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Wie die irakische Heimat zum Krisenherd wurde

In «Iraqi Odyssey» erzählt der Schweizer Filmemacher Samir anhand von Gesprächen mit Familienmitgliedern die bewegte Geschichte des Irak.

Das üppig gestaltete, in 3-D-Technologie gedrehte Werk beruht auf einem ehrgeizigen Unterfangen: Der 1955 in Bagdad geborene Regisseur Samir besuchte Mitglieder seiner irakischen Verwandtschaft, deren Wohnsitze sich über den ganzen Globus verteilen, und entwarf anhand ihrer Aussagen und Erinnerungen sowie einer Unmenge an Archivmaterial nicht weniger als ein Quasi- Gesamtbild der irakischen Geschichte der letzten hundert Jahre. Es brauchte schon das Talent, den Erfindungsreichtum und die Erfahrung des Filmemachers, um aus einem solchen Film mehr zu machen als einen illustrierten Wikipedia-Artikel mit Überlänge und narzisstischem Einschlag. Und natürlich ist «Iraqi Odyssey» mehr als das – sehr viel mehr sogar. Samir führt uns auf eine grafisch verspielte Weise an seinen Stammbaum heran und zeichnet, ausgehend von seinem Grossvater, das Bild eines verhältnismässig weltoffenen Irak, der wenig zu tun hat mit dem Krisenherd, den uns die Medien in den jüngsten Jahrzehnten immer wieder präsentiert haben. Es beginnt eine unglaublich lebendige Geschichtslektion, geprägt von Konflikten und Protesten, in deren Verlauf natürlich irgendwann die verheerenden politischen Entwicklungen einsetzen, die grosse Teile der Bevölkerung dazu bewegen sollten, ihr Heimatland endgültig zu verlassen. – Samir gelingt mit «Iraqi Odyssey» das Kunststück, zugleich einen Stoff von epischer Tragweite auszubreiten und ihn auf einer höchst intimen Ebene erfahrbar zu machen. Wenn seine Verwandten – oft nicht ohne Humor – aus ihrem Leben erzählen, dann ist das nicht nur gelebte, sondern intensiv gefühlte und oft auch erlittene Geschichte. Das diskret eingesetzte 3-D-Verfahren hilft dem Zuschauer zusätzlich dabei, einzutauchen in diese Welt der Farben und Klänge – eine Welt, in der sich Trauer und Hoffnung die Hand reichen. «Iraqi Odyssey» ist – auch wenn der Titel angesichts der geschilderten Diaspora natürlich Sinn macht – alles andere als eine Irrfahrt: Der Film erweist sich als eine wunderbare Reise mit einer klaren Marschrichtung und einem kompetenten, charismatischen Fremdenführer, der sich zudem als leidenschaftlicher Geschichtenerzähler bewährt.

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