Zum Hauptinhalt springen

«Wir stecken noch im Chaos»

Der Start ins Homeschooling verlief holprig, Astrid Künzler wollte anfangs zu viel. Nun sucht sie für sich und die Familie nach einem neuen Rhythmus.

Aufgezeichnet von Delia Bachmann
Astrid Künzler ist Kulturschaffende und Choreographin. Ihr Sohn, Kaya (10), besucht die fünfte Klasse.
Astrid Künzler ist Kulturschaffende und Choreographin. Ihr Sohn, Kaya (10), besucht die fünfte Klasse.
PD

«Wir hatten letzten Montag einen holprigen Start ins Homeschooling. Eigentlich wollte ich möglichst schnell neue Strukturen schaffen, damit Frust und eine Familienüberdosis gar nicht erst aufkommen. Ich dachte dabei an drei Lektionen am Morgen mit Pausen dazwischen, damit der Nachmittag frei wäre. Obwohl wir das so vereinbarten, wollte das Kind dann aber nicht. Und auch sonst ging alles drunter und drüber. Ich funktioniere eigentlich gut in Krisensituationen, aber letzte Woche hat es mich verblasen. Im Job war Troubleshooting angesagt mit abgesagten Proben, Verhandlungen und so weiter, zu Hause mussten wir aushandeln, wer wo arbeitet und der Sohn war im Ferienmodus und weigerte sich, Aufgaben zu machen, die ich ihm rausgesucht hatte. Das besserte sich erst als der Lehrer offizielle Ufzgi verteilte. Im Moment versuche ich am frühen Morgen zu arbeiten, dann sitze ich mit dem Sohn an den Küchentisch.

Mir ist es wichtig, wieder einen Rhythmus zu finden. Ich habe angefangen, unserem Sohn die Zeit vom Gamen abzuziehen, wenn er zu spät zum Homeschooling kommt. Das wurde nötig, denn ich kann nicht 24 Stunden lang auf Standby sein. Das Virus ist abstrakt und unsichtbar, in unserem Umfeld niemand betroffen. Es ist schwer ihm zu vermitteln, was Solidarität heisst, wenn draussen die Sonne scheint. Ich habe schnell gemerkt, dass ich am Anfang zu viel wollte. Jetzt fangen wir erst um zehn Uhr an. Das ist für alle besser. Auch sonst sind wir alle etwas grosszügiger und geduldiger geworden. Um ehrlich zu sein, stecken wir aber immer noch im Chaos.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch