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Wieder mal in Wil gewinnen

Der FC Winterthur will in der Spitzengruppe bleiben. Zu diesem Zweck dient ein Erfolg in Wil, wo er allerdings seit acht Jahren nicht mehr gewonnen hat.

Der FCW gehört zur Spitzengruppe der Challenge League. Aber noch hat er sich nicht als Spitzenteam etabliert. Dafür mangelte es ihm bisher an Konstanz, und zur Konstanz fehlte es vor allem an Auswärtsresultaten. Die bisher besten «Serien» waren denn auch die zwei Doppelsiege, mal dank zwei Heimspielen hintereinander (gegen Chiasso und Wil), mal dank des bisher einzigen Auswärtssieges (in Schaffhausen). Bescheiden ist auch noch die längste Reihe von Spielen ohne Niederlagen: Das waren drei mit sieben Punkten, als auf die Heimsiege gegen Chiasso und Biel noch das 0:0 in Genf folgte. Heute könnten die Winterthurer wenigstens mal diese Bestleistung egalisieren, denn ein Sieg in Wil gäbe nach dem 3:2 gegen Schaffhausen und dem 0:0 gegen Lugano ebenfalls sieben Punkte aus drei Auftritten. Ein Sieg im Bergholz müsste es aber auch sein, um sich zumindest dort zu halten, wo man steht. Ein Sieg in Wil aber wäre auch eine statistische Besonderheit: Acht Jahre und – auf den Tag genau – einen Monat ist es her, dass letztmals eine Vertretung des FC Winterthur dort gewann. Walthers 2:0 gegen Forte Mathias Walther war der Trainer in Winterthur, Uli Forte in Wil; die Winterthurer siegten Anfang Oktober 2006 2:0, dank Toren zweier Brasilianer, des Stürmers Ricardo Costa in der 19. und des an seiner Stelle eingewechselten Mittelfeldspielers Juninho in der 83. Minute. Zwei aus den heutigen Teams waren damals schon dabei: Kristian Nushi spielte für die Wiler, bis er nach 64 Minuten ausgewechselt wurde; er setzt sich heute erst einmal auf die Winterthurer Ersatzbank. Und Sandro Lombardi stand einst im Winterthurer Mittelfeld, heutzutage ist er in Wil Captain. Winterthur war an jenem Herbstsonntag die klar bessere Mannschaft und danach in der Tabelle als Fünfter mit fünf Punkten Rückstand auf einen Überraschungsleader, der damals Kriens hiess, ähnlich positioniert wie heute. Die Wiler standen auf Platz 11, allerdings mit nur drei Punkten weniger. Seither fuhren die Winterthurer neunmal nach Wil; dreimal brachten sie einen Punkt heim, sechsmal wurden sie geschlagen, nie gewannen sie. Es waren speziell empfindliche Niederlagen dar­un­ter wie das 0:4 im letzten Vorrundenspiel vor zwei Jahren oder das 3:6 vor einem Jahr. Der neue Gegner Mit nur vier (Heim-)Siegen in 20?Spielen seit dem letzten Erfolg im Bergholz ist auch die Gesamtbilanz Winterthurs gegen den Nachbarn mässig. Vor allem in den vier Jahren mit Axel Thoma als Sportchef und Trainer siegten die Wiler auch auf der Schützenwiese wiederholt – bis Thoma bei seinem letzten Auftritt als Wiler ein 0:4 abholte. Das war im Juli beim Debüt Jürgen Seebergers. Der trifft nun auf einen Gegner, der zwar erstmals auf der Wiler Bank sitzt, aber nicht erstmals in diesem Herbst Gegner des FCW ist: Der 37-jährige Francesco ­Gabriele wurde Mitte Woche als neuer Wiler Trainer vorgestellt, nachdem Axel Thomas Assistent Neno Kuruzovic (54) als interimistischer Nachfolger gleich seine ersten vier Spiele verloren ­hatte, selbst im Cup gegen den Erstligisten Münsingen. Gabriele hatte noch Ende September mit Lausanne nach einem Halbzeitrückstand Seebergers FCW 2:1 ­geschlagen. Es war dann allerdings der letzte Sieg Gabrieles, denn nach zwei 1:2 in Lugano und gegen Schaffhausen wurde er in Lausanne abgelöst. Er sei, heisst es in der Waadt, über den Widerstand der erfahrenen Spieler gestolpert. Seine zahlenmässige Bilanz war ja nicht schlecht, mit 15 Punkten aus elf Ligaspielen. Elf Matches in der Liga nur hatte er auch auf seiner ersten Station in der Challenge League machen dürfen, im Herbst 2012 in Bellinzona. Dort übernahm er Anfang September von Raimondo Ponte, Ende Vorrunde musste er – nach immerhin acht Siegen – dennoch gehen. Eine von zwei Niederlagen war ein 1:5 gegen einen stark aufspielenden FCW im Comunale. Mit der ACB verloren damals auch Antonio Marchesano und Gianluca D’Angelo, die heute das zentrale Mittelfeld in Winterthur bilden. Den Job im Tessin hatte Ga­briele erhalten, weil er mit guten Resultaten, allerdings auch in nur acht Monaten, beim Erstligisten FC Baden aufgefallen war. Vorher war er mehrere Jahre als Ausbildner in der Organisation des Teams Aargau tätig gewesen. Zwischen Bellinzona und Lausanne war er eine Saison lang Assistent des Thuner Cheftrainers Urs Fischer. In Wil erhielt Gabriele nun einen Vertrag bis 2016. Der ehemalige Torhüter Kuruzovic, im Herbst 2007 auch ein halbes Jahr lang Goalietrainer in Winterthur, ist sein Assistent. Sein erstes Ziel im Fürstenland ist es, heute die miese Serie zu ­beenden, die noch unter Axel Thoma begonnen hatte. Der Wiler Erfolgsmanager der letzten Jahre hatte vor seinem Abgang zu GC nämlich auch zweimal verloren. Mittlerweile sind es also fünf Meisterschaftsniederlagen in Folge. Die Winterthurer haben, wie üblich vor Gastspielen in Wil, auf Kunstrasen trainiert. Da traf es sich gut, dass der modernste in der Stadt seit kurzem hinter der «Schützi»-Tribüne liegt. Seeberger kann mit der Elf beginnen, die zurzeit als seine beste gilt. Denn Patrick Bengondo kehrt nach verbüsster Sperre in den Angriff zurück. Captain Stefan Iten, am Sonntag nach kurzer Zeit des U21-Spiels gegen GC ausgefallen, ist wieder fit und kann sich auf die Bank setzen. Manuel Akanji (19) erhielt in dieser Woche erstmals ein Aufgebot für die U21. Nach dem Scheitern in der Ausscheidung zur EM 2015 zieht Trainer Pierluigi Tami die bisherige U20 nach, gespielt wird in Deutschland und dann in Thun gegen Schottland. Und zu erwähnen ist auch, wer das Spiel heute leitet: Es ist eine Frau. Esther Staubli (35) pfeift ihren zweiten Match in der Challenge League.

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