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Wird es brenzlig, drückt der Fahrer auf den Überfallknopf

Rund 25 Fälle von Tätlichkeiten ge­gen­über seinen Chauffeuren und Kontrolleuren registriert Stadtbus pro Jahr. Die Fälle sind seit vier Jahren rückläufig – auch dank Videokameras, sagt Stadtbus-Sprecher Reto Abderhalden.

Vergangene Woche stand ein Mann vor Bezirksgericht, weil er einem Fahrgast im Bus die Faust ins Gesicht geschlagen und diesen erheblich verletzt hatte. Wie sieht es mit Drohungen und Gewalt ge­gen­über Buschauffeuren aus? Reto Abderhalden: Die Tätlichkeiten ge­gen­über unseren Chauffeuren und Kontrolleuren haben in den letzten vier Jahren erfreulicherweise eher abgenommen, nachdem sie zuvor angestiegen waren. Wir bekommen die Auswirkungen einer Grossstadt nicht so sehr zu spüren wie etwa Zürich. Die Fälle in Winterthur hielten sich stets in Grenzen. Trotzdem sind es 20 bis 24 im Jahr. Was sind das für Fälle? Körperliche Angriffe sind selten. Es handelt sich vielmehr um verbale Angriffe, wenn etwa der Bus verspätet ist und weiter im Stau steht. Dann entlädt sich der Frust der Fahrgäste am Chauffeur. Es kommt auch immer mal wieder vor, dass Busse mit Gegenständen beworfen werden oder jemand mit der Faust auf eine Scheibe schlägt und diese in Brüche geht. Wann sind Chauffeure am meisten betroffen? Naheliegend wären die Nachtstunden und Wochenenden. Das ist effektiv so und hat mit dem Konsumverhalten der Fahrgäste zu tun. Nachts und an Wochenenden ist oft Alkohol im Spiel, die Leute treten in Gruppen auf, die Hemmschwelle sinkt. Diese ist zudem tiefer als noch vor zehn Jahren. Die Chauffeure sehen sich zunehmend auch mit fehlendem Respekt konfrontiert. Dennoch fühlen sich die Fahrgäste gemäss regelmässig durchgeführten Umfragen sicher. Was unternimmt Stadtbus gegen negative Entwicklungen? Beschimpfungen, Drohungen und Tätlichkeiten ge­gen­über dem Personal sind strafbar. Sie können von Amtes wegen von der Polizei verfolgt werden. Wir haben unser Personal zudem speziell geschult. Die Chauffeure dürfen sich also wehren? Das Fahrpersonal hat gelernt, wie es eine Si­tua­tion deeskalieren kann, damit es erst gar nicht zu Tätlichkeiten kommt. Es setzt Grenzen, gibt mit Worten zu verstehen: Bis hierhin und nicht weiter. Sollte es trotzdem brenzlig werden, kann der Chauffeur auf den «Überfallknopf» drücken. Was geschieht dann? Drückt der Fahrer den Knopf, werden Leitstelle und Polizei alarmiert. Die Leitstelle kann mithören und agieren, wenn sich die Fronten verhärten und eine Eskalation befürchtet wird. Wie sieht es bei den Kontrolleuren aus? Wie können sie sich wehren? Billettkontrolleure sind aufgrund ihrer Funktion natürlich auch oft Drohungen ausgesetzt. Ihre Si­tua­tion ist aber eine andere: Kontrolleure sind nie alleine unterwegs. Nun ist die Gewalt gegen das Personal eher rückläufig. Worauf führen Sie das zurück? Einerseits hat sich das Sicherheitskonzept am Bahnhof bewährt. Dieses sieht unter anderem erhöhte Polizeipräsenz an Wochenenden vor. Andererseits wirkt sich die Anwesenheit von Securitas-Personal und Bahnpolizei in den Bussen positiv aus. Und nicht zuletzt helfen die Videokameras, die in etwas mehr als der Hälfte der Busse installiert sind. Wie sieht es im umgekehrten Fall aus? Sicher gibt es beim Personal auch negative Beispiele. Etwa der Chauffeur, der einen Passagier auf offenem Feld ausgesetzt hat. Es ist sicher so, dass es in einem Personalkörper unterschiedliche Charaktere hat. Bei den einen reisst der Geduldsfaden früher als bei anderen. Dank Kursen, in denen die Fahrer lernen, wie sie mit Stresssi­tua­tio­nen umgehen sollten, passieren solche Ausrutscher, wie Sie ihn beschrieben haben, kaum mehr. Dass Angestellte verbal zurückgeben, kommt vor. Sie stehen aber auch unter einem hohen Druck. Gewalt ist trotz allem kein Mittel, das wir billigen. Was passiert mit dem fehl­baren Fahrer, falls es doch zu einem Ausrutscher kommt? Jede Reklamation wird ausgewertet, und falls nötig, findet ein Führungsgespräch statt. Das dient sowohl der Klärung als auch der Schulung. Danach werden ein Fazit und entsprechende Konsequenzen gezogen. Das kann von der Schulung über die Ermahnung bis hin zur Verwarnung alles sein. Interview: Nadja Ehrbar

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