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Winterthurer Zahlenakrobat will WM-Titel holen

Zahlen sind Pascal Kauls Welt. Das Rechnen beherrscht er so gut, dass er sich dieses Wochenende an der Weltmeisterschaft der Kopfrechner in Dresden misst.

Er ist stadtbekannt als ehrgeiziger Sportler und hat «einen unglaublichen Kampfgeist», wie ihn ein ehemaliger Kontrahent beschreibt: Pascal Kaul, mehrfacher Schweizermeister im Badminton in den 80er-Jahren. Auch heute, mit 52 Jahren, hat ihn das Wettkampf-Fieber noch nicht los gelassen. Allerdings hat er die Badminton-Turniere, die er nach wie vor bestreitet, um eine Disziplin erweitert: Das Kopfrechnen. «Ich werde mich dieses Wochenende mit den weltbesten Kopfrechnern an der Meisterschaft in Dresden messen», sagt Kaul. Insgesamt 40 Teilnehmer sind an der Kopfrechnen-WM zugelassen. Dieses Jahr kommen sie aus 30 verschiedenen Nationen.

Einziger Schweizer Teilnehmer

Sie messen sich in sechs Disziplinen, pro Disziplin müssen zwei Mal zehn Rechenaufgaben gelöst werden – und das innerhalb von jeweils 10 Minuten. Wer schneller fertig ist, erhält Zusatzpunkte, für falsche Ergebnisse werden Punkte abgezogen. Wer die meisten Punkte erzielt, gewinnt. Vorgängig musste Kaul, der sich als einziger Schweizer für den Wettbewerb qualifiziert hat, Testaufgaben innerhalb einer bestimmten Zeit lösen und die beglaubigten Ergebnisse an die Wettbewerbsjury einschicken. Was diese Mathematik-Genies innerhalb kürzester Zeit im Kopf ausrechnen, lässt manch anderen ratlos zurück: Die Wurzel einer sechsstelligen Zahl ziehen, drei dreistellige Zahlen miteinander multiplizieren oder den Wochentag eines beliebigen Datums zwischen dem Jahr 1600 und 2001 nennen. Taschenrechner sind an diesem Wettkampf, bei dem es mehr um Ruhm und Ehre denn um grosse Preisgelder geht, natürlich tabu. Aber auch Notizen machen oder Zwischenergebnisse notieren sind nicht erlaubt. «Es gibt Leute, die mit den Fingern den Zahlen entlangfahren, um den Überblick zu behalten», sagt Kaul. Zur Bewältigung der Aufgaben habe jeder seine eigene Technik. «Als ich vor eineinhalb Jahren mit dem Training begonnen habe, musste ich erst herausfinden, wie man grosse Zahlen miteinander multipliziert.» Eine Anleitung, wie man das macht, sei nirgends ausfindig zu machen. Wichtig sei, rasch den richtigen Lösungsweg zu finden.

Platz unter den ersten zehn als Ziel

Kaul macht sich auf eine starke Konkurrenz gefasst. «Seit der ersten WM im Jahr 2004 sind die Teilnehmer in den letzten Jahren immer besser geworden.» Gerade beim Wurzelziehen sei ein grosser Erfahrungsschatz von enormen Vorteil. «Bei der Schnelligkeit haben die Inder und Japaner die Nase vorn, bei komplexen Aufgaben sind die Deutschen praktisch nicht zu schlagen», sagt Kaul. Vor zwei Jahren holte denn auch ein Deutscher den Titel. Kaul hatte schon immer ein Faible für Zahlen. «Wenn mir beim Badminton-Training langweilig war, habe ich die Anzahl der Übungswiederholungen im Quadrat rückwärts gezählt», sagt er. Doch die Teilnahme am «Königsanlass» der Kopfrechner sei etwas anderes. «Ich trainiere täglich eine bis zwei Stunden, oft auf dem Arbeitsweg im Zug», sagt der Rechnungsspezialist einer Rückversicherung. Zu Beginn brauchte er für die zehn Aufgaben eine Viertelstunde, heute hat er sie in sieben Minuten gelöst. Für die WM setzt er vor allem auf das Wurzelziehen. «Das ist meine stärkste Disziplin», sagt er. Insgesamt hofft er auf einen Platz unter den ersten zehn. Dafür müsse aber auch die Form der Gegner stimmen. «Für einen guten Platz braucht es nicht nur Köpfchen, sondern auch Glück.»

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