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Winterthurs scharfer Blick ins Weltall

Im Oktober hat die Sternwarte Eschenberg ein neues 60-cm-Teleskop in Betrieb genommen. Es ist das modernste der Schweiz und liefert auch wichtige Messdaten für internationale Programme.

Die Sternwarte ist auch eine Sonnenterrasse. Vor allem wenn man sie mitten an einem sonnigen Herbsttag besucht und ihr «Cabriodach » zurückgefahren ist. Anlass dazu sind denn auch nicht nur die Sterne am Nachthimmel, sondern auch das neue Instrument, das zu ihrer genaueren Beobachtung dient: Seit Oktober ist die Astronomische Gesellschaft Winterthur (AGW) stolze und glückliche Besitzerin des modernsten Teleskops der Schweiz. Seine Optik besteht aus einem Hauptspiegel mit 60 cm Durchmesser, der das Bild auf einen Sekundärspiegel zurückwirft, von wo es schliesslich zur Kamera geschickt wird. Auf diese ist Sternwarte Leiter Markus Griesser besonders stolz. Nicht etwa, weil sie allein schon 38 000 Franken gekostet hat, sondern weil sie so hochempfindlich ist, dass sie eine Kerze in 10 000 km Entfernung noch locker abbilden könnte: Ihr 27×27mm CCDChip ist denn auch viermal so gross wie derjenige der Vorgängerin. Um die so gewonnenen riesigen Datenmengen zu verarbeiten, benötigte man einen schnellen und portablen Rechner mit hoher Leistung: Dafür ist nun ein Gamecomputer der renommierten Marke Alienware zuständig – was unter Insidern jeweils für neidvolle Bewunderung sorgt. Obwohl der Vorgänger, ein 40cm Teleskop, «erst» vor 14 Jahren installiert worden war, habe sich die Neuanschaffung aufgedrängt, erklärt Griesser, «Verantwortlich dafür ist der Technologiedruck, der durch die internationale Zusammenarbeit entsteht: Miteinem veralteten Gerät konnten wir dazu keine sinnvollen Beiträge mehr leisten.» Er stellt aber auch gleich klar, dass man sich nicht als «Asteroidenjäger» verstehe: «Zwar haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder unbekannte Himmelskörper entdeckt – aber das waren alles Zufallsfunde.» Hauptaufgabe der Sternwarte sei die Astrometrie. Das bedeute, Kleinkörper zu verfolgen, ihre Positionen am Winterthurer Himmel zu bestimmen und die Daten an das Minor Planet Center in den USA weiterzuleiten, wo anhand von Daten aus aller Welt eine provisorische Bahnberechnung vorgenommen werden kann. Das Winterthurer Observatorium qualifizierte sich bereits 1998 mit Referenzmessungen als Partner und erhielt den Stationscode 151 zugeteilt; seither ist es mit über 21 000 hochgenauen Positionsmessungen an gegen 2500 Asteroiden und Kometen international anerkannt. Bereits hat sich auch das neue Instrument bewährt: Seit es Mitte Oktober in Betrieb genommen worden ist, konnten drei bedeutende Bestätigungen gemacht werden – darunter ein «Virtual Impactor», also ein Himmelskörper, bei dem die Chance, dass er die Erde treffen könnte, nicht gleich null ist. Diese «etwas gfürchige» Klassierung verschwinde aber aufgrund genauerer Berechnungen später meistens wieder, beruhigt Griesser. Ein kleines Missgeschick Natürlich war das HightechTeleskop (mit Komponenten aus Italien, Russland und den USA) nicht billig: Auf 160 000 Franken belief sich das Budget dafür. Der Kanton beteiligte sich über den Lotteriefonds mit 80 000 Franken daran, einen namhaften Beitrag leistete die Familie Heuberger mit ihrer Stiftung und Geld floss auch aus den Rücklagen der Astronomischen Gesellschaft Winterthur. Zudem leisteten ihre Mitglieder zahlreiche ehrenamtliche Einsätze, ohne die diese «bedeutende Modernisierung» nie möglich gewesen wäre, wie Griesser betont: «Beschaffung und Installation dieses rund 500 kg schweren Instrumentes waren für uns eine gewaltige Herausforderung.» Dies umso mehr, als bei der Planung ein kleines Malheur geschah: «Bei der Anlieferung stellten wir fest, dass das Gerät nicht durch die Tür der Sternwarte passte», erzählt er schmunzelnd – doch mit einem kurzfristig aufgebotenen und von einer grosszügigen Gönnerin ebenso spontan finanzierten Auslegerkran sei dasTeleskop schliesslich problemlos direkt auf die Terrasse gehievt worden. «Das war wohl auch besser für unsere Rücken!»

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