Zum Hauptinhalt springen

«Wir hatten eben Erbarmen»

Bertschikon und Wiesendangen vereinigen sich auf das neue Jahr hin zur Fusionsgemeinde Wiesendangen. Für viele Grund, ein letztes Mal zu feiern.

«Heute Abend ist ein einmaliger Anlass» eröffnete Kurt Herzog die Feier. «Schliesslich fusioniert eine Gemeinde nur einmal.» 61,3 Prozent der Bertschikerinnen und Bertschiker stimmten im September 2012 der Fusion mit der Gemeinde Wiesendangen zu. Ab dem 1. Januar 2014 gehören die sieben Dörfer Bertschikon, Gundetswil, Gündlikon, Zünikon, Liebensberg, Stegen und Kefikon zur Gemeinde Wiesendangen. Ein historischer Schritt: Es ist die erste Gemeindefusion seit 1934 im Kanton Zürich. Grund genug für die «Noch-Bertschikerinnen und Noch-Bertschiker» noch einmal zusammenzukommen und eine «Gemeindeschlussparty» zu feiern. 260 Personen folgten am Samstagabend der Einladung des Gemeinderats von Bertschikon. In der Mehrzweckhalle Gundetswil wurde ein kleines Fest mit Live-Musik veranstaltet. An einem zehn Meter langen Grill konnte jeder seinen selbst zusammengestellten Spiess grillen. Sieben Gemeinderäte erzählten zwischendurch mal lustige, mal etwas weniger lustige, dafür lange Anekdoten aus ihrer Amtszeit. Gemeinderatspräsidentin Brigitte Boller trug ein extra für den Anlass verfasstes Gedicht vor. Und um Mitternacht wurde zum letzten Mal mit einem Glas Wein und der «Sternlisuppe» auf das Ende der Gemeinde angestossen – manche mit einem weinenden, andere mit einem lachenden Auge: «Natürlich ist es schade, aber man muss es zukunftsorientiert sehen», sagt Martin Schmid aus Oberbertschikon. «Ein Nachteil der Fusion ist, dass die kleinen Dörfer in der Gemeinde neben dem grossen Wiesendangen etwas in den Hintergrund treten.» «Es soll bleiben, wie es ist» Gemeinderat Kurt Herzog sieht die Anliegen der Bertschikerinnen und Bertschiker aber nicht in Gefahr: «Wenn es um etwas geht, dann wehren wir uns. Die Leute in Bertschikon sind politisch sehr aktiv.» Es sei aber schon so, dass Bertschikon als Landgemeinde nun von einer vorstädtischen Gesellschaft etwas dominiert werde. Die Leute in Wiesendangen würden anders denken. Aber grundsätzlich sei die Fusion sei eine gute Sache, da den Dörfern nichts weggenommen wird, sondern viel Neues dazukommt. «Kleine Gemeinden haben oft Probleme mit der Infrastruktur, zum Beispiel was das Gesundheitswesen betrifft. In einer grossen Gemeinde ist die Kanzlei-Verwaltung um einiges einfacher», sagt Herzog. «Zudem wissen wir bereits wie es in der Gemeinde Wiesendangen läuft. Es gab schon vorher viele Berührungspunkte.» Es ist nicht unbedingt Wehmut oder Freude, welche die Bertschikerinnen und Bertschikern verspüren, wenn sie an das Ende ihrer Gemeinde denken, sondern vielmehr eine Ungewissheit. «Wir sind gespannt, ob es weiterhin so bleibt, wie bisher», sagt Ursula Bürgi aus Liebensberg. Auch Anita Hoffmann aus Zünikon schliesst sich diesem Votum an: «Ich bin zufrieden wenn es so weitergeht», sagt sie. Und ihr Mann Rudolf fügt an: «Manschickt sich dann scho da rein.» Walter Hübscher, ehemaliger Gemeinderat, sieht das ganze optimistisch: «Das kommt auch wieder gut.» Und mit einem Schmunzeln merkt er an: «Ein Vorteil hat es: Wir sind nun von der Verwaltung etwas weiter weg». Überhaupt sehen die Bertschiker die Veränderung mit viel Humor: «Wir hatten eben Erbarmen mit Wiesendangen», meinte Eddy Hodel aus Gundetswil. Deshalb hätten sie die Gemeinde in ihre aufgenommen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch