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«Wir sind kein Ausbildungsteam»

seoul. Das Sauber-F1-Team verliert Sergio Pérez an McLaren, will sich aber längerfristig gegen oben orientieren und sieht keine Gefahr, zum Sprungbrett für talentierte Piloten zu werden. CEO Monisha Kaltenborn sieht die Vorwärtsstrategie in Suzuka bestätigt.

Der Abgang von Sergio Pérez ist zu bedauern, doch Reisende soll man nicht aufhalten und nicht alle bei Sauber werden ihm nachtrauern. «Sergio war nicht immer einfach», findet Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn, die seit Mai einen Drittel der Anteile der Sauber-Gruppe hält und als einzige Frau in einer solchen Funktion in der Formel 1 höchsten Respekt geniesst. «Er hat in seiner zweiten Saison aber gute Arbeit geleistet und uns mit Podestplätzen in Sepang, Mogyorod und Monza verwöhnt. Diese Vorstellungen haben auch andernorts imponiert und ihm die Möglichkeit gegeben, schon sehr jung zu einem Topteam zu wechseln. Dass er diese Chance nutzen will, ist auch für uns verständlich.»

Die 41-jährige Österreicherin mit indischen Wurzeln, Jura-Abschluss und grossem Sachverstand sieht im Transfer von Pérez keine Parallelen zu früheren Abgängen bei Sauber, weil die Voraussetzungen bei jedem Wechsel anders waren. «Wir sind heute alles andere als ein Ausbildungsteam für die Grossen», stellt sie klar. «Wir bemühen uns, im Rahmen unserer finanziellen Mittel die bestmöglichen Fahrer zu verpflichten. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist es, ihnen ein konkurrenzfähiges Auto hinstellen zu können. Dafür sind die Podestplätze von Kamui Kobayashi in Suzuka und jene von Pérez in Sepang, Montreal und Monza der beste Beweis. Dass wir auf dem richtigen Weg sind, zeigt das grosse Interesse für einen Platz bei uns.»

Nicht vergleichbar

Einschränkungen gibt es trotzdem. «Einen Erfolgsgaranten wie Fernando Alonso werden wir uns auch in Zukunft nicht leisten können», weiss Kaltenborn. «Von den Superstars abgesehen, ist aber fast alles möglich. Dabei gilt es immer auch, das Potenzial junger Talente richtig einzuschätzen. Wir verfolgen deshalb auch die Rennen unterer Serien mit grösster Aufmerksamkeit.»

Dass der «Fall Pérez» ähnlich gelagert ist wie einst jener von Kimi Räikkönen, der nach nur einem Jahr ebenfalls von McLaren geholt wurde, aber mit einer damals sehr wichtigen Mitgift, verneint sie kategorisch. «Diese Zeiten sind nicht vergleichbar. Bei der Verpflichtung Kimis 2001 war Sauber ein Privatteam mit kleinem Budget, das gegen Werkteams mit praktisch unbeschränkten Mitteln antreten musste. Heute präsentiert sich die Si­tua­tion ganz anders. Mit Ausnahme von Ferrari und Mercedes haben die grossen Hersteller ihre Werkteams aus der Formel 1 zurückgezogen, können sonst nur noch Red Bull Racing und McLaren aus dem Vollem schöpfen. Da der internationale Automobilverband und alle Rennställe ausser Red Bull die Kosten auf ein überschaubares, vernünftiges Niveau reduzieren wollen, werden die Teams weiter zusammenrücken.»

Fünf spätere GP-Sieger

So wird es noch wichtiger, bei der Fahrerverpflichtung eine optimale Wahl zu treffen und richtig abzuwägen zwischen bestandenen Piloten und talentierten Jungen. «Wenn der dann als potenzieller Weltmeister abgeworben wird, ist das auch als Bestätigung für unsere Einschätzung zu betrachten. Peter Sauber hat ja in dieser Beziehung mit seinen Vertrauten schon mehr als einmal ins Schwarze getroffen», sagt Kaltenborn.

Fünf der 22 bisherigen Formel-1-Fahrer von Sauber sind später zu Grand-Prix-Siegern gereift: Sebastian Vettel, der jedoch einzig sein Premierenrennen im BMW-Sauber bestritten hat, völlig unerwartet bei Toro Rosso und später bei Red Bull; Robert Kubica als Eigengewächs ebenfalls in der BMW-Ära; Felipe Massa bei Ferrari; Kimi Räikkönen bei McLaren und Ferrari; und Heinz-Harald Frentzen bei Williams und Jordan.

Dasselbe Ziel verfolgen nun Kamui Kobayashi und Sergio Pérez. Im Gegensatz dazu haben Jacques Villeneuve, Giancarlo Fisichella, Jean Alesi und Johnny Herbert als frühere Sieger Unterschlupf in Hinwil gefunden. Sie konnten ihre Karrieren aber nicht mehr entscheidend beeinflussen. Gleiches gilt für die ohne Sieg gebliebenen Routiniers Nick Heidfeld, Pedro de la Rosa, Mika Salo, Andrea de Cesaris und das Startduo Karl Wendlinger und JJ Lehto. Gar als Reinfälle in die Sauber-Geschichte eingegangen sind Pedro Diniz, Nicola Larini, Gianni Morbidelli, Jean-Chris­tophe Boullion und Norberto Fontana.

Gute Perspektiven

Eine Verlängerung dieser peinlichen Liste zu vermeiden, ist nach dem Abgang von Pérez die primäre Aufgabe Saubers. Die Perspektiven dafür sind gut. Noch besteht aber kein Grund zu besonderer Eile. Suzuka-Überflieger Kobayashi hat schon jetzt am drittmeisten Punkte für das Team geholt hinter Heidfeld und Kubica und wäre ein sicherer Wert. Der ebenfalls hoch gehandelte Nico Hülkenberg ist bei Williams und Force India positiv aufgefallen. Einiges zuzutrauen ist aber auch Esteban Gutiérrez, dem pflegeleichteren Mexikaner, der auf der Piste die notwendige Aggressivität nicht vermissen lässt, das bisher aber erst als Gesamtsieger der GP3-Series und als Dritter der diesjährigen GP2-Meisterschaft beweisen konnte. Der 21-Jährige aus Monterrey wird im Young-Driver-Test im Anschluss an den GP von Abu Dhabi erstmals im Sauber C31 sitzen. Der zweite Platz ist noch nicht vergeben.

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