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«Wir haben absolut nicht mit erneuten Überschwemmungen gerechnet»

Die Unwetter Mitte Juli haben Rickenbach trotz Rückhaltebecken überschwemmt. Gesamthaft hält sich der Schaden in Grenzen, für Einzelne jedoch nicht.

An der Austrasse 13 in Rickenbach sind Heizungsmonteure am Werk. Ihr Laster steht vor der leeren Garage, die gerade frisch gestrichen wurde. Hier, an der tiefstgelegenen Stelle der Strasse wohnt Martin Schürch mit seiner Familie. Sein Haus war von der Überschwemmung Mitte Juli betroffen, die Instandsetzungen dauern an. «Von beiden Seiten ist das Wasser in Bächen zu uns heruntergeflossen», erzählt Martin Schürch. Als er nach Mitternacht den Stromausfall bemerkte und die Treppe hinunterstieg, um nach der Sicherung zu sehen, war der Keller schon überschwemmt. Dabei haben sich die Gewitter im Vergleich zur Heftigkeit anderer Sommergewitter nicht als Extremereignis erwiesen. Das Problem war, dass die Böden von den Regenfällen der vorangehenden Wochen vollgesogen waren.

Rückhaltebecken half nicht

120 Zentimeter tief stand das Wasser bei Schürchs. Die beiden Autos in der Garage erlitten Totalschaden. Waschmaschine, Tumbler und Heizung müssen ersetzt werden. Was im Keller verstaut war, muss weitgehend entsorgt werden, darunter Erinnerungsstücke: Ursula Schürch, Martin Schürchs Mutter, hatte für ihre Enkelkinder Andenken aus ihrer Zeit als Lehrerin aufbewahrt. Auch war da eine alte Schulbank. Sie hofft, dass sie repariert werden kann, zumal das schöne Stück dem Schulmuseum in Amriswil versprochen ist. Ursula Schürch hat schon manch eine Überschwemmung miterlebt, seit sie 1975 hier eingezogen ist. 1994 an Pfingsten etwa, da stand das Wasser 140 Zentimeter hoch. «Wir haben absolut nicht mit erneuten Überschwemmungen gerechnet», sagt sie und verweist auf das Rückhaltebecken, das hätte verhindern sollen, dass es erneut zu Wasserschäden kommt. «Hätte ich geahnt, dass dieser Fall wieder eintreten würde, dann hätte ich das Haus meiner Mutter im Januar vielleicht nicht abgekauft», sagt Martin Schürch. Das Becken hat den Einsatz im Ernstfall nicht überstanden. Sicherheitsvorsteher Christoph Lang hat einen Informationsabend initiiert, der dem Unmut der Bevölkerung sowie Vorschlägen zur Verbesserung der Situation Raum geben soll (siehe angehängter Artikel). «Die Natur ist immer stärker, man kann ihre Risiken nie vollständig bändigen», sagt er, das zeige sich immer wieder: «Im Falle einer Lawine etwa, die nicht dort hinunter geht, wo eine Verbauung angebracht worden ist.»

Glück im Unglück

Die Schäden halten sich in vielen Fällen in Grenzen. So etwa bei der Oldtimergarage Stalder und Moser in Ellikon an der Thur: «Ein Glück, dass wir den betroffenen Aussenplatz gut versichert haben», sagt Urs Stalder. Zwar gab es sechs Totalschäden, aber die besonders raren Modelle sind vom Wasser verschont geblieben. Von Glück im Unglück spricht auch Thomas Habrik, Leiter Finanzen der R+G Metallbau AG in Ellikon. Der Sand, der sich überall festgeklebt habe, sei zwar mühsam zu entfernen gewesen. Dank vielen Helfern aber konnte ein teurer Produktionsausfall verhindert werden. Gesamthaft gesehen liegt die Schadenssumme laut der Gebäudeversicherung Kanton Zürich (GVZ) in Rickenbach und Wiesendangen, den beiden am stärksten betroffenen Gemeinden, bei rund einer Million Franken. «Dies ist für uns kein ausserordentliches Ereignis», sagt Kommunikationsverantwortliche Kirstin Steyer. «Aber für die Betroffenen ist es natürlich immer schlimm.» Bei der Familie Schürch beläuft sich der Schaden auf rund 120'000 Franken. «Es lohnt sich, im Vorfeld Pauschalen festzulegen», so Martin Schürch. Seine Hausratversicherung konnte innert weniger Tage reagieren. Mehr Sorgen macht sich Ursula Schürch um die Gebäudeversicherung, sie habe sich mit der Rückzahlung im letzten Fall elf Monate Zeit gelassen. Die GVZ hat im Kanton Zürich ein Monopol: Alle Gebäude mit Dach und Fundament müssen bei ihr versichert sein. Für das, was bei der Gebäudeversicherung versichert ist, gibt es ein einfaches Bild: Alles, was aus dem Gebäude rausfällt, wenn man es umdreht, ist nicht bei der GVZ versichert. So müssen Schäden am Mobiliar der privaten Hausratversicherung gemeldet werden. Die GVZ empfiehlt, alle Schäden gleich zu dokumentieren und Sofort- und Notmassnahmen zu treffen, um den Schaden möglichst klein zu halten und Folgeschäden zu vermeiden. Veränderungen sollten Betroffene möglichst vermeiden, bis die Versicherungsvertreter vor Ort sind.

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