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Wie gross soll die ideale Schulklasse sein?

Über Sinn und Kosten der In­itia­ti­ve «Klassengrössen» diskutierten am Donnerstag fünf Politiker in Winterthur.Abstimmung

«Wie gross waren Ihre Primarklassen, als Sie noch zur Schule gingen?», fragt Moderator Jakob Bächtold vom «Landboten» in die Runde. Bei fast allen Befragten waren es um die 30 und es hat anscheinend funktioniert. Trotzdem fordert die In­itia­ti­ve der EVP eine Obergrenze von zwanzig Schülern pro Klasse. «Wir möchten die Rahmenbedingungen anpassen, denn die Schule hat sich gewaltig verändert», sagt Hanspeter Amstutz, einer der Initianten.

Mehr Aufwand als früher

Heute verfolgt man das Konzept der individuellen Förderung, zudem werden verhaltensauffällige Schüler in die Regelklassen integriert. Dies bedeutet einen erheblichen Mehraufwand für die Lehrperson im Vergleich mit dem früher praktizierten Frontalunterricht. Laut einer Umfrage des Zürcher Lehrerverbands (ZLV) seien kleinere Klassen der Wunsch Nummer eins der Lehrer, fügt Amstutz an. Sein kurzes Referat und ergänzende Fakten seitens der Moderation leiten die Diskussion vor rund 30 Zuschauern im Kirchgemeindehaus Liebestrasse ein.

Ein grosser Diskussionspunkt sind die Kosten, die durch eine starre Begrenzung auf 20 Schüler verursacht würden. Sie werden auf 120 Millionen geschätzt, wovon 80 Prozent auf die Gemeinden entfielen. EVP-Kantonsrat Nik Gugger dementiert diese Zahl. «Wir können belegen, es sind nur 60 Millionen», und er gibt zu bedenken, dass Burn-outs von Lehrern und die Tatsache, dass viele frühzeitig aus ihrem Beruf aussteigen, auch hohe Kosten bedeuten, die durch verbesserte Bedingungen verhindert werden könnten.

Kantonsrat Christoph Ziegler (GLP) macht sich stark für den Gegenvorschlag, der den kantonalen Pool von Lehrkräften, die den Gemeinden zur Entlastung zur Verfügung stehen, um 100 auf 260 Stellen aufstocken würde. «Viele Gemeinden können sich diesen finanziellen Mehraufwand nicht leisten. Der Gegenvorschlag ist die vernünftige und umsetz- bare Alternative», sagt er.

Sowohl gegen die In­itia­ti­ve als auch gegen den Gegenvorschlag argumentiert auf dem Podium nur FDP-Kantonsrat Dieter Kläy: «Es geht gar nicht primär um die Kosten, das Konzept der In­itia­ti­ve ist nicht überzeugend.» Zu starr sei eine Begrenzung auf genau zwanzig, zudem sei der Schluss, das aus genau dieser Zahl eine Entlastung der Lehrpersonen resultiere, nicht nachvollziehbar. SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr entgegnet dem, dass die In­itia­ti­ve in der Umsetzung nicht starr sein werde, hier bestehe durchaus politischer Spielraum.

Lehrern Gehör verschaffen

Dass die Zwanzig keine magische Zahl ist, bestätigen die Lehrer auf dem Podium einstimmig. Heute seien ausschliesslich brave Schüler ein Ausnahmefall. «25 Schüler in einer Klasse können einwandfrei funktionieren, ist aber nur ein Störenfried dabei, absorbiert dieser 80 Prozent der Kapazität des Lehrers», sagt Nik Gugger. Dies spreche eigentlich für den Gegenvorschlag, den Initianten geht dieser aber zu wenig weit.

«Ob die Gemeinden dann bereit sind, Mittel für Entlastungspersonal zu stellen, ist nicht sicher», so Fehr. Sie bemängelt, dass die Anliegen der Lehrer oft überhört werden. Mehrfach wies die Nationalrätin dar­auf hin, dass bei der Belastung der Lehrpersonen ein kritischer Punkt erreicht sei: «Die In­itia­ti­ve ist ein Appell an die Gesellschaft, es ist genug, es muss sich etwas ändern».

Amstutz bestätigt die prekäre Lage der Lehrer. Die In­itia­ti­ve greife natürlich nur einen Punkt von vielen auf, aber es sei ein erster Schritt in die richtige Richtung. Bea Peter

Klassengrössen

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