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«Winterthur bleibt unser Schwerpunkt»

Wärtsiläs Deal mit der chinesischen Staatswerft CSSC wird Realität. Damit habe man weitere Entlassungen abwenden können, sagt CEO Martin Wernli.

Herr Wernli, Sie sind ab sofort nicht mehr Chef von Wärtsilä Schweiz, sondern von Winterthur Gas & Diesel. Warum der neue Name? Martin Wernli : Er ist eine Reverenz an die grosse Motorenbautradition in dieser Stadt. Winterthur ist dank Sulzer und später Wärtsilä weltweit ein Begriff im Dieselmotorenbau. In Japan, China oder Korea ist der Name ein Türöffner. Ausserdem signalisieren wir ganz deutlich, dass Winterthur unser Schwerpunkt bleibt. Wir sind nicht einfach zur Tochterfirma eines chinesischen Konzerns geworden. Winterthur hat weit und breit kein Meer. Die grossen Werften sind in Fernost. Wäre es nicht besser, Nähe zu den Kunden zu signalisieren? In Asien geniessen europäische Ingenieure einen ausgezeichneten Ruf. Das Know-how, die Zuverlässigkeit, die Einstellung der Leute gelten als vorbildlich. Zusätzlich verfügen wir in unseren asiatischen Tochtergesellschaften ebenfalls über qualifizierte Ingenieure und Marktnähe. Wie viel Winterthur steckt denn im neuen Unternehmen? Von unseren 350 Mitarbeitern arbeiten rund 250 in Winterthur, etwa 60 in China, 35 in Korea und nochmal 5 in Japan. Es sind bisher keine Arbeitsplätze nach China verlagert worden? Nein. Und in Winterthur ist auch kein weiterer Abbau geplant. Tatsächlich konnten wir letztes Jahr den Personalabbau stoppen, als bekannt wurde, dass das Joint Venture zustande kommt. Es mussten in der Entwicklung und im Verkauf also keine Leute entlassen werden? Doch, aber das war vor der Bekanntgabe des Joint Ventures im Juli. Es wären wohl noch mehr Arbeitsplätze in Gefahr gewesen. Und wie sieht die Zukunft aus? Mittelfristig könnte der Personalbestand sogar leicht wachsen – das hängt aber auch davon ab, wie sich der Kurs des Frankens entwickelt. Glauben Sie, es werden auch in 10 Jahren noch über 200 Leute in Winterthur Schiffsmotoren planen und verkaufen? 10 Jahre sind eine lange Zeit, aber wir sind sehr positiv gestimmt. Was ändert sich für die Mitarbeiter konkret? Nicht viel. Wir sind jetzt einfach ein eigenes, kleines, internationales Unternehmen mit neuer Besitzerschaft. Die einzige Änderung in unserem Management-Team ist unser neuer Finanzchef, der von der CSSC kommt. Was erhoffen Sie sich konkret von der Zusammenarbeit mit Chinas grösstem staatlichem Schiffsbauer? Einen besseren Marktzugang. CSSC baut fast ein Viertel aller grossen Frachtschiffe weltweit. Wenn sie unser Hauptaktionär ist, dürfen wir hoffen, dass sie und chinesische Kunden noch stärker auf unsere Produkte setzen. Ihr grosser Konkurrent auf dem Gebiet der Zweitaktdieselmotoren, die deutsche MAN, hat einen Marktanteil von über 80 Prozent. Aber kein solches Joint Venture mit CSSC. Ja. Da haben wir nun den Fuss in der Tür. Welche Vorzüge bieten die in Winterthur entwickelten Motoren? Sie sind besonders sparsam. Im Moment ist Öl zwar wieder billiger geworden, aber insgesamt hat durch die steigenden Preise ein Umdenken eingesetzt. Effizienz ist heute ein grosses Thema. In den nächsten Jahren treten in vielen Ländern strenge Umweltrichtlinien der Internationalen Schifffahrtsorganisation in Kraft. Dann erwarten wir, dass auch das Gas in unserem Namen eine grössere Rolle spielen wird: Schiefergas erlebt einen Boom, vor allem in Nordamerika. Es verbrennt fast ohne Russpartikel und Schwefel. Wir haben seit rund zwei Jahren einen Gas-Zweitakter im Angebot. CSSC baut in China auch Kriegsschiffe. Werden hier auch Ihre Motoren verbaut? Nein. Für Kriegsschiffe braucht man kleinere, schnellere Motoren mit Getriebe. Unsere getriebelosen Zweitakter sind langsam, aber sehr effizient. Sie sind darauf optimiert, tagelang geradeaus über die Weltmeere zu fahren. Ihre Motoren werden weiterhin unter dem Namen Wärtsilä verkauft – warum? Der Name ist gut eingeführt. In der weiteren Zukunft wäre ein Wechsel aber denkbar. Zudem bleibt das Wartungsgeschäft, wo in Winterthur rund 170 Mitarbeiter tätig sind, bei Wärtsilä. Das Wärtsilä-Logo wird also nicht aus dem Stadtbild verschwinden.

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