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«Wir möchten das Publikum berühren»

Zwei Tenöre, eine Zaubergeige und ein Flügel stimmen die Region auf Weihnachten ein. Es sind die Original Swiss Tenors mit Enrico Orlandi aus Winterthur.

Herr Orlandi, Sie tragen einen italienischen Namen. Liegt ­Ihnen das Singen im Blut, singen Sie vielleicht sogar unter der Dusche?

Enrico Orlandi: Ja, ich bin italienischer Abstammung väterlicherseits und in einer musikalischen Familie in Genf aufgewachsen. Mit sieben Jahren begann meine musikalische Ausbildung. Ich studierte Gesang am Konservatorium in Genf und liess mich in New York und San Francisco zum Musicaldarsteller ausbilden. Zufällig, wegen einer guten Wohnsi­tua­tion, hat es mich nach Winterthur verschlagen. Wenn ich überhaupt einmal daheim bin, ist es bei mir eher ruhig, als Kontrast zu den rund 120 Auftritten, die ich pro Jahr absolviere. Deshalb singe ich auch nicht unter der Dusche.

Ausser den Original Swiss ­Tenors haben Sie noch andere Projekte. Wofür schlägt Ihr Herz am meisten?

Ich mache alles mit Leidenschaft, als Künstler muss man das tun. Aber es stimmt, dass ich mich im Repertoire der 1950er-Jahre besonders wohlfühle. Ich habe ein Big-Band-Programm mit Bela Balint, dazu meine kleinere Formation mit «Swing Is King» und «Mr. Las Vegas».

Hätten Sie denn gern in den 1950er-Jahren gelebt?

Auf jeden Fall hätte ich gern damals gelebt, und zwar ganz authentisch in L. A. In der Schweiz ist das nur eine kleine Szene, der Swing hat hier keine Identität entwickeln können wie in Deutschland, wo ihn die Alliierten eta­bliert haben. Mir gefällt der Zeitgeist, die Aufbruchstimmung nach dem 2. Weltkrieg. Alles war zukunftsgerichtet, weniger depressiv und destruktiv. Das zeichnet sich in Text und Komposition aus. Solche Stücke entstehen heute gar nicht mehr.

Es gibt gerade ein Swing-Revival, bei dem sich manche Fans in Kleidung und Möbeln betont anachronistisch inszenieren. Haben Sie sich auch im Stil dieser Zeit eingerichtet?

Also, bei mir zu Hause steht ein Grammofon von 1912, dazu einige Schwarzweissbilder von Stars aus den 50er-Jahren. Ich habe eine grosse musikalische Sammlung mit Raritäten. Entsprechende Kleidung trage ich nur auf der Bühne. Aber ich habe auch Stepptanz gelernt, was ich im Programm einsetze.

Was ist das Besondere an Ihren Weihnachtskonzerten?

Wir verzichten auf viel Licht, Rauch und Effekte, uns ist wichtig, dass wir akustisch auf höchstem Niveau schaffen. Da stehen wir an der Spitze. Ohne Hilfsmittel, das ist heutzutage eine Kunst. Was wir machen, hat jedoch immer den Touch von Unterhaltung, aber wir möchten das Publikum berühren, sonst macht das Ganze keinen Sinn. Die Leichtigkeit ist uns wichtig. Zum Schluss gibt es auch etwas Bekanntes zum Mitsingen, «O du Fröhliche» vielleicht. Unser Weihnachtsprogramm ist natürlich besinnlicher als das Muttertagskonzert, aber es ist nicht konservativ.

Das hat sicher auch mit der Zusammensetzung der Gruppe zu tun. War­um sind Sie eigentlich nicht drei Tenöre?

Anfänglich waren wir zu dritt, jetzt legen wir Wert auf die Bezeichnung Original Swiss Tenors. Das Klischee war lange bei den Leuten, es müssten drei sein. nicht nur wegen Pavarotti, Carreras und Domingo: Drei Töne ergeben einen Akkord, eine Harmonie. Wir haben jetzt eine ausdrucksstarke Kombination von vier Musikern gefunden, die sich in Aussehen, Farbe und Klang ideal ergänzen. Andri Calonder, der andere Tenor, ist von Anfang an dabei. Gordon Schultz begleitet uns am Flügel. Und seit 2008 ist Valentin Akça? mit seiner Zaubergeige zu uns gestossen.

Haben Sie selbst noch Zeit, in Konzerte zu gehen?

Wenn, dann gehen wir zusammen mit der ganzen Gruppe. Im Februar zum Beispiel kommt Ennio Morricone mit einem grossen Orchester ins Hallenstadion. Das schauen wir uns an. Gabriele Spiller

Swiss Tenors – The Original Samstag, 13. Dezember, 19 Uhr, Weihnachtskonzert gemeinsam mit der Musikgesellschaft Aadorf und der Jugendband Dynamics. Eintritt frei. Samstag, 20. Dezember, 17 Uhr. Weihnachtskonzert in der Kirche Brütten. Kollekte.

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