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Wie das Weinland zu zwei Bahnlinien kam

Zwei Bahngesellschaften buhlten um die Vorherrschaft in der Schweiz – und bauten in unmittelbarer Nähe je eine Linie, die über die Thur führt.

Die Ossinger Eisenbahnbrücke ist ein imposantes Bauwerk. Und sie erreichte früh Weltruhm: Auf Fotografien wurde sie an den Weltausstellungen 1876 in Philadelphia und 1906 in Mailand gezeigt. Die Brücke war eine der ersten, die von schmiedeeisernen Pfeilern gestützt wurde. Von 1874 bis 1875 wurde sie gebaut und gehörte zur Nationalbahn. Diese verfolgte das ehrgeizige Ziel, eine unabhängige Eisenbahn vom Bodensee zum Genfersee zu bauen. An der Spitze der Nationalbahn stand der Winterthurer Stadtschreiber Theodor Ziegler – ein Demokrat, der es gegen die «Herrenbahn», die Nordostbahn, aufnehmen wollte. Gründer der Nordostbahn war der Zürcher Politiker Alfred Escher. Er finanzierte die Nordostbahn mit privaten Geldern. Es entbrannte ein regelrechter Konkurrenzkampf. Als die Nationalbahn ihre grosse Brücke über die Thur baute, stand bereits ein ähnliches Bauwerk in unmittelbarer Nähe, nämlich in Andelfingen. Die Nordostbahn hatte dort bereits 1856 eine Brücke gebaut, auf der sogenannten Rheinfallstrecke. Die Strecke Winterthur–Schaffhausen wurde am 16. April 1857 in Betrieb genommen. Der Konkurrenzkampf zwischen Nationalbahn und Nordostbahn dauerte nicht sehr lange. Bereits 1878 ging die Nationalbahn in Konkurs. Die Folgen waren verheerend, da sie sich über Anleihen von Gemeinden finanzierte. 1880 übernahm die Nordostbahn ihre Konkurrentin für wenig Geld. Der Niedergang der Nationalbahn war Thema des Freilichtspiels «Das dritte Gleis», das 2009 in Winterthur aufgeführt wurde.

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