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Wieder zurück in der Spur

In Winterthur hat Anna Karagülle die Freude am Basketball wiedergefunden. Kommende Saison will sie zu einer Schlüsselspielerin im NLB-Team werden.

Anna Karagülle hatte schlaflose Nächte. Würde sie den Basketballclub Winterthur schon wieder verlassen müssen? Sie befürchtete es, denn im Frühjahr wurde im Verein diskutiert, die Damen aus der Nationalliga B abzumelden. Trainer Daniel Rasljic hatte bei vielen seiner Spielerinnen den Willen zur persönlichen Verbesserung vermisst. Und mit Cinzia Tomezzoli überlegte sich die Beste den Wechsel des Vereins.

Inzwischen steht fest: Tomezzoli bleibt, das Team spielt weiter in der NLB. Und Anna Karagülle, die an der United School of Sports ihren KV-Abschluss macht, kann weiter hier Basketball spielen. Ohne NLB-Team wäre das nicht gegangen. «Ich freue mich mega auf die neue Saison», erzählt die 19-Jährige mit strahlenden Augen. Vor einem Jahr war sie nach Winterthur gekommen – und überfordert gewesen. Diesen Winter will sie richtig in der NLB ankommen.

In Adlikon bei Regensdorf aufgewachsen, hatte Anna Karagülle mit 13 zu den Luzerner Highflyers gewechselt. Mit dem Traum, einmal im Ausland Basketball zu spielen. In der Innerschweiz wurde aus der Playmakerin eine Centerspielerin – und Karagülle wurde ins Juniorinnen-Nationalteam aufgeboten.

Fünf Jahre war die Zürcherin in Luzern, wurde Meisterin im Nachwuchs – und kam unter Trainer André Bachmann zu ersten NLA-Einsätzen. «Aber da spielte ich nur die letzten Sekunden», schmunzelt sie.

Die Einsätze waren die Belohnung für gute Leistungen im Training. Sie habe aber nicht das Gefühl, eine ehemalige NLA-Spielerin zu sein, sagt die 1,75 Meter grosse Teenagerin. «Ich habe ein paar Punkte erzielt: Aber das war Glück. Vor meinem ersten Korb nahm eine Teamkollegin einen Drei-Punkte-Wurf, und der Ball fiel mir direkt in die Hände.» So war das. Doch dann riss sich Anna Karagülle die Achillessehne an, Förderer Bachmann wurde nach Tubulenzen abgesetzt und das Team aus der höchsten Liga zurückgezogen.

Neue Erwartungen erfüllen

Anna Karagülles Lust auf Basketball sank gegen null. Aber in welchen anderen Verein wechseln? «Ich wollte irgendwo länger bleiben können», erzählt sie. Sie entschied sich für Winterthur. «Ich habe eine super Wahl getroffen», urteilt sie heute. Den Verein erlebt sie als grosse Familie. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so gut einleben würde. Und meine Mutter sagt, dass ich wieder heimkomme und lache.»

In Winterthur hat Anna Karagülle die Freude am Basketball wiedergefunden. Vor einem Jahr aber, nach der Ankunft in Winterthur, «war ich total neben der Spur», sagt Anna Karagülle. Im Sommer hatte sie das 2-jährige Praktikum begonnen, in einem Hundert-Prozent-Pensum. «Ich wusste nicht, wo mir der Kopf steht. In Winterthur waren die Erwartungen an mich ganz anders. In Luzern war ich eine von vielen, hier haben die Leute auf mich geschaut.» Prompt war die Saison ein Auf und Ab. In einem Match warf Anna Karagülle 16 Punkte, im nächsten wieder nur 3.

Kräftiger werden

«Ich war nicht fit und die Leistungen im Training nicht konstant.» Seit Februar hat die Sportschülerin nun zwei halbe Tage pro Woche frei. «So habe ich mehr Pausen», sagt sie. Sie kann zwei der sieben Trainingseinheiten tagsüber unter der Woche einschieben. Profi-Basketballerin werden, das hat sich zwar schon vor einigen Jahren als Illusion erwiesen.

Auch aus den Plänen, nach Freiburg zu ziehen oder nach Tschechien, in die Heimat ihrer Mutter, wo Basketball mehr gilt als in der Schweiz, wurde nie etwas. Aber es gibt ja auch andere Ziele. In der neuen Saison will Anna Karagülle in Winterthur zu einer Schlüsselspielerin werden.

Was sie dazu vor allem verbessern muss? «Ich muss kräftiger sein, um unter den Korb zu kommen und zum Rebound», antwortet Anna Karagülle. Und ihr mangle es noch am Selbstvertrauen, sagt die 19-Jährige. Dann verabschiedet sie sich. Auf dem Programm steht an diesem Abend noch – eine Einheit Krafttraining. Stefan Kleiser

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