Winterthur

«Wir sind ein gutes Trio für Winterthur»

Drei Winterthurer im Regierungsrat - das gab es seit 1914 nicht mehr. Doch wie gut kennen sich Fehr, Rickli und Neukom eigentlich?

Pendeln sie bald im gleichen Zug nach Zürich? Die Winterthurer Regierungsrätinnen Jacqueline Fehr (SP, bisher) und Natalie Rickli (SVP, neu) und Regierungsrat Martin Neukom (Grüne, neu) an der Wahlfeier am Mittwochabend im Stadttheater.

Pendeln sie bald im gleichen Zug nach Zürich? Die Winterthurer Regierungsrätinnen Jacqueline Fehr (SP, bisher) und Natalie Rickli (SVP, neu) und Regierungsrat Martin Neukom (Grüne, neu) an der Wahlfeier am Mittwochabend im Stadttheater. Bild: Madeleine Schoder

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Eine «aussergewöhnliche, nicht erwartete Wahlfeier» eröffnete der Winterthurer Stadtpräsident Michael Künzle am Mittwochabend im Stadthaus vor geladenen Gästen aus der Lokal- und Kantonspolitik. Bei den Planungen vor der Wahl hatte man sich auf eine, maximal zwei Regierungsrätinnen vorbereitet.

«Man sieht, Winterthur ist die Kaderschmiede des Kantons»

Drei Vertreter aus Winterthur – das gab es zuletzt im Jahr 1914. «Man sieht, Winterthur ist die Kaderschmiede des Kantons», flachste ein stolzer Stadtpräsident und redete den drei Gewählten auch kurz ins Gewissen: «Sie sind der ganzen Bevölkerung verpflichtet, aber wenn es einmal ein Winterthurer Thema gibt, dann hoffen wir, Sie stecken die Köpfe zusammen. Denken Sie an Ihre Wurzeln!»

Statdpräsident Michael Künzle freut sich über drei Winterthurer Regierungsratsmitglieder und hofft auf einen positiven Effekt für die Stadt.

Ob Jacqueline Fehr (SP), Natalie Rickli (SVP) und Martin Neukom (Grüne) künftig zusammen im Zug nach Zürich pendeln werden, wollten die Journalisten im Anschluss wissen. «Ich würde mich jedenfalls freuen», antwortete Martin Neukom.

Dass der 32-jährige Grüne den Sprung in den Regierungsrat schaffte, war für alle eine Überraschung, auch für ihn, wie er in seiner Rede zugab. «Ich dachte zuerst, die Statistiker haben sich verrechnet.»

«Heute war mir wohler»

Der Empfang im Stadthaus ist ein Ritual, das Jacqueline Fehr bereits kennt. «Vor vier Jahren war ich die Einzige auf dieser Bühne. Heute fühlte ich mich deutlich wohler», sagte sie.

Eine ihrer neuen Regierungsratskolleginnen ist für sie ein vertrautes Gesicht: Mit Natalie Rickli (SVP) pendelte sie lange Jahre nach Bern, als beide im Nationalrat sassen. Obwohl Fehr und Rickli sehr gegensätzlich politisieren, verstünden sie sich persönlich gut, sagt Fehr.

Das bestätigt Rickli. «Martin Neukom kannte ich dagegen vor dem Wahlkampf noch nicht. Aber durch die ganzen Podien verbringt man viel Zeit zusammen, und ich habe, was das Zwischenmenschliche betrifft, ein sehr gutes Gefühl.» Neukom teilt diese Zuversicht: «Ich komme mit beiden sehr gut aus und denke, wir sind ein gutes Trio für Winterthur.»

«Schon jetzt prägend»

Ihre neuen Kollegen hätten dem Rat schon vor Amtsantritt ihren Stempel aufgedrückt, findet Fehr. «Ihr macht den Rat jünger und weiblicher.» Dass der Regierungsrat neu eine Frauenmehrheit hat, sei Rickli zwar bekanntlich nicht so wichtig wie ihr selbst.

«Ich danke dir trotzdem für dieses Geschenk», sagte Fehr zu Rickli. Dass sich der Fokus etwas in den Osten des Kantons verschiebe, der in den Stadtzürcher Köpfen sonst nicht immer sehr präsent sei, sei eine gute Sache, fand Fehr und kam in ihrer Rede – die durchaus politisch gehalten war – auch auf den Soziallastenausgleich und die Klimademonstrationen zu sprechen, die in Winterthur am Wochenende Tausende auf die Strasse gelockt hatten.

Doch noch Doktor Neukom?

Neukom und Rickli beliessen es bei gut gelaunten Dankesworten an Familie und Partei. Beide bringen für ihr neues Amt jeweils auch kleine Opfer. Rickli ist derzeit dabei, ihre Beratungsfirma aufzulösen. Neukom hat das Ziel des Doktortitels noch nicht aufgegeben: «Die Arbeit ist fast fertig, und ich versuche, sie vor Amtsantritt noch abzuschliessen. Jetzt oder nie!»

Der Apéro war ein Who’s who der Winterthurer Politik, wobei sich auch die Regierungsräte Carmen Walker Späh (FDP) und der Noch-Regierungsratspräsident Thomas Heiniger (FDP) die Ehre gaben, dazu diverse Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten.

Ob bei Häppchen und Wein mehr über die Departementsverteilung oder die Winterthurer Stadtrats-Ersatzwahl geredet wurde, liess sich nicht abschliessend feststellen.

Erstellt: 10.04.2019, 23:02 Uhr

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