhaupt, ergänzte Stadtrat Leupi, sei in Zürich bereits vieles umgesetzt, was andere Städte erst mit dem Konkordat erhielten: das Alkoholverbot im Stadion bei Hochrisikospielen zum Beispiel oder die Kombitickets für Basel-Fans. Mario Fehr machte klar: «Die Massnahmen sind auf die Hochrisikospiele fokussiert.» Dabei werde es auch in Zukunft bleiben. In Zürich gibt es immerhin vier hochriskante Paarungen: das Derby der Stadtvereine und die Spiele, an denen der FC Basel zu Gast ist. Mehr Mittel für Kantone Das Konkordat beinhaltet eine Bewilligungspflicht für Eishockey- oder Fussballspiele, wobei der Kanton Auflagen formulieren kann: Alkoholausschank, Anzahl der privaten Sicherheitskräfte vor Ort, Anspielzeit. Die Kantone können verlangen, dass Gästetickets nur vom Gastverein verkauft werden. Für Hochrisikospiele sollen nur Kombitickets erhältlich sein: Der Eintrittspreis umfasst auch den Preis für das Billett mit dem Fantransport, der zwingend zu nutzen ist. Das Konkordat regelt auch die Leibesvisitation. Private Sicherheitsleute dürfen auf der Suche nach verbotenen Gegenständen wie Feuerwerkskörper oder Waffen neu Leibesvisitationen am ganzen Körper vornehmen – über den Kleidern. Ein konkreter Verdacht ist nicht nötig. Mit einem solchen aber dürfen Polizeibeamte Leibesvisitationen unter den Kleidern vornehmen. Um den Intimbereich eines oder einer Verdächtigen zu kontrollieren, müssen sie medizinisches Personal beiziehen. Dank des Konkordats wäre es erstmals möglich, in allen beigetretenen Kantonen Rayonverbote für gewaltbereite Fans auszusprechen. Stadionverbote sind nicht eingeschlossen. Die Gegner des Konkordats wehren sich dagegen. In Zürich hat sich ein Komitee gebildet, das sich «Kollektivbestrafung Nein» nennt. Das Komitee sieht durch die vorgeschlagenen Massnahmen die persönliche Freiheit jedes Matchbesuchers bedroht und dar­über hinaus auch den Schweizer Rechtsstaat. Was, wenn Basel nicht mitzieht? Mehrere Kantone ohne Vereine in den höheren nationalen Ligen sind dem Konkordat bereits beigetreten. Zudem hat es im Tessin, in der Waadt und in Bern die vorberatenden Kommissionen passiert. In Zug aber hat sich der Kantonsrat in einer ersten Lesung nur knapp für das Konkordat ausgesprochen. Freiburg, Genf, Schaffhausen und Graubünden gehören zu jenen Kantonen, die das Konkordat noch nicht behandelt haben. In beiden Basel lehnt eine Mehrheit der Räte das Konkordat ab. Die griffigen Massnahmen des Abkommens wackeln in der Praxis: Tritt Basel dem Konkordat nicht bei, müssen Basler Hooligans kein Rayonverbot für Heimspiele fürchten, wenn sie auswärts beim Randalieren erwischt werden. Ausserdem ist Zürich nicht in der Lage, mehr als stichprobenweise Identitätskontrollen durchzuführen.

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