Zum Hauptinhalt springen

Winterthur verliert Aushängeschild

Die Ener­gie­messe Blue-Tech hätte aus Winterthur eine Hochburg für alternative Ener­gie­n machen sollen. Stattdessen zieht sie nun nach Bern. Der Initiant wirft der Stadt mangelndes Engagement vor.

Die Ener­gie­messe Blue-Tech wird in Zukunft nicht mehr in Winterthur stattfinden – die fünfte Ausgabe in diesem Herbst war die letzte. Die Marke Blue-Tech und die Rechte daran sind an das Messe- und Ausstellungsgelände Bernexpo verkauft worden, wie Initiator Christian Huggenberg auf Anfrage bestätigt. Die Aussteller und Partner sollen heute per Brief informiert werden.

Die Messe hat laut Huggenberg in Winterthur zuletzt an Momentum verloren. Besonders seit Fukushima würden viele Veranstalter in den Markt der Ener­gie­­messen drängen. Eine Stadt wie Winterthur müsse da schneller sein als andere, wenn sie eine grosse Veranstaltung eta­blie­ren wolle. Stattdessen seien der Messe aber an ihrem ursprünglichen Standort auf dem Sulzer-Areal «absurde Auflagen» auferlegt wor den, weshalb sie in die Altstadt habe ausweichen müssen. Dort war allerdings kein Platz mehr für 120 Aussteller und fast 10 000 Besucher, sondern nur noch für etwa die Hälfte.

Als Winterthurer Bürger hätte sich Huggenberg mehr Unterstützung seitens der Politik gewünscht. Er könne beim Stadtrat leider kein Konzept erkennen, was die Bereiche Ener­gie­ und Nachhaltigkeit angehe.

Der grünliberale Winterthurer Gemeinderat Michael Zeugin kritisierte gestern angesichts des Verkaufs der Messe die Verantwortlichen bei der Stadt: «Die Ener­gie­wende ist zurzeit ganz klar das wichtigste Thema, aber das sieht die Stadtverwaltung noch immer nicht ein.» Sie habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt und deshalb auch viel zu wenig dafür gemacht, dass die Ener­gie­messe als wichtige Plattform bleiben könne. Dass sie abwandere, sei schlecht: «Die Messe war für die Stadt ein Aushängeschild.»

Die Messe ist überholt worden

Der Winterthurer Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) weist den Vorwurf zurück, die Stadt habe das Thema Ener­gie­wende verschlafen. Das Gegenteil sei der Fall: «Bei der Blue-Tech haben wir mächtig mitgeholfen.»

Künzle bedauert das Ende der Messe und lobt ihre Macher in den höchsten Tönen: «Sie haben es mit grossem privatem Engagement geschafft, Menschen für das Thema erneuerbare Ener­gie­n zu sensibilisieren.» Trotzdem wollte die Stadtregierung die Blue-Tech nicht noch länger im grossen Rahmen finanziell unterstützen. Insgesamt habe die Verwaltung im letzten Jahr direkt und anhand von Sponsoring 120 000 Franken investiert. «Dafür fehlen uns nun die Mittel.» Vor allem, da es die Messe nicht geschafft habe, sich an der Spitze der Konkurrenz zu positionieren. «Andere, grössere Anbieter haben sie überholt.»

Der Winterthurer Standortförderer Michael Domeisen bedauert, dass die Verwaltung die Blue-Tech in der Startphase zu wenig unterstützt habe. «Sie tat sich schwer mit der Messe.» Hätte man damals richtig geschaltet, hätte sich die Blue-Tech vielleicht an der Spitze positionieren können. Das Engagement der Initianten habe trotzdem viel gebracht: «Winterthur konnte sich als Standort für die Ener­gie­branche präsentieren.»

Die neue Messebesitzerin Bernexpo will die Blue-Tech nun in die eigene Ener­gie­messe Cleantec-City integrieren, die dieses Jahr erstmals auf dem Berner Messegelände durchgeführt wurde. Damit wird der Name Blue-Tech verschwinden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch