Zum Hauptinhalt springen

Wie ein Pflug durch den Acker

«Bang!» ist das zweite Gotthard-Album nach dem Tod von Sänger Steve Lee. Im Gespräch erzählen Leo Leoni und Marc Lynn, wie sich die Rockband mit dem neuen Sänger Nic Maeder wieder gefunden hat. Morgen Freitag tritt sie im Zürcher Volkshaus auf.

Der Tod von Steve Lee ist bei Gotthard bis heute ein Thema. Ein Schuss vor den Bug war er, ein abrupter Stopp für die Schweizer Rockband auf der Überholspur. Würde es überhaupt weitergehen, und wie, fragte man sich. Doch die Musiker haben ihre Lust auf Rockmusik noch lange nicht verloren. Mit Nic Maeder holten sie einen neuen Sänger ins Boot und nahmen ein Album auf – und dann schauten sie einfach mal, ob und wie das bei den Fans ankommt. Nun steht das zweite Album mit Nic Maeder in den Regalen. Ein Indiz dafür, dass der unfreiwillige Sängerwechsel von den Fans durchaus goutiert wurde. Bassist Marc Lynn nickt. «Sonst gäbe es Gotthard heute vermutlich nicht mehr.» Er räumt ein, dass das Publikum auf der ersten grossen Welttour mit Nic manchmal einige Songs Vorlauf brauchte, um in Stimmung zu kommen. «Aber nach drei oder vier Songs begannen die Hallen jeweils zu kochen.» Gitarrist Leo Leoni findet das verständlich. «Die Fans hatten keine Ahnung, was sie live erwarten würde. So warteten sie zuerst mal ab.» Frischer und moderner Die erste Bilanz ist also positiv. Die Band habe aber einen Moment gebraucht, um sich gegenseitig anzugleichen. «Wir merkten etwa nach dem ersten Album mit Nic, dass seine Stimme in tieferen Lagen deutlich besser wirkt. Daher schrieben wir die Songs auf der neuen Platte nun anders», sagt Leoni. Ändert man in einer Band einen Parameter, zieht das allerdings meist einen ganzen Rattenschwanz von Folgen nach sich. «Plötzlich beginnen sich die Frequenzen von Gitarren und Gesang zu konkurrenzieren», erläutert Marc Lynn. «Also mussten wir auch mit den Gitarren neue Wege gehen.» Man hört es: Die Riffs sind knackiger, der Sound rhythmischer. Dafür brettert Nics tief-raues Organ durch die Songs wie ein Pflug durch den Acker. Da wird der Gotthard-Sound aufgemischt. Und irgendwie kommt er auch frischer, moderner daher als früher. Lynn betont allerdings: «Das ist immer noch ganz der alte Gotthard-Sound.» Natürlich habe man Neues probiert, meint Leoni. Immerhin seien die Reaktionen auf den neuen Sänger ja sehr gut gewesen. Und man habe die Songs für Nic ohnehin anders schreiben müssen. «Das war für uns ein Steilpass für kleine Experimente.» Stets mit Blick auf die Fans Die neue Scheibe «Bang!» beginnt schon mit einem solchen: Der Titelsong kommt im Boogierhythmus daher – nicht gerade die klassischen Gotthard. Die Ballade «C’est la vie» passt zwar aus Sicht des Songwritings durchaus ins Balladenrepertoire der Rockband, dennoch mutet das frankofone Akkordeon auf dem Song fremdartig an. Das Finale der Platte, der Song «Thank You» für Leonis verstorbene Mutter, wird auf epischer Länge ausgekostet: Fast elf Minuten lang zelebrieren die Musiker die Zeiten, als Rockmusik noch das Mass aller Dinge war. Ist das zu viel des Experimentierens? Leoni verneint. «Wir waren uns unserer Fans jederzeit bewusst. Wir wollen sie nicht mit zu verrückten Versuchen brüskieren.» Denn Fans und Band bedingen sich im Fall von Gotthard gegenseitig. «Unser Spass an der Musik hängt vom Spass der Fans ab», sagt Leo Leoni. So fehlen auf dem Album denn die klassischen Rockknaller keineswegs. Der Blick auf die Bühne ist den Songs anzuspüren. Das hängt wieder mit den Fans und letztlich mit der eigenen Existenz zusammen. Denn laut Marc Lynn verdient die Band ihr Haupteinkommen mit Konzerten und nicht mit Plattenverkäufen. «Reich wird man auch von den Konzerten nicht. Aber wir können immerhin gut davon leben.» Natürlich bedingt das volle Hallen, also braucht die Band treue Fans. Und die wollen eine gute Rockparty an einem Gotthard-Gig. Womit sich der Kreis schliesst. Denn genau das sollen sie auf der Tour zum Album auch erhalten, besitzt die Platte doch ein grosses Partypotenzial. Kaum Auftritte in der Schweiz Brachte man früher noch im Jahrestakt ein Album heraus – Studio-, Live-Album oder Compilation –, ist heute der Zweijahresrhythmus gängig geworden. Immerhin gilt es, damit die ganze Welt zu bereisen. «Die Fans sind überall gleich. Da spürt man keinerlei Unterschiede», sagt Leo Leoni. Marc Lynn fügt hinzu, dass das viele Reisen in Europa, Asien und Südamerika zuweilen etwas ermüdend sei. Da freue man sich dann schon auf die Heim-Gigs in der Schweiz. Davon gibt es heuer aber nicht allzu viele. Abgesehen von einer Reihe von Festivals und der Plattentaufe morgen im Zürcher Volkshaus bleibt dieses Jahr die Schweiz aussen vor. Highlight wird für die Band der Auftritt vor Bryan Adams an der Erstauflage des Hinwiler Festivals «Rock im Ring». «Bryan haben wir schon oft getroffen, der kennt uns sicher noch», sagt Lynn. Und überhaupt: Dass am Festival von Hinwil die Köpfe hinter den «Pirates»-Bars federführend sind, ist den Gotthard-Rockern sympathisch. Mit einem Grinsen sagt Leoni: «Wir sind schliesslich auch Piraten.» Gotthard Live: Freitag, 11. April, 20 Uhr, Volkshaus Zürich CD: Bang! (Musikvertrieb)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch