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Winterthur–Bern und zurück

WINTERTHUR. Goran Cvetkovic und Marco Kurth, einst Team­kollegen, haben die Seiten gewechselt und würden sich heute in Pfadis Heimspiel gegen den BSV Bern ge­gen­überstehen. Wenn sie nicht verletzt wären.

Pfadis Spiele bieten etwas fürs Auge. Wobei einer, der zusätzliche Finten liefert, sich das Geschehen bisher nur von aussen ansah. Vielleicht wird er das einen weiteren Monat tun müssen: Goran Cvetkovic, Linkshänder und als Spielmacher vom BSV Bern zu Pfadi zurückgeholt, darf die Achillessehne nicht belasten. «Die Verletzung ist nicht schwer, aber mühsam», sagt der 30-jährige Serbe.

Von 2005, als Neuer von Roter Stern Belgrad, bis 2007 stand Cvetkovic schon für Pfadi im Einsatz, ehe sein Vertrag auslief. Die erste Saison war von einem Kreuzbandriss geprägt, den Start in die zweite verpasste er wegen Rückenbeschwerden. Seine Zeit in Winterthur blieb, zumal wegen der Verletzungen, unvollendet. «In jenen zwei Jahren konnte ich nicht alles zeigen, was ich wollte und was ich konnte. Das war ein zusätzlicher Anreiz, um wieder zu Pfadi zu kommen.» Besser lief es ihm in den letzten sechs Saisons mit dem BSV Bern. «Dass ich wieder hier bin, bedeutet mir viel: Es zeigt, dass ich beim BSV gut gespielt habe», sagt Cvetkovic.

Schnell entschieden

«Innerhalb von nur drei Tagen» sei die Rückkehr zu Pfadi mit Teammanager Bruno Schenk und Trainer Adrian Brüngger geregelt gewesen. «Das Gesamtpaket hat gepasst», betont Cvetkovic. Pfadi plane längerfristig mit ihm, er unterschrieb für drei Jahre; nach dem Studium zum Bachelor of Business Administration werde ihm beim Einstieg ins Berufsleben geholfen; er ist näher bei Zürich, wo seine Frau arbeitet; er kann ein Team trainieren (Pfadis U13); und nicht zuletzt: «Es ist eine Ehre, hier zu spielen, eine besondere Motivation.» Denn in osteuropäischen Handballkreisen sei Pfadi noch immer «der bekannteste Schweizer Verein».

Er lobt den Weg, den sein «neuer» Klub eingeschlagen hat. «Pfadi hat es geschafft, die besten jungen Schweizer zu verpflichten – jene, die gewinnen und mehr als andere trainieren wollen», sagt einer der Routiniers. «Die Mannschaft hat ein unglaublich grosses Potenzial, die Mischung ist ideal. Jedes Training macht Spass. Alle geben vollen Einsatz. Das reizt, selbst noch mehr zu geben.»

Die «komische» Saison

Cvetkovic stiess zu Pfadi, als der Rest des Teams bereits stand. Sein relativ später Abgang beim BSV Bern verhinderte, dass er wieder mit Marco Kurth, einem alten Freund, zusammenspielt, mit dem er stets in Kontakt blieb. Die Saison 2005/06 bestritten beide in Winterthur. Sie endete mit der Abstiegsrunde und dem 8. Rang, der schlechtesten Klassierung seit dem Abstieg anno 1983, und war geprägt von Verletzungen, zum Teil enttäuschenden Transfers und Nothelfern aus dem Ausland. «Eine wirklich komische Saison», sagt Cvektovic. «Relativ unterhaltsam und lehrreich», erinnert sich dagegen Kurth.

Die Wege der beiden Linkshänder trennten sich. Kurth zog sein spanisches Jahr in Algeciras ein. Als er wieder zu Pfadi stiess, ging Cvetkovic zum BSV Bern. Auf die aktuelle Saison hin entschied sich Kurth, der Solothurner, zur Rückkehr in die Heimat. Beim BSV Bern wäre der Rückraumspieler wieder Teamkollege von Cvetkovic geworden, bis sich dieser für Pfadi entschied. «Ich hätte sehr gerne mit ihm gespielt», sagt Kurth, «aber ich verstehe seine Si­tua­tion vollauf.»

Kurths Wochen ohne Ball

Heute Abend in der Eulachhalle treffen sie sich auf der Tribüne. Marco Kurth schmerzt seit Längerem der Meniskus im linken Knie, er fehlt seit sechs Wochen. Anfang nächster Woche folgt die fällige Arthroskopie. «Zwei bis vier Wochen später bin ich wieder in der Halle», hofft der 150-fache Nationalspieler. Die «Zeit ohne Ball» sei für einen wie ihn «mit ausgeprägtem Spieltrieb» schwierig. «Mein Umfeld meint, ich sei unausgeglichen, um nicht zu sagen unleidig …», lächelt er.

Die acht Jahre in Winterthur «werde ich in allerbester Erinnerung behalten». Für ihn sei der Wechsel dennoch der «persönlich richtige Entscheid» gewesen. Kurth arbeitet in der Firma des Vaters, sieht Familie und alte Freude wieder häufiger, hat beim BSV Bern eine «neue Herausforderung» erhalten und «wieder sehr viel Spass im Training».

Der BSV muss wie Pfadi eine neue Mannschaft formen. Der Saisonstart mit den Niederlagen in Stäfa und zu Hause gegen Wacker Thun verlief – im Gegensatz zum NLA-Leader aus Winterthur – nicht nach Wunsch. «Es dauert eine Weile, bis wir gefestigt sind», meint Kurth. Und als «Trost» für die entgangene Reunion mit Cvetkovic hat er mit dem im Juni verpflichteten Serben Uros Mitrovic inzwischen «einen der besten Spielmacher, mit denen ich je zusammen gespielt habe», an seine Seite erhalten.

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