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«Wir nehmen Kritik ernst»

Die Unruhe an der Sek komme von der Systemumstellung, sagt Schul-präsident Ueli Christen. Er kontert fast alle Vorwürfe.

Vor einem Jahr haben 9 von 18 Lehrpersonen die Sek verlassen. Wie erklären Sie sich diese Kündigungswelle? Ueli Christen: Sie hatte mit der Kündigung des damaligen Schulleiters und Neuerungen zu tun, die Unruhe im Team auslösten. Zudem haben nicht nur Hauptlehrer gekündigt, sondern auch Fachlehrer, und es waren auch Pensionierungen darunter. Wenn die Hälfte der Lehrpersonen geht, kann man nicht mehr von natür­licher Fluktuation sprechen. Wie gesagt: Es gab Unruhe an der Oberstufe, weil Systemwechsel anstanden, die wir jetzt am Umsetzen sind, etwa die Umstellung auf gemischte Niveauklassen, also A/B- und B/C-Klassen. Einige Lehrpersonen fühlten sich aus diesem Grund nicht mehr wohl an der Schule Wiesendangen. Erneut sind Kündigungen eingegangen: Nach nur einem Jahr geht der Schul­leiter der Sek, zudem zwei langjährige Sek-B-Lehrer. Ihre Erklärung? Dem Schulleiter wurde überraschend die Gesamtleitung einer Schule in Graubünden angeboten. Diese Herausforderung wollte er unbedingt annehmen, zumal auch seine Partnerin in Graubünden wohnt. Die zwei weiteren Lehrpersonen können sich nicht mit dem neuen Schulsystem identifizieren. Welches ist Ihre Strategie, um gute Lehr­personen zu halten? Unser Ziel ist es, die Schule möglichst gut führen zu können. Dazu müssen wir ausgeglichene Klassen bilden. In Wiesendangen machen die A-Schüler zwei Drittel aus. Das ergab sehr grosse A- und nur halb so grosse B-Klassen. Der Kanton legt uns aber ein enges Korsett an, wir erhalten nur eine begrenzte Anzahl Lehrerstellen. Deshalb müssen wir die Niveaus mischen. Das sind Neuerungen, die andere Schulen auch durchmachen. Wenn das Verhältnis zwischen Schulpflege, -leitung und Lehrpersonal stimmen würde, wären die Änderungen verkraftbar. Was stimmt in Wiesendangen nicht? Ich möchte in der Öffentlichkeit nicht über Interna diskutieren. Geht die Schulpflege zu wenig auf die Bedürfnisse, die Meinungen und Wünsche der Lehrpersonen ein? Die Schulpflege unterstützt die Bedürfnisse der Lehrerschaft stark und sagt selten Nein zu einem Antrag. Aber wir sind angehalten, Beschlüsse auch durchzusetzen. Dass das nicht immer allen passt, ist klar. Dass der aktuelle Oberstufenschulleiter Wiesendangen verlässt, haben einige Eltern in der Zeitung «Südostschweiz» gelesen. Sie haben Schulneuigkeiten nicht zum ersten Mal aus den Medien erfahren. Ist das klug? Der «Südostschweiz»-Bericht hat uns überrascht. Die Bündner haben ohne Absprache mit dem Schulleiter kommuniziert. Gleichentags haben wir Lehrpersonen und Eltern informiert und eine Mitteilung an die Medien verschickt. Darin haben wir auf den Fauxpas hingewiesen. Auch dass Wiesendanger Kinder nach Gundetswil in die Schule müssen, haben Sie über die Medien mitgeteilt. Das sind doch heikle Themen. Uns wurde auch schon vorgeworfen, wir hätten vorsorglich zu viele Eltern informiert statt nur die betroffenen. Dieses Mal wollten wir generell informieren, dass gewisse Schüler nach Gundetswil müssen. Welche, steht noch nicht fest. Weiter ist einigen Eltern sauer aufgestossen, dass Sie nach einer Umfrage die Sportferien verschoben haben. Der grössere Teil der Elternschaft hat dazu Ja gesagt. War keine Abstimmung nötig? Nein. Diese Verschiebung liegt in der alleinigen Kompetenz der Schulpflege. Wir hätten nicht mal fragen müssen. Ihnen wird auch vorgeworfen, Sie würden Eltern einen Maulkorb verpassen, wenn diese kritische Fragen stellten. Wir können und wollen doch den Eltern nicht das Reden verbieten. Sind Sie und Ihr Gremium kritikfähig? Ja, wir nehmen Kritik ernst, diskutieren sie intern und bringen – wo nötig – Korrekturen an. Die Schulverwalterin habe ein zu grosses Gewicht in der Schule Wiesendangen, heisst es. Was sagen Sie dazu? Die Verwalterin unterstützt die Schulpflege. Sie führt aus, was wir beschliessen, und ist ausserdem unser juristisches Gewissen. Hat Sie ein Stimmrecht? Nein, aber eine beratende Stimme. Das Image der Schule hat in den letzten Jahren gelitten. Sehen Sie das auch so? Nein, die Schule hat immer noch einen guten Namen in Wiesendangen. Aber ein Image lässt sich ja nicht so genau messen. Sehen Sie Handlungsbedarf? Wir müssen unsere Projekte sauber durchsetzen. Unsere Absicht ist, weiter­hin offen und transparent zu kommunizieren und den Dialog zu suchen. Wenn das die Leute auch wollen, stehen unsere Türen immer offen. Treten Sie zu den Gesamterneuerungswahlen im Frühling 2014 nochmals an? Nein, dann habe ich eine Amtszeit von zwölf Jahren hinter mir. Das reicht. Wie sieht es bei Ihren Kolleginnen und Kollegen aus? Das wissen wir erst im Herbst. Es wird aber sicher Rücktritte geben.

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