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«Wir sind stärker als diese Mannschaft»

Ein Heimsieg gegen Litauen ist heute die Pflicht der Fussball-Nati. Eine Pflicht, die schon mit einer soliden Leistung zu erledigen sein muss. Andernfalls wäre sie nach einem halben Jahr unter Vladimir Petkovic ­eindeutig im Minus.Das Länderspiel

Die Ausgangslage für Vladimir Petkovic in seiner ersten Ausscheidung mit der Schweiz ist ziemlich präzis jene seines Vorgängers Ottmar Hitzfeld in dessen erster Kam­pa­gne vor sechs Jahren. Nach einem Fehlstart muss Petkovic in der St. Galler Arena gegen Balten siegen, um in die richtige Spur zu kommen. Hitzfeld, der Resultat- und Titeltrainer par excellence, schaffte es nach einem 2:2 in Israel und dem peinlichen 1:2 gegen Luxemburg in seinen ersten zwei Pflichtspielen: Er besiegte Lettland nach zähem Kampf 2:1 und flog am Ende als Gruppensieger nach Südafrika. Petkovic hat nun – neben dem eher belanglosen 4:0 in San Marino – ein 0:2 gegen England und ein 0:1 in Slowenien hinter sich. Das ist zwar weniger dramatisch als ehedem der Start Hitzfelds, weil der Modus heutzutage mehr erlaubt. Aber ein Sieg gegen Litauen ist nun Bedingung, Ruhe zu schaffen und daran zu gehen, sich zumindest als Nummer 2 in dieser Gruppe zu profilieren. Die Leistungen, vor allem jene in Slowenien, waren bisher besser als die Resultate. Also gibt es noch wenig Grund zur Beunruhigung. Dass die Schweiz grundsätzlich gut genug ist für Platz 2, dünkt einem klar. Aber ein weiterer Misserfolg liesse die Zweifel wachsen, beispielsweise auch daran, ob sich Petkovic in seiner neuen Rolle rechtzeitig als Mann fürs Wesentliche präsentiert, also als einer, der wichtige Punkte ­gewinnt. An Titeln hat er bisher einen gesammelt, den italienischen Cup 2013 mit Lazio. Petkovic (noch) gelassen Petkovic wirkt nach einer weiteren (Trainings-)Woche mit der Nationalmannschaft ruhig, ja gelassen. Es sieht auch nicht so aus, als sei gespielt, was er zu seiner Lage sagt: «Druck gehört immer zum Fussball. Aber persönlich spüre ich keinen. Man muss auch immer positiv sein.» Schliesslich sieht er seine Mannschaft durchaus auf gutem Weg. «Ich habe», sagt er also, «keine Zweifel, dass die Mannschaft wieder alles gibt. Sie muss aber auch Lust am Spielen zeigen, konkret spielen und natürlich die drei Punkte holen.» Er habe jedenfalls «in dieser Woche grossen Willen und Kon­zen­tra­tion gesehen». Im guten Fall spielt seine Mannschaft heute «wie in der ersten Halbzeit in Slowenien» – mit dem einen oder andern Tor dazu. Man kann die Eindrücke so zusammenfassen: Es herrscht die Stimmung, mit einer guten Leistung werde, ja müsse es zum Sieg reichen. Und am Willen, gut zu spielen, fehle es ohnehin nicht. Hinzu kommt, was vom Gegner zu halten ist, der doch mit sechs Punkten – also dreien mehr als die Schweiz – nach St. Gallen kam. Petkovics wichtigste Schlussfolgerung nach dem Litauen-Studium: «Wir sind stärker als diese Mannschaft. Aber wir müssen das auch auf dem Platz zeigen.» Zum Vorgehen Petkovics, der seine Mannschaft vorzugs-, aber auch überflüssigerweise von der Öffentlichkeit abgeschieden üben liess, gehört auch, dass er sich sehr zurückhaltend über seine personellen Vorstellungen äussert. Also sagt er zwar, er habe «einen klaren Kopf und eine klare Idee». Aber auch, er werde den Spielern die Aufstellung erst heute sagen. Er lässt – als umstrittenstes Traktandum unter den Personalien – offen, wen er im Abwehrzentrum beginnen lässt. Ob also Steve von Bergen oder Fabian Schär neben Johan Djourou spielt. Ja Petkovic stellt gar die rhetorische Gegenfrage, war­um man denn sicher sei, Djourou spiele … Immerhin, es scheint eher nach Schär als nach von Bergen in der Startelf auszusehen. Im Mittelfeld bildeten Blerim Dzemaili, Granit Xhaka und Pajtim Kasami das Trio in San Marino. Jetzt sind Valon Behrami und Gökhan Inler (für sein 80. Länderspiel) wieder bereit, Xhaka ist verletzt, also behält Kasami als Einziger seinen Posten. In der vorderen Dreierreihe ist neben Xherdan Shaqiri zurzeit auch Haris Seferovic unbestritten, und auf der linken Flanke dürfte sich mit seiner jüngsten Formsteigerung in Freiburg Admir Mehmedi das Recht zur Rückkehr in die Startelf erkämpft haben. Der Neuling auf links Bleibt der elfte Mann, jener, der den international hochkarätigen Linksverteidiger Ricardo Rodriguez zu ersetzen hat. Es wird François Moubandje sein (24), den zumal in der Deutschschweiz nur sehr wenige auf dem Radar hatten, ehe ihn Petkovic für die Reise nach Slowenien ein erstes Mal aufbot. Moubandje ist in Douala in Kamerun geboren, kam mit acht Jahren in die Schweiz und wuchs in Genf auf – sportlich vor allem bei Servette. Mit 20 erhielt er vom Verein einen ersten Profivertrag. Er stieg mit ihm gleich in die Super League auf, machte dort vor allem eine sehr gute erste Saison und wechselte 2013 zum FC Toulouse in die Ligue 1. Nach einem Jahr, in dem er meist verletzt war, schaffte er nun den Sprung in den Stamm. Seit der dritten Runde ist er der Mann für die linke Flanke. Moubandje habe, sagt Petkovic, nur schon «in den zwei Zusammenzügen mit uns gezeigt, dass er sich defensiv und offensiv verbessert hat». Einen Rodriguez wird er nicht geben können. Aber eine solide Leistung von ihm, von der ganzen Mannschaft müsste reichen, diese Litauer zu besiegen. Und nach dem ersten Herbst, nach vier von zehn Runden, halbwegs so zu stehen, wie eine Mannschaft stehen muss, die ohne grössere Umschweife an eine Europameisterschaft will. Die aber auch Diskussionen um ihren neuen Trainer verhindern will. Hansjörg Schifferli Die Teams Schweiz (4-3-3): 1 Yann Sommer (Borussia Mönchengladbach/26 Jahre/9 Länderspiele); 2 Stephan Lichtsteiner (Juventus Turin/30/70), 22 Fabian Schär (FC Basel/23/9), 20 Johan Djourou (Hamburger SV/27/51), 3 François Moubandje (Toulouse FC/24/0); 11 Valon Behrami (Hamburger SV/29/54), 8 Gökhan Inler (SSC Napoli/30/79), 17 Pajtim Kasami (Olympiakos Piräus/22/4); 9 Haris Seferovic (Eintracht Frankfurt/22/18), 23 Xherdan Shaqiri/23/40), 18 Admir Mehmedi (SC Freiburg/23/28). Litauen (4-2-3-1): 1 Giedrius Arlauskis (Steaua Bukarest/Rum/27/18); 8 Egidijus Vaitkunas (Zalgiris Vilnius/26/14), 4 Tadas Kijanskas (Hapoel Haifa/Isr/29/38), 3 Georgas Freidgeimas (Zalgiris/27/13), 23 Vytautas Andriuskevicius (Cambuur Leeuwarden/Ho/24/14); 2 Gediminas Vicius (Schachtjor Karaganda/Kas/29/16), 7 Arturas Zulpa (Zalgiris/24/6); 11 Arvydas Novikovas (Erzgebirge Aue/24/21), 15 Karolis Chevdukas (Süduva/23/8), 22 Fedor Cernych (Gornik Leczna/Pol/23/13); 9 Deivydas Matulevicius (Pandurii Targu Jiu/Rum/25/17). Arena, St. Gallen. – SR Moen (No). – Spielbeginn: 20.45.

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