Zum Hauptinhalt springen

Wie zu besten Zeiten

winterthur. Pfadi gewinnt ein mitreissendes Heimspiel 22:18 (10:7) und gleicht im Playoff-Halbfinal gegen die Kadetten Schaffhausen zum 1:1 aus.

Die Eulachhalle war aufgemotzt für einen speziellen Playoff-Abend. Das Treiben auf dem Feld passte zum Rahmen und erhöhte die Stimmung, sofern man sich zu Pfadis Anhang zählte. Gegen Schluss hin begleiteten die meisten der 1200 Zuschauer die Winterthurer Spieler stehend zum Sieg. Applaus gehörte schon während des Matchs dazu wie Buhrufe für Kadettens Linkshänder Rares Jurca, den offensichtlich wehleidigsten Handballer der Nationalliga A. Die Ambiance in der Halle erinnerte an beste Zeiten, als Pfadi reihenweise seine Meistertitel abholte.

Spielerisch wars kein grosser Abend, dazu gabs auf beiden Seiten zu viele Fehler. Aber was den Kampf und die Emotionen anging, liess das zweite Playoff-Spiel zwischen den beiden alten Rivalen nichts zu wünschen übrig. Die Verteidigungen dominierten das Bild und provozierten viele Ballverluste. Die Goalies dahinter, Pfadis Martin Pramuk und Schaffhausens Remo Quadrelli, lieferten zudem eine überzeugende erste Halbzeit ab. Nach der Pause aber war nur noch Pramuk eine Versicherung. Auf zwölf Paraden brachte er es da, hinzu kamen die neun aus Halbzeit 1. Der Slowake ist, auch im Alter von 37, einer der Besten in der Schweiz.

Wie in der Finalrunde im März genügten Pfadi 22 Tore zum Heimsieg über die Kadetten. Der jüngste Erfolg war der Lohn für eine aufopfernde Defensivarbeit. Die Gegenstossdeckung klappte zudem deutlich besser als noch am Donnerstag bei der 25:26-Startniederlage in Schaffhausen. «Das war der Unterschied zum ersten Spiel», verglich Trainer Adrian Brüngger. «Wir konnten ihre erste Konterwelle abfangen. Ausserdem machte Pramuk natürlich einen grandiosen Match.» Insgesamt sei es «ein sehr guter Auftritt» seiner Mannschaft gewesen, lobte Brüngger. «Und die Stimmung in der Halle war fast schon wie früher.»

Nochmals eng nach dem 18:11

Die Vorteile lagen zunächst bei den Schaffhausern. Sie führten 5:3, lagen dann aber beim 7:7 zum letzten Mal gleichauf. Dieses Resultat bestand in der 25. Minute, was unterstreicht, wie dominierend die Defensiven und Torhüter waren. Noch vor der Pause erhöhte Pfadi auf 10:7. Anschliessend gings im gleichen Stil weiter. Die Winterthurer trafen regelmässiger, während die Kadetten, für die Andrija Pendic im Rückraum sehr viel Verantwortung übernehmen musste und Fehler machte, scheiterten. 18:11 hiess es in der 44. Minute nach Marco Kurths viertem Tor im vierten Wurf. Die Sache schien gelaufen. In den folgenden elf Minuten erzielte Pfadi jedoch nur noch ein Tor. Mit nun vielen Ballverlusten (oft von Kurth) gerieten die Kadetten mit dem 19:17 wieder voll ins Spiel (55.). Zwei Tore von Michal Svajlen und ein Treffer von Julian Krieg zum 22:17 nahmen dem Treffen innert Kürze allerdings wieder die Spannung, die zuvor aufgekommen war.Pfadis Makel der zweiten Hälfte: schied

Pfadis Abwehr und Torhüter verhielten sich tadellos. Der Angriff hatte gegen eine starke Defensive genauso Mühe wie jener der Schaffhauser. Marco Kurth bot eines seiner stärksten Spiele der letzten Zeit und wieder den Zug seiner besten Tage, ehe er in der Schlussphase nachliess. Im Rückraum kamen Philipp Reuter und Svajlen ebenfalls nicht auf eine positive Bilanz, doch Reuter trieb das Spiel an und Svajlen war mit seinen Würfen zur Stelle, als es ihn brauchte. Insgesamt waren die Winterthurer, vor der Halbfinalserie in einer Hypnosesitzung (die heute Abend Thema in der SRF-«Sportlounge» ist), breiter und besser besetzt als der Meister.

«Mässige Tagesform»

Julius Emrich, der 27-jährige Kreisläufer aus Deutschland, sprach das derzeit grösste Problem seiner Kadetten an: die Absenzen. «Im Prinzip spielten wir ohne den ersten Rückraum, den ersten Kreisläufer und den ersten Torhüter», sagte er. «Dadurch ist Pfadi jetzt auf Augenhöhe und die Tagesform entscheidet.» Die Aufbauer Christian Dissinger und Aleksandar Stojanovic fehlen verletzt, ebenso Goalie Arunas Vaskevicius. Am Samstag ging Kreisläufer Iwan Ursic angeschlagen ins Spiel und schaute später ebenso zu wie Regisseur Peter Kukucka, der eine Rippenprellung einfing.

«Verletzte hin oder her», ergänzte Emrich noch, «wir hatten diesmal eine mässige Tagesform. Unsere vielen freien Würfe müssen wir machen; Pramuk war stark.» Nur für die eigene Verteidigung fand er Lob: «22 Gegentore in Winterthur sind sehr gut.» Offensiv aber «tun wir uns gegen die 3-2-1-Abwehr schwer. Erst recht, wenn Pfadi zu Hause spielt.»

Am Mittwoch in Schaffhausen folgt die Fortsetzung der Best-of-5-Serie. Die Pfader, die nächsten Samstag ihr zweites Heimspiel bestreiten, brauchen einen Auswärtssieg für den Vorstoss in den Final (wohl gegen Wacker Thun). Seit letztem Samstag müsste endgültig allen klar sein: Die Chance, den Meister aus den Playoffs zu werfen, war noch nie so gross wie jetzt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch